FrontGesellschaftEine Lokomotive geht nach Hause

Eine Lokomotive geht nach Hause

Die Wanderer und die Seemöwen staunten nicht schlecht. Eine Lokomotive fuhr am Dienstag auf einem Nauen über den Vierwaldstättersee.

Der Grund des sonderbaren Transportes: Im Jahr 2021 wird die erste Bergbahn Europas – die Rigi Bahn – 150 Jahre alt. Dieser historische Moment der Schweizerischen Bahn- und Tourismusgeschichte wird mit einem gebührenden Jubiläumsprogramm gefeiert. Das erste Highlight  war der Transport der Zahnrad-Tenderlokomotive H ½ Nr. 7 der ehemaligen Vitznau-Rigibahn aus dem Jahr 1873 auf dem Seeweg vom Verkehrshaus der Schweiz nach Vitznau. Nächstes Jahr im Mai wird sie mit Volldampf auf die Rigi fahren.


Die Loki 7 vor dem Verkehrshaus auf dem Tieflader

«Es gibt nichts Schöneres, die alte Loki 7 wieder zum Leben zu erwecken», schwärmte der Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer.  Der Lokiführer und Verantwortliche für die Inbetriebnahme Martin Horath lobte den Zustand der Maschine: «Sie ist alt, originell wie vor 150 Jahren und bewegt sich wie früher, sogar mit dem gleichen Antrieb.»


Die Loki wird auf den Nauen verladen

Der Transport war aufwändig. Die Loki musste beim Verkehrshaus auf einen Tieflader geladen und mit einem Kran auf den Nauen gehoben werden. Dann tuckerte der Nauen mit der kostbaren Fracht nach Vitznau LU, begleitet vom neusten Schiff der Vierwaldstättseeflotte «Diamant» mit vielen Gästen und der Presse aus dem In-und Ausland.


Spektakulärer Transport auf dem Vierwaldstättersee

In Vitznau wurde der Tross mit Alphornklängen und vielen Zuschauern in Empfang genommen. Mit einem Kran wurde die 14 Tonnen schwere Schnapsbrenner-Loki, wie man sie früher liebevoll nannte, vom Nauen auf den Bahn-Kreisel gehoben.


Ankunft in Vitznau


Martin Horath, Lokiführer und Verantwortlicher der Inbetriebnahme, freut sich. Die Loki 7 ist wieder in Vitznau

Die Geschichte der Lokomotiven

Die Lokomotiven mit den Nummern 1 bis 6 wurden in den Jahren 1870 bis
1873 in der Oltener Werkstätte der Centralbahn gebaut, während die Maschinen Nr. 7 bis 10 1873 als erster Auftrag von der eben eröffneten Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur geliefert wurden.

Die Lokomotive mit der Betriebsnummer 7 und der Fabriknummer 1, welche im Verkehrshaus der Schweiz ausgestellt ist, ist somit der Urahn von rund fünftausend Triebfahrzeugen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Winterthur hergestellt wurden.

Die Maschine ruht auf zwei Achsen, die aber nur der Abstützung und Führung des Fahrzeuges auf den Laufschienen dienen. Die Räder drehen lose auf den Achsschenkeln. Die Lokomotive besitzt einen lnnenrahmen, der wegen des geringen Federspiels, das der Zahneingriff des Triebzahnrades in die Zahnstange gestattet, hart abgefedert ist.

Die beiden aussen angeordneten Dampfzylinder weisen Allansteuerung auf und leisten 120 PS. Sie wirken auf eine Kurbelwelle, auf der zwei Zahnräder aufgezogen sind, die die Kraft weiter an zwei Zahnräder übertragen, die zusammen mit dem in der Achsmitte angeordneten Triebzahnrad auf der hinteren Tragachse aufgekeilt sind.

Bevor die Loki 7 im Mai des nächsten Jahres wieder in Betrieb genommen wird, müssen die Kurbelwellen, der Kessel und die Achsen kontrolliert und repariert werden. Dann wird sie abwechslungsweise von  sechs Lokiführern mit 7 Kilometern in der Stunde bis zum Rigi-Kulm fahren.
Fotos: Josef Ritler

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