FrontGesellschaftDer Mann mit den tausend Hüten

Der Mann mit den tausend Hüten

Herbert Meier (76) ist der Mann der Tausend Hüte. Seit 25 Jahren führt er sein Geschäft «Maison du Chapeau» in Luzern. Ende Jahr ist Schluss. Da hängt er seine Hüte an den Nagel und erinnert sich an eine glorreiche Zeit zurück.

Viele Promis aus der ganzen Welt besuchten das Kultgeschäft in der Leuchtenstadt, liessen sich von Meier  beraten und kauften Hüte, die zu ihnen passten. Von Roger Moore, Udo Jürgens, dem Oscarpreisträger Barry Morrow über Hannelore Elsner bis zu Thomas Gottschalk. «Thomas kaufte drei Mützen,» erinnert sich Meier.


Der Mann der 1000 Hüte, Herbert Meier:»Fotografieren Sie auch meine Knickerbocker.»

Stolz ist er auf den Luzerner «Tatort»-Einsatz im Jahre 2004. Eine Szene wurde in seinem Geschäft gedreht, in der er als staunender Patron in Erscheinung trat. Für Meier war das ein äusserst spannender Drehtag. «Das war eine sehr gute Werbung für das Geschäft. Viele kamen aus Neugier und kauften einen Hut.»

«Jedem Kopf seinen Hut», lautet seine Devise. Mit geübtem Blick findet er bei jedem den Hut, der zum Kopf passt, und er sagt: «Frauen mit Hut haben einen eleganteren Gang und Männer wirken selbstsicher.»

Bevor Herbert Meier in Luzern das frühere Hutgeschäft von Kirsten Bieri übernahm, führte er zusammen mit seinem Geschäftspartner Alexander Tenisch einen Laden in Köln. Nach dem Tod von Tenisch kam Meier nach Luzern und verliebte sich sofort in die Stadt. Hier traf er die sprachbegabte Portugiesin Adelaide Nunes, die ebenfalls ein Flair für den richtigen Hut hat. «Sehe ich einen Kopf, weiss ich sofort, welcher Hut darauf passen würde», erzählt Adelaide.


Herbert Meier mit der «Perle» Adelaide Nunes. Ende Jahr schliesst das Geschäft.

Ein Besuch im «Maison du Chapeau» ist angesagt. «Kommen sie morgen. Herr Meier hat heute keine Zeit und kommen sie am Mittag, wenn keine Kunden da sind», befiehlt die Perle am Telefon bestimmt.

Als ich den Laden betrete, sitzt der Meister auf einem Stuhl. Er trägt Knickerbocker, einen Schal und natürlich eine Mütze und sagt: «Wenn Sie fotografieren, müssen die Knickerbocker auch auf das Bild. Ich bleibe aber sitzen.»

Der Laden überquillt von Hüten. Links Damenhüte, rechts Herrenhüte und ganz hinten nuschelt die Perle und befiehlt aus Distanz, was ihr Chef dem Reporter zu sagen hat. Meier lacht und erzählt aus seinem Leben. Dazwischen nuschelt er an einer Kaffeetasse.

       
Herrenhüte                                                                      Damenüte

Als ich ihn frage, welcher Hut zu meinem Gesicht passen würde, springt er auf, beäugt mich neugierig, schreitet zur Hutablage und greift zu einem Borsalino. «Der passt genau zu ihrem Kopf und der Hut ist weltberühmt.»

Und dann folgt eine atemberaubende Erklärung: «Es waren grosse Persönlichkeiten, wie der Gangster Al Capino, der US-Präsident Theodore Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill und später Schauspieler wie Alain Delon, Robert Redford, Humphrey Bogart oder Marlon Brando, die den Borsalino in der Öffentlichkeit trugen und dabei beste Werbung für den Hut machten. Man kann, ohne zu übertreiben, sagen, dass Borsalino im Laufe der Jahre zu einer Kultmarke geworden ist. Der Klassiker von Borsalino, der „Fedora“ mit breiter Krempe, gefertigt aus feinstem Haarfilz (Qualità Superiore), mit Lederband und Seidenfutter, wurde fast schon zu einem Synonym für das Wort „Herrenhut“. Borsalino steht für allerhöchste Qualität. Auch ist er ein Lebensgefühl, das man zusammen mit dem Hut ersteht. Es ist nicht irgendein Hut, den man sein eigen nennen darf. Es ist ein Borsalino.»


Herbert Meier freut sich, mir einen Borsalino verkauft zu haben.

Ich bin beeindruckt und kaufe den Hut. Herbert Meier verabschiedet sich, nimmt seine Marlboro und sagt: «Jetzt muss ich draussen eine Zigarette rauchen. Adieu!» Und ich fragte mich: Trug der Marlboro-Mann, meisterhaft fotografiert von Hannes Schmid, nicht auch einen Borsalino-Hut? Wie dem auch sei, ich bewege mich nun selbstsicher nach Hause.

Wer sich einen neuen Hut anschaffen will: Das Geschäft ist bis Ende Jahr offen und es hat noch viele Hüte.

Fotos: Josef Ritler

Mehr: http://www.maison-du-chapeau.ch

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