FrontKolumnenWie dumm ist eigentlich Mozarts «Zauberflöte»?

Wie dumm ist eigentlich Mozarts «Zauberflöte»?

Der Berner Musiktheoretiker und Cellist Urs Frauchiger beschäftigt sich seit Jahren mit dem Musiker Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Werk. In der «Neuen Zürcher Zeitung» verführte Frauchiger kürzlich die Leserschaft mit einer persönlichen, wie auch kritischen  Analyse über die «Zauberflöte», der wohl kaum alle Leser beipflichten können. Wie könnte es anders sein, dass auch die Freimaurerei im kritischen Fokus seiner textlichen Überlegungen war. Die Zauberflöte berührt seit Jahrhunderten die Herzen der Zuhörer durch die faszinierende Musik und Poesie. Es versteh sich, dass der Text von Emanuel Schikaneder die verschiedensten Interpretationen offenlässt. Es ist nun aber Fakt, dass in der Handlung auch die Freimaurer-Symbolik ein wesentliches Element bildet und zur Faszination der Oper beiträgt, welche die Zuhörerschaft bis heute begeistert. Ja, Geschichte und Handlung haben mehrere Quellen, die zum Teil freimaurerischen Ursprungs sind oder Märchen- und Weisheitsgeschichten beinhalten. Nutzen wir die Gelegenheit für einen zusammenfassenden, kurzen Einblick in die Welt der Freimaurer.

Freimaurerei, ist ein Thema das seit jeher polarisiert. Über die Ursprünge der Freimaurer gibt es ganz unterschiedliche Theorien: Einige sehen in der Freimaurerei eine Fortführung der antiken Mysterienkulte, andere glauben, die Freimaurer setzten die Tradition der Templer fort. Doch ist man sich heute darüber einig, dass die Freimaurer auf mittelalterliche Bruderschaften der Steinmetze zurückgehen – herausgewachsen aus den Kreisen der Benediktiner – und später aus dem Zisterzienserorden. Das Brauchtum, die Rituale der Freimaurer, schliesst also an die Tradition der mittelalterlichen Gilden und Zünfte an, besonders an die der Dombauhütten. In diesem Sinne entstand 1717 die moderne Freimaurerei mit der Gründung der ersten Grossloge in London. Seit über 270 Jahren existieren und wirken in über 130 Länder der Welt Freimaurerlogen. Heute sind es insgesamt in etwa 40‘000 Logen mit rund sechs Millionen Mitgliedern. Ein beachtliches Potential für freiheitlich-humanitäres Gedankengut. Im Jahre 1737 wurde in der Schweiz die erste Loge gegründet. Für die Aufnahme waren weder Stand noch Bildung entscheidend, sondern einzig und allein die individuelle Eignung.

James Anderson formulierte als erster Grossmeister 1723 die erste freimaurerische Verfassung. Dieses Grundgesetz der Freimaurer, die «Alten Pflichten», regelten das Verhältnis der Mitglieder untereinander und die Verhältnisse zu Politik, Gesellschaft und Religion. An der Spitze jeder einzelnen Bruderschaft amtet der «Stuhlmeister» als gewählter Vorsteher, mit klarem Auftrag zur Führung der Loge.

Freimaurerei ist eine kosmopolitische, internationale Bewegung, die sich auf Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenwürde, Toleranz und Humanität beruft. Freimaurerei ist ein philosophisches Lehrgebäude, welches das Streben nach einer Menschheit, die in Frieden und gegenseitiger Achtung lebt, zu ihrem Ziel erklärt. Freimaurerei stellt den Menschen, das Individuum, in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Die Freimaurer setzen sich für Brüderlichkeit, Grundrechte und Würde aller Menschen ein. Obschon die Logen im Detail unterschiedlich arbeiten, bleibt das Ziel in allen Logen das gleiche: Es geht um die Veredelung des Menschen, oder wie es die Symbolik der Freimaurer ausdrückt, um das Bestreben, aus einem unbehauenen rauen Stein einen behauenen kubischen Stein zu fertigen. Die undogmatischen Denk- und Erlebnisabläufe eines jeden einzelnen Freimaurers machen die Welt umspannende Bruderkette der Freimaurer letztlich zu einem «Bund ungleich Gleichgesinnter». Es sind dies alles Persönlichkeiten, die mit ihrer kosmopolitischen und freigeistigen Einstellung, ihrem Engagement für Toleranz und Humanität.

