FrontGesellschaftVollmacht, Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung und Testament

Vollmacht, Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung und Testament

Niemand will das lesen, wenn es ums Lebensende geht. Und gerade deshalb, weil unser Leben endlich ist, ist es nötig, die letzte Lebensphase und die finanziellen Angelegenheiten selbstbestimmt für das nähere Umfeld zu regeln. Die gute Nachricht ist: Wer es gemacht hat, ist erleichtert und kann es getrost für einige Zeit beiseitelegen.

Die Corona-Zeit hat uns drastisch vor Augen geführt, wie schnell man ernsthaft krank werden kann. So, dass man nicht einmal klar entscheiden kann, welche medizinischen Eingriffe man zulassen will. Gerade für solche Lebenssituationen ist die Patientenverfügung gedacht. Rechtzeitig vorab hat man darin schriftlich festgelegt, wie man zu lebensverlängernden Massnahmen, zu chirurgischen Eingriffen oder zur Organspende steht. Die nächsten Angehörigen sollten möglichst eine Kopie dieses Dokumentes haben und ausführlich über den Inhalt orientiert sein. Denn Formulierungen wie «Ich will nicht an Schläuchen hängen» sind für das medizinische Fachpersonal unklar. Denn, zählt die kurzfristige Sauerstoffzugabe auch darunter? Nur aus Gesprächen kennen die Angehörigen den dahinterstehenden Sinn – zudem müssen sie wissen, wo das Originaldokument greifbar ist. Das Bankschliessfach, das erst nach einigen Tagen oder für aus Banksicht unberechtigte Dritte gar nicht zugänglich ist, ist somit kein guter Aufbewahrungsort. Die oberste Pultschublade oder der Ordner «Dokument» im Aktenschrank hingegen schon. Dort sollten auch Vollmachten oder ein Vorsorgeauftrag sein. Allein das Testament lässt sich im Bankschliessfach oder noch besser auf einem Notariat sicher aufbewahren.

Folgende vier Dokumente sollten eigentlich alle Menschen haben:

Vollmacht: Damit ermächtigt man den Ehepartner bzw. die Ehepartnerin, oder auch jemand der nächsten Generation, für einem selbst zu handeln. Die eigene Wohnung zu künden, Auskünfte einzuholen, oder – wenn es vorgängig mit der Bank geregelt wurde – Geld abzuhaben. Das für den Fall, dass man die nötigen Handlungen alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr selbst erledigen kann. Während eine Generalvollmacht sehr umfassend ist, können Vollmachten auch auf die Vertretung vor dem Steueramt oder den Hausverkauf eingeschränkt werden.

Vorsorgeauftrag: In diesem strengen Formvorschriften unterliegenden Dokument kann jede urteilsfähige Person sicherstellen, dass eine vertrauenswürdige Person die notwendigen Angelegenheiten in seinem Sinne erledigen kann. Medizinische wie finanzielle Entscheide. Da eine (momentane) Urteilsunfähigkeit eine Person jeden Alters treffen kann, sollten wir das alle haben – gerade auch im Konkubinat, da diesen Partner/innen kein gesetzliches Vertretungsrecht zukommt.

Mit einem rechtsgültigen Vorsorgeauftrag können vielfach Massnahmen der KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) und damit zusätzliche Kosten und unnötiger Aufwand vermieden werden. Er entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn man selbst handlungs- oder urteilsunfähig ist – ansonsten kann und soll man selbstverständlich selbst seine Angelegenheiten regeln. FDP-Nationalrat Marcel Dobler fordert gar den e-Vorsorgeauftrag.

Patientenverfügung: Am besten an gesunden Tagen hält man auf dem leitenden Formular die eigenen Wünsche fest, wie das medizinische Personal handeln muss, wenn man selbst nicht mehr urteilsfähig ist (solange man urteilsfähig ist, kann man jederzeit auch gegen die eigene Patientenverfügung entscheiden). Also dann, wenn man aufgrund krankheitsbedingter Schmerzen nicht mehr klar denken kann, einen Hirnschlag oder Herzinfarkt erlitten hat.

Sie dient aber nicht nur dem behandelnden Ärzteteam, sondern entlastet auch die Angehörigen von schwierigen Entscheidungen. Sie finden darin Aussagen zu gesundheitlich-medizinischen Situation, wichtigen Bezugspersonen, Schmerzlinderung/Sedierung, lebensverlängernden Massnahmen, Organspende, Obduktion/Autopsie, Einsicht in die Krankengeschichte, religiöse Begleitung und Bestattung. Neuere Formulare regen dazu an, auch die persönliche Werthaltung zu reflektieren.

Testament: Im Gegensatz zu den bisherigen Dokumenten gibt es sowohl für das eigenhändige wie das öffentliche Testament Formvorschriften. Ansonsten riskiert man, dass es für ungültig erklärt wird. Im Testament legt man fest, wie die Vermögensaufteilung nach dem Tod sein soll. Also in Abänderung der gesetzlichen Erbfolge oder wenn bestimmte Personen/Institutionen begünstigt werden sollen. Es enthält also konkrete Vorgaben zu Teilung, an die sich der Willensvollstrecker bzw. die Erbengemeinschaft halten muss.

All das überfordert vielfach. Umso mehr Sinn macht es, sich anfänglich im Internet zu orientieren oder eines der Formularset zu erwerben. Noch besser sogar, sich umfassend beraten zu lassen. Auf dem Notariat (…vielleicht geht es dann auch noch um einen Ehe- oder Erbvertrag), der Rechtsabteilung einer Bank oder bei einem Anwalt. Das gibt das gute Gefühl, alles Wichtige und Nötige für sich und vor allem die Angehörigen geregelt zu haben.


Linksammlung für mehr Infos oder Formulare:

Vollmacht (Muster, CAP)

Vollmacht (Muster Anwaltskanzlei)

Vorsorgeauftrag (Pro Senectute)

Vorsorgeauftrag (Infos der KESB ZH)

Vorsorgeauftrag (Infos der Raiffeisenbank)

Vorsorgeauftrag (Infos + Vorlage)

Vorsorgeauftrag (Vorlage)

Patientenverfügung (FMH)

Patientenverfugung (Bund)

Patientenverfügung (Dialog Ethik)

Testament (Bund)

Unterschied Vorsorgeauftrag + Patientenverfügung

Formulare, Download (Notariate ZH)

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