Den Schweizerinnen und Schweizern gehen die neusten Corona-Lockerungsmassnahmen des Bundes zu weit. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Comparis. Zwar halten über 80 Prozent das Risiko einer eigenen Ansteckung für gering. Doch gut drei Viertel sind für ein Maskenobligatorium im öffentlichen Verkehr, ein Demonstrationsverbot für Veranstaltungen mit über 300 Personen und die Aufrechterhaltung der 2-Meter-Distanzregel.
Per 22. Juni hat der Bund die Corona-Schutzmassnahmen gelockert und hält trotz wieder ansteigender Infektionszahlen weiter daran fest. Den meisten Schweizerinnen und Schweizern geht das zu weit. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdiensts comparis.ch per Ende Juni.
Klare Forderung nach Maskenpflicht, Demo-Verbot und Distanz
76,6 Prozent der Befragten halten die Aufrechterhaltung des Verbots von Demonstrationen mit über 300 Teilnehmenden für eher nötig bis sehr nötig. Das gilt für alle Generationen, vor allem jedoch für die über 60-Jährigen mit einem Zustimmungsanteil von 80,3 Prozent.
73,8 Prozent wünschten sich auch eine Maskenpflicht in Transportmitteln des öffentlichen Verkehrs. Bei diesem Thema zeigt sich allerdings ein deutlicher Generationengraben. So liegt die Befürwortungsquote bei den über 60-Jährigen bei 82,5 Prozent (gegenüber 15,4 Prozent «unnötig» und 2,2 Prozent «weiss nicht»). Hingegen finden bei den unter 30-Jährigen 31,8 Prozent eine Maskenpflicht eher bis vollkommen unnötig (gegenüber 68,2 Prozent «nötig»). «Es ist bedenklich, dass gerade bei der Generation, die wegen des Pendelns den öffentlichen Verkehr am meisten nutzt, das Bewusstsein am kleinsten ist», findet Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. Seines Erachtens würde eine Maskenpflicht vor diesem Hintergrund Klarheit schaffen, weil die Einsicht über den Nutzen bei zu vielen Menschen fehlt.
Die Abschaffung der 2-Meter-Distanzregel wird hingegen von allen Generationen und in allen Regionen der Schweiz gleichermassen nicht gut goutiert. 74,2 Prozent der Umfrageteilnehmenden findet das Social Distancing in der aktuellen Situation nach wie vor eher bis sehr nötig.
«Das ist ein deutliches Signal. Doch indem der Bundesrat diese Grenze auf 1,5 Meter reduziert hat, setzt er die Menschen dem sozialen Druck aus, sich locker zu geben», kritisiert Schneuwly. Zudem hätten die Bundesbehörden zu lange kommuniziert, dass Masken nichts nützen. Darum würden nun mit der unverbindlichen Empfehlung im öffentlichen Verkehr Masken zu tragen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, offensichtlich zu wenig Menschen überzeugt.
Geteilte Meinungen zur Maskenpflicht im Supermarkt
Bezüglich einer Maskenpflicht in Supermärkten, wie sie in verschiedenen Ländern eingeführt wurde, ist die Schweizer Bevölkerung geteilter Meinung. Über 40 Prozent der Befragten halten sie für eher oder völlig überflüssig. In der Deutschschweiz und der Romandie ist die Abneigung dabei deutlich grösser als im Tessin, wo nur 28 Prozent die Maskenpflicht für unnötig erachten.
Wenig Angst vor Corona-Ansteckung
Grundsätzlich nehmen Herr und Frau Schweizer die Situation gelassen. Die Angst vor einer Ansteckung ist klein. 84 Prozent der Befragten halten es für eher wenig bis völlig unwahrscheinlich, sich in den nächsten sechs Monaten mit dem neuen Corona-Virus anzustecken.
Auf die Frage, welches der drei Themen am meisten Sorge bereitet, antworteten denn auch 47,7 Prozent «die allgemeine Wirtschaftslage» und nur 36,3 Prozent «die Gefahr einer eigenen Ansteckung». 16 Prozent nennen «die persönlichen Wirtschaftsaussichten». «Der Glaube an die geringe Ansteckungsgefahr gepaart mit gelockerten Massnahmen kann sich als verheerend erweisen», warnt Schneuwly.
Ich möchte mich nicht mit Menschen unterhalten, die ihr Gesicht hinter einer Maske verbergen. Urlaub kommt auch aus diesem Grund für mich nicht mehr in Frage. Hinzu kommt, dass mir inzwischen das Vertrauen fehlt. Weiß ich, ob mich das gebuchte Hotel einlässt, obwohl es plötzlich in meiner Stadt einen Erkrankten gibt? Werde ich in Quarantäne gesperrt? Auch ist es alles andere als eine Freude für mich, von vermummten Servierern bedient zu werden. Da gehe ich lieber hier vor Ort im Wald spazieren und nehme mir eine Wegzehrung mit. Leute, denen die Angst um ihre eigene Gesundheit derart überwichtig ist, dass sie soziale Kontakte vermeiden, sind mir unangenehm.
Seit Monaten wir ununterbrochen von «Lockerung» gesprochen. Dabei ist das ein ganz einseitiger Blick auf das, was jetzt nötig ist. In Wirklichkeit geht es nicht um Lockerung, sondern um Präzisierung. Der «Lock-Down» war eine durchaus wirksame, aber ungezielte Massnahme mit grossen Kollateralschäden. Jetzt geht es darum, präzisere Massnahmen und Verhaltensregeln zu entwickeln, die das Virus in Schach halten, aber die Kollateralschäden vermeiden. In manchen Bereichen braucht es Lockerung, in anderen noch schärfere Massnahmen. Wer mein, es gehe insgesamt nur um Lockerung, übersieht, dass das Problem – ein hochansteckendes, bösartiges Virus mit noch schlecht erforschten Eigenschaften – unverändert besteht.
Dieser Beitrag ist meiner Auffassungsgabe entsprechend sehr provokant und manipulierend geschrieben. Da werden beispielsweise bei Maskenpflicht die ablehnende Minderheit von 32% der jüngeren Mitmenschen gegen über von 81% der älteren Befürwortern gegenüber gestellt.
Es scheinen immerhin über 60% der Jüngeren gleicher Ansicht zu sein wie die Älteren.
Aber dieses Virus hat doch deutlich Grundeigenschaften unsere Gesellschaftsform aufgedeckt, welche mehr als nur tabu sind. Es ging bei diesem Lock-Down offensichtlich nicht um die Menschen, sondern um den Zusammenbruch des medizinischen Notfallsystems.
Dies hat der Bundesrat versehentlich so deutlich Betont, dass man es offensichtlich nicht wahrgenommen hat. So wie es in unserem System seit Gedenken nie um einzelne Existenzen ging, sondern vielmehr darum, welchen Nutzen oder Schaden sie unserem System bringen.