Fakt ist, dass überall dort auf der Welt, wo Freiheit und Rechtstaatlichkeit herrschen, es auch einflussreiche Freimaurerlogen mit herausragenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gab und immer noch gibt. Kaiser, Könige, Fürsten, politische Führer, Bischöfe gehörten und gehören dem «Weltbund der Menschlichkeit» an, genauso wie Männer des Geistes aus Musik (so auch Wolfgang Amadeus Mozart), Literatur und Kultur, der Wirtschaft und der Politik.

Ihren wohl augenfälligsten Beitrag mit Signalwirkung haben Freimaurer bei der Erarbeitung der nordamerikanischen Verfassung. Dies in einer Zeit, in der in Europa vorwiegend Fürsten, Diktatoren und andere Despoten das Sagen hatten und die demokratischen Regierungssysteme im Argen lagen. Die Freimaurerei lieferte das reibungslos funktionierende Modell eines föderativen Systems, eines Staatenbundes. Von den 56 Unterzeichnern waren 53 Freimaurer. Von den 55 Mitgliedern der konstituierenden Nationalversammlung deren 50. Das Gedankengut der freimaurerisch geprägten amerikanischen Verfassung widerspiegelt sich in fast allen Nationalverfassungen, die es in der freien Welt gibt. Am 4. Februar 1789 wurden der Freimaurer George Washington zum Präsidenten und John Adams, ebenfalls Freimaurer, zu seinem Vizepräsidenten gewählt. In Frankreich traten zur selben Zeit unter dem Einfluss der Freimaurer die Leader der Nation in Versailles zusammen und bildeten am 17. Juni 1789 eine Nationalversammlung.

Freimaurerische Persönlichkeiten waren in den meisten Ländern in Politik und Gesellschaft an einflussreicher Stelle zu finden. Auch der moderne schweizerische Bundesstaat wurde von Freimaurern nachhaltig geprägt und mitgestaltet. Der Wandel vom Staatenbund zum schweizerischen Bundesstaat im Jahre 1848 und dessen nachfolgende Konsolidierung haben sich aus den Wurzeln freimaurerischen Gedankengutes entwickelt. Nachdem dem Sonderbund kein Erfolg beschieden war, waren der Freimaurer Heinrich Zschokke von der Loge zur Brudertreue Aarau und der Zürcher Jonas Furrer die treibenden Kräfte für die Schaffung und Gestaltung des neuen Bundesstaates. Am 12. September 1848 nahmen Volk und Stände die neue Verfassung an und am 16. November 1848 wählte das Parlament den ersten Gesamtbundesrat. Zum ersten Bundesratskollegium gehörten drei Freimaurer: Jonas Furrer als erster Bundespräsident, Stefano Franscini und Friedrich Frey-Herosé. Die Freimaurer haben immer politische Verantwortung getragen und sich über die Politik an der Gestaltung von Staat und Öffentlichkeit beteiligt.

2 Kommentare

  1. Ich danke Roman Weissen für diese richtige und nötige Richtigstellung. Die Freimaurerei hat in den letzten 300 Jahren seit der Gründung der ersten Grossloge manche Stürme überlebt und eine nachhaltige Wirkung auf Politik und das Kulturleben gehabt, was den hohen Wert des freimaurerischen Gedankenguts beweist. Im übrigen verweise ich in diesem Zusammenhang auf das lesenswerte Buch von Harald Strebel «Der Freimaurer Wolfgang Amadé Mozart».

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