FrontGesellschaftTeufelsstein und Bergkristall

Teufelsstein und Bergkristall

Wer erhält den «Teufelsstein» für den absurdesten Transport, wer den «Bergkristall» für die sinnvollste Transportpraxis? Die Alpen-Initiative ruft zur Abstimmung auf.

Wer erhält dieses Jahr den «Teufelsstein» für besonders absurde Transporte? Die Alpen-Initiative nominiert drei Schweizer Unternehmen: Gewürzgurken aus Vietnam im Verkauf bei der Migros, Granatapfelkerne aus Peru, die in Ägypten verarbeitet werden, im Angebot von Coop und der  Verkauf von Wasser der Marke «Berg» aus grönländischem Gletschereis durch Manor.  Der Schmähpreis will Bewusstsein schaffen für unsinnige Transporte und hält Unternehmen dazu an, ihr Angebot und ihren Produktetransport zu überdenken.

Drei Kandidaten sind auch nominiert im Rennen um den «Bergkristall», der sinnvolle Ideen auszeichnet: Das Gastro-Projekt «kulinarischer Herbst», Live Track und Urban Logistics. Die drei Nominierten tragen mit ihren innovativen Ideen dazu bei, dass Verkehr reduziert, verlagert oder ganz vermieden wird. Durch ein Online-Voting kann die Öffentlichkeit nun entscheiden, wem diese Preise verliehen werden.

«Wir müssen dafür sorgen, dass die Herstellung von Produkten wieder regionaler wird. Das verkürzt die Transportwege, was dem Klima und auch den Alpen zugutekommt. Regionale Wirtschaftskreisläufe machen uns auch krisensicherer, widerstandsfähiger und flexibler. Und sie schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort», so Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative.

Der Verein macht sich seit über 30 Jahren für einen umweltverträglichen Güterverkehr stark. Lächerlich tiefe Transportkosten und der Bedarf nach aussersaisonaler Verfügbarkeit von Gemüse und Früchten bringen eine immer grösser werdende Auswahl an fragwürdigen Produkten hervor. Nahrungsmittel sind Dauerbrenner für absurde Transportwege.

Gewürzgurken aus Vietnam, Migros

Gewürzgurken sind als Beilage für typisch schweizerische Gerichte wie Raclette oder dem «Zvieri-Plättli» nicht wegzudenken. Das Erschreckende: Obwohl man für dieses Konservierungsprodukt problemlos Schweizer Gurken verwenden könnte, werden sie meist aus anderen Kontinenten importiert. Bei der Migros-Marke «Condy» zum Beispiel aus Vietnam. Von dort werden die Cornichons per Schiff nach Rotterdam und dann per Bahn in die Schweiz transportiert. 18’280 Kilometer für Gurken, die man auch hierzulande anbauen könnte.

Granatapfelkerne aus Peru, Coop

Bevor dieses Convenience-Produkt bei Coop ankommt, ist es schon um die halbe Welt gereist: Herkunftsgebiete der Granatapfelkerne sind laut Verpackung die Türkei, Ägypten, Südafrika, Indien oder Peru. Die Granatapfelkerne, die für unsere CO2-Berechnung verwendet wurden, stammen aus Peru und wurden in Ägypten verarbeitet. Der Transport erfolgt von Lima per Schiff nach Ägypten. Nach der Verarbeitung und Verpackung werden die Kerne nach Zürich geflogen, von wo sie mit dem Lastwagen den Weg ins Regal finden. 17’590 Kilometer für einen in dieser Form mehr als fragwürdigen Snack.

Wasser «Berg» aus grönländischem Gletschereis, Manor 

Ein neues Luxuswasser in Schweizer Regalen kommt von der kanadischen Marke «Berg» und ist bei Manor im Angebot. Im Angesicht abschmelzender Polarkappen ist die Herkunft dieses Wassers besonders zynisch: Es stammt vom Eis grönländischer Gletscher. Im Meer um Neufundland werden treibende Eisblöcke gesammelt, per Schiff an Land gebracht und dann auf der Strasse nach Mount Pearl in die Abfüllanlage geliefert. Von dort weiter per Fähre und Lastwagen zum Hafen von Halifax, von wo das Wasser per Schiff nach Antwerpen und via Bordeaux per Camion in die Schweiz gelangt. Mit 9602 Kilometern hier im Vergleich die kürzeste zurückgelegte Distanz, jedoch der höchste CO2-Ausstoss.

Wer gewinnt den Bergkristall?

Bewusstsein für regionale Küche wecken

Alpinavera, eine Plattform für zertifizierte Regionalprodukte, hat mit dem Verband Gastro Graubünden in Zusammenarbeit mit den Gastroverbänden in Glarus und Uri den «kulinarischen Herbst» ins Leben gerufen. Mitmachende Betriebe werden in einer Broschüre aufgeführt und dürfen Gerichte, die zu mindestens 60 % aus regionalen Zutaten bestehen, speziell auszeichnen. Das Projekt leistet somit einen wertvollen Beitrag, dass regionale Lieferketten im Gastgewerbe eine stärkere Verankerung erhalten.

Verkehr vermeiden dank  smarten Lösungen

Live Track bietet Gemeinden und Unternehmen mit einer smarten Cloud-Plattform die Möglichkeit, Füllstände in Versorgungs- und Entsorgungsbehältern in Echtzeit zu überwachen. So ist ersichtlich, wann ein Container oder Silo geleert werden muss. Damit kann die Fahrten- und Standortplanung optimiert werden.

 

Zusammenschluss der führenden Velokuriere

Zusammenschluss der führenden Schweizer Velokuriere Urban Logistics ist eine Plattform für Transportleistungen, welche die führenden Velokuriere zusammenschliesst mit dem Ziel, nachhaltige Citylogistik zu fördern. Sendungen werden so noch am gleichen Tag in allen urbanen Gebieten abgeholt und zugestellt.

Die Öffentlichkeit kann bis zum 13. September 2020 online unter www.alpeninitiative.ch/vote abstimmen und so entscheiden, wer den Teufelsstein und den Bergkristall erhalten soll.

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