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Earth Overshoot Day

Am 22. August war «Earth Overshoot Day». Der Tag hat noch verschiedene andere Namen: «Weltüberlastungstag», «Welterschöpfungstag» oder «Ökoschuldentag», um nur einige zu nennen. Ich kann nicht sagen, wir «feierten» diesen Tag. Denn erstens gibt es nichts zu feiern. Und zweitens wusste in meiner Umgebung niemand so recht über diesen Tag Bescheid.

«Von heute an leben wir weltweit «auf Pump», was unsere natürlichen Ressourcen angeht», sagte ich. «Aber» meinten sie, «hat da Corona nicht gebremst?»

Das ist in der Tat so, davon konnte man lesen. Ohne die umfassenden Einschränkungen durch die Pandemie hätte der diesjährige Weltüberlastungstag schon auf Ende Juli angesetzt werden müssen. Im Internet finden sich übrigens Angaben über den Ressourcenverbrauch der einzelnen Länder. Die Leserschaft kann sich da selbst informieren.

1961 hatte der globale jährliche Ressourcenverbrauch noch Reserven übrig gelassen. Ab 1971 habe dann der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen überstiegen. Von da an ging es mit der Übernutzung der Erde munter weiter.

Auf diese Entwicklungen will die Organisation «Global Footprint Network» jährlich durch den «Weltüberlastungstag» aufmerksam machen. Die Organisation wurde 2003 gegründet. Sie ist eine Non Profit Organisation im Umweltbereich. Mit dem «ökologischen Fussabdruck» versucht sie, uns die Auswirkungen unseres Handels auf die Umwelt nahe zu bringen und diese jedes Jahr wieder eindringlich in Erinnerung zu rufen.

Meiner Generation muss das alles zu denken geben. Denn wir waren ja bei dieser Entwicklung dabei. Wir haben sie durch unser Handeln vorwärts getrieben. Und es kommt mir eine vage Erinnerung an einen verbalen Zusammenstoss mit einem Kollegen in den achtziger Jahren in den Sinn. Wie das Gespräch verlief, weiss ich nicht mehr, es ging um Teilnahme an der Politik. Und plötzlich fuhr er mich an: »Ihr Frauen habt ja jetzt das Stimmrecht. Und was habt Ihr bis jetzt gemacht? Nichts, gar nichts! Auch die Frauen kümmern sich kein bisschen um die Probleme der Umwelt. Alles geht seinen gewohnten Gang!».

Den genauen Wortlaut seiner Vorwürfe habe ich vergessen, nicht aber seinen Gesichtsausdruck. Darin las ich, dass er wirklich geglaubt hatte, mit den Frauen werde nun eine «Schutzmacht für die Umwelt» politisch tätig werden. Und dass er total enttäuscht war. Diese Erwartung traf sich ja mit den Argumenten, die seinerzeit häufig ins Feld geführt worden waren. Die Frauen seien umweltbewusster als die Männer, hiess es damals.

Die weltweiten Einschränkungen, mit denen die Coronapandemie bekämpft werden soll, haben einen beruhigenden Einfluss auf Natur und Umwelt. Ob dieser beruhigende Einfluss nachhaltig sein wird, ist heute noch eine offene Frage.

2 Kommentare

  1. Gut, dass du dieses Thema aufgegriffen hast, liebe Judith. Dein Kontrahent hat ja glücklich den Bösewicht gefunden, die Frauen. Die Chinesen haben … und das Vieh ist schuld … und die Demokraten sind’s. Weniger originell geht es gar nicht mehr. So will ich denn mein Bestes tun und vor meiner eigenen Tür wischen.
    Ich wünsche dir eine gute, virenfreie Zeit
    Edi Häfliger, der aus dem Luzerner Hinterland

  2. Ich kann mich nicht erinnern wann dieser «Weltüberlastungstag» eingeführt wurde. Was ich jedoch weiss: jedes Mal wenn ich lese oder höre, dass er noch früher im Jahr eintrifft als das Jahr zuvor – dass also unsere «noch» vorhandenen «erdigen» Ressourcen noch früher als das Jahr zuvor schon aufgebraucht sind und wir einen 2. Planeten für den Rest des Jahres ausbeuten müssten um im gleichen Schritt weiterzumachen – werde ich depressiv und ….. sehr wütend. Wütend, weil sich nichts, aber auch gar nichts in eine vernünftigere Richtung zu bewegen scheint. Auch ich sah beim Erscheinen dieses Virus und seinen Folgen eine Chance, ein Aufruf zum Innehalten, um Vernunft und gesundem Menschenverstand endlich eine Stimme zu geben. Doch, geht es jetzt für die, die können und (noch) nicht in Schulden versinken nicht genau so weiter wie zuvor? Noch ist die Situation noch lange nicht ausgestanden. Ich wünsche mir/uns viele kreative Menschen, Frauen wie Männer, die an einer lebenswerten Zukunft für Mensch und Umwelt forschen und arbeiten.

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