FrontLebensartIn der Stube brennt das Hoffnungsfeuer

In der Stube brennt das Hoffnungsfeuer

An der Limmat in Zürich ist es bitterkalt. Ein paar Leute sind trotzdem gekommen. Sie möchten miterleben, wie Stadträtin Karin Rykart und Pfarrer Christoph Sigrist das Hoffnungsfeuer auf der Limmat anzünden Die Aktion findet zum ersten Mal statt. Die Kirchen und die Stadt setzen damit ein Adventszeichen im Coronajahr.

Fast würde man meinen, die Kirchen hätten die Diskussion darüber, wie wir heuer Weihnachten feiern werden, ganz dem Staat und den Behörden überlassen. Diese sagen uns, wo, wozu und zu wievielt wir uns treffen dürfen. Im Jahr, in dem wegen Corona alles anders ist, scheint den Kirchen zum christlichsten aller Feste wenig einzufallen.

Nicht so in Zürich!

Bereits am 11. November wurde im Grossmünster das Corona-Manifest der Kirchen der Stadt Zürich verabschiedet. In sieben Leitsätzen verpflichten sich die Kirchen, besonders im schwierigen Corona-Advent für kranke und alte Menschen da zu sein. Hier kann das Manifest nachgelesen werden: https://www.reformiert-zuerich.ch/home/home~1666/corona-manifest-der-zurcher-kirchen/52532/#.

Das Hoffnungsfeuer auf der Limmat, im Hintergrund das Stadthaus und die Fraumünster-Kirche.

Nun hat Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist innert nur vier Wochen verschiedene Organisationen zusammengetrommelt: die evangelischen, katholischen und christkatholischen Kirchen der Stadt, die Stadträtin, die Zünfte, die Feuerwehr, den Zivilschutz und die Polizei. Und alles ohne Vorbereitungskommission, schriftliches Briefing und Sitzungen. Nur Netzwerkarbeit per Telefon.

Ein zürcherisches Gemeinschaftswerk

Alle leisten einen Beitrag, damit während der Adventszeit auf einem Boot ein Hoffnungsfeuer brennt. Es soll die Fantasie der Stadtbevölkerung anregen, trotz Isolation, Quarantäne und Kontaktsperre die sozialen Begegnungen und Beziehungen so verantwortungsvoll wie möglich zu leben. Und wieso gerade hier auf der Limmat? Christoph Sigrist bei seiner Begrüssung: «Wir sind hier mitten in der Stadt, zwischen den vier Kirchen, dem Grossmünster, dem Fraumünster, der Predigerkirche und der Wasserkirche. Wir sind sozusagen in Zürichs Stube. Und hier soll das Feuer Wärme spenden und Zuversicht ausstrahlen. Gerade in einer Zeit, wo Traditionen fehlen und Vertrautes wegbricht. Das Hoffnungsfeuer steht für den Advent und Weihnachten.»

Stadträtin Karin Rykart und Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist an der Premiere. (Fotos: Jürg Bachmann)

Es ist schon erstaunlich, wie sogar komplexe Aufgaben in kürzester Zeit gelöst werden, wenn alle mitmachen. Keine vier Wochen sei es her, sagte Christoph Sigrist weiter, dass er die Idee an die Stadt, die Kirchen, die Zünfte und die städtischen Dienste trug. Und alle tragen jetzt begeistert ihren Beitrag dazu bei: die Stadt über Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz die Sicherheit der Aktion und des Feuers, die Kirchen täglich stattfindende Andachten und die Zünfte das Brennholz. Ihnen allen dankte auch Stadträtin Karin Rykart.

Jede Woche ein Thema

Jede der vier Adventswochen ist einem Thema gewidmet: die erste «Feuer und Wasser», die zweite «Licht und Dunkel», die dritte «abgewiesen – angenommen» und die vierte schliesslich «gemeinsam statt einsam». An den Wochentagen findet um 18.05 Uhr nach dem Läuten der Glocken der Altstadtkirchen ein kurzer adventlicher Impuls vor Ort statt. Am Wochenende findet am Samstagabend nach dem Einläuten des Sonntags um 19.15 Uhr der Impuls statt. Zu sehen ist der Impuls auf https://altstadtkirchen-live.ch/. Auf der Website von Zürich Tourismus www.zuerich.com wird das Feuer live gezeigt.

Die Première klappte. Mit dem Glockenschlag 18.15 Uhr brannte das Feuer. Und brennt nun rund um die Uhr.

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