FrontKulturWidersprüchliche Biografie, unvergessliche Songs

Widersprüchliche Biografie, unvergessliche Songs

Mit der gebotenen Vorsicht (Schutzmaske und Distanz halten) starten die Theater dieser Tage in die neue Spielsaison. Den Anfang machte das Kleintheater Rigiblick in Zürich mit der Aufführung „Tribute to John Lennon“ im Freien. Geboten wird das Bild eines Künstlers der 68er-Bewegung, der die klassischen Klischees von Freiheit und Frieden erfüllte und unvergessliche Songs kreierte.

John Lennon hätte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er wurde, 40jährig, am 8. Dezember 1980 vor dem Dakota-Gebäude in New York City, in dem seine Familie wohnte, von einem geistig verwirrten Fan niedergeschossen. John Lennon gründete zusammen mit Paul McCartney die Beatles, die bis heute mit einer Milliarde verkaufter Tonträger eine der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte sind. Er galt als Pazifist, warb mit seiner Musik für Gewaltfreiheit, führte ein skandalträchtiges Leben, kreierte mehrere Solo-Hits wie „Imagine“, „Jealous Guy“, «Whatever Gets You Through“ und andere mehr, noch heute gern gehörte Songs.

Im Kindsalter ein Störenfried

Für den Leiter des Theaters Rigiblick, Daniel Rohr, war John Lennons Geburtstag Anlass genug, einen weiteren unterhaltsamen Musik-Theater-Abend mit dem Titel „Tribute to John Lennon“ zu gestalten. Mit von der Partie ist auch diesmal der vielseitige Musiker Tobias Schwab, der die musikalischen Einlagen arrangierte. Regie führte Hanna Scheuring, die Lebenspartnerin von Daniel Rohr. Im Mittelpunkt des Abends steht Alain, ein in die Jahre gekommener Taxiunternehmer, der Beatles-Touren in New York anbietet. Dieser Alain, wie immer gekonnt und umtriebig gespielt von Daniel Rohr, erzählt episodenweise das Leben des musikalischen Genies John Lennon, der bei der Schwester seiner Mutter aufwuchs, im Kinds- und Jugendalter als Störenfried mit desaströsen schulischen Leistungen galt und bereits 1956 mit 15 Jahren eine nach seiner High School benannte Band gründete, die sich später „The Beatles“ nannte.

Unverwechselbare Songs, vorgetragen von den Musikern und Sängern Tobias Schwab, Gerhard Gerstle, Benjamin Heusch, Lukas Langenegger, Oliver Kaiser (am Schlagzeug), Rislane El Harat, Daniel Rohr, Sara Kilchenmann und Julien Kilchenmann.(von links). Fotos: Toni Suter / T+T Fotografie

Schnell nahm die Karriere der Band Fahrt auf, es entstand eine regelrechte Beatles-Hysterie, die Band ritt förmlich auf einer Erfolgswelle, kam mit Drogen in Berührung. Das änderte sich, als Lennon 1966 die Avantgarde-Künstlerin Yoko Ono kennenlernte und heiratete. 1969 verliess Lennon die Band und startete eine Solo-Karriere. Für medialen Wirbel sorgten Ono und Lennon, als sie ihre Flitterwochen im Bett in der Präsidentensuite des Hilton Amsterdam Hotels verbrachten und mit Presseleuten über Frieden philosophierten. 1971 entstand der berühmte Song „Imagine“, der noch heute eine Hymne der Anti-Kriegs-Bewegung darstellt.

Solo und vielstimmig vorgetragen

Trotz aller Diskrepanzen im Lebenslauf, der smarte Beatle John Lennon lebt von seinen unverwechselbaren Songs. Diese sind es, die den Abend zum Erlebnis machen. Grosses Lob verdienen die vier Sängerinnen und Sänger Bruno Amstad, Rislane El Harat, Lukas Langenegger und Daniel Rohr, die die unverwechselbaren Songs, solo und vielstimmig vorgetragen, mit viel Verve neu aufleben lassen, begleitet von einem achtköpfigen Musikensemble unter der Leitung von Tobias Schwab. Es ist ein rundum gelungener Musik-Theater-Abend, der das widersprüchliche Leben von John Lennon auf eindrückliche Weise und teils mit humoristischen Einlagen nachzeichnet und gleichzeitig die verewigten Beatles- und Lennon-Songs neugestaltet zum Besten gibt. Am Premierenabend im Park gabs dafür reichlich Applaus.

Ein Wermutstropfen bleibt: Schade ist nur, dass die durchwegs erfolgreichen Tribute-to-Musikabende im Rigiblick meist nach dem gleichen Muster gestaltet sind. Hier wäre mehr kreative Abwechslung erwünscht.

Weitere Vorstellungen: 19., 24. September im Park, 9., 29. Oktober, 12., 13. 29. November, 9., 19., 20., 21., 22. Dezember

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