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Kunterbunt und spannend

Das Luzerner Kunstmuseum stellt in der Jahresausstellung die Werke von 29 Künstlerinnen und Künstler aus, die einen Bezug zur Zentralschweiz haben. Eine fünfköpfige Fachjury wählte sie aus den 210 eingereichten Dossiers aus.

Es ist ein buntes und spannendes Bild, das die Jahresausstellung bietet. Wer will schon regional sein, wenn er oder sie zentral sein kann. Die Ausstellung heisst darum 2020 zentral. Zwischen 1943 und 1993 geboren, stehen die Künstlerinnen und Künstler für mehrere Generationen künstlerischer Arbeit in und aus der Region Zentralschweiz.


Olivia Abächerli *1992, lebt in Bern, neutral backgound 1, 2020, bedruckte Tapete

«Es wäre gewagt zu behaupten, dass sich anhand der Eingaben klare Tendenzen des aktuellen Kunstschaffens oder eine ausgeprägte Beschäftigung mit der aktuellen Weltlage auszumachen wären», erklärt die Kuratorin Alexandra Blättler.

Stattdessen können Besucherinnen und Besucher eine grosse Vielfalt erleben: So vereint die Ausstellung Videoarbeiten, Malerei, Zeichnungen und Skulpturen wie auch installative Werke. Beim Rundgang muss man über die fast 8 Meter lange Bodenzeichnung von Pal Lussi mit dem zweideutigen Titel Betreten schreiten, um in den nächsten Raum zu gelangen.

Von Rebekka Steiger (Gewinnerin des Ausstellungspreises 2017), Davix, Pat Treyer und Giacomo Santiago Rogado sind virtuose Malereien zu sehen. Martin Chramostas Luftschloss spielt mit Materialität und Grössenverhältnissen, während Johanna Gschwend und Moritz Lussi in ihrem Video This is not a Holiday den rhythmischen Klang eines Tennisspiels mit der Gartenbeleuchtung auf dem Monte Verità in Einklang bringen. Drei absurd verformte Oberteile verkörpern in der Performance Conditions von Mahtola Wittmer verschiedene Gemütszustände.


Maude Léonard-Contant, No Edit Can Fail Tint, Ausstellungsansicht

Eine besondere Art der Landschaftsbildnerin ist Maude Léonard-Contant *1979. Für ihre Kabinettausstellung No Edit Can Fail Tint formt sie neun Tonnen rötlichbraunen Guss-Sand zu einer poetischen Sprachlandschaft. Kurzgedichte, von der Künstlerin verfasst und als Negativformen in den Sand gepresst, Wasser, das von der ölhaltigen Oberfläche des Sandes abgewiesen wird, und leere Keramikgefässe ergänzen das Ensemble und verändern die Topografie. Das Bild einer Wüstenlandschaft erscheint. Eine Landschaft, die an menschliches Leben erinnert, das von der Wüste verschluckt wurde, an die Überreste früherer Zivilisation und gefundene Schriftstücke, deren Sprache uns unbekannt ist und rätselhaft erscheint.

Mahtola Wittmer, Conditions, 2020, Objekt: Baumwolle, Performance


Ausstellungsansicht, 2020, mit Werken von Anna Wiget und Tatjana Erpen


Andreas Brunner *1962, lebt in Luzern, Haven’t crash landed yet, 2020, Holz, Gips und Gymnastikbälle

Paul Lussi *1952, lebt in Luzern, Betreten, 2020, Dispersion, Tusche, Farb- und Bleistift auf Leinwand

 

 

Pat Treyer, *1956, lebt in Adligenswil, Ofen, Brüste, Haus und Frau 2020, Mann mit Flügeln


Martin Chramosta, Luftschloss, 2017, Keramik
Fotos: Josef Ritler

Künstlerinnen und Künstler: Olivia Abächerli, Kathrin Affentranger, Helen Bösch, Andreas Brunner, Jeremias Bucher, Renata Bünter, Jonas Burkhalter, Martin Chramosta, Davix, Tatjana Erpen, Lotta Gadola, Stefan Gritsch, Johanna Gschwend & Moritz Hossli, Elisabetha Günthardt, Stephanie Hess, Otto Lehmann, Paul Lussi, Camillo Paravicini, Giacomo Santiago Rogado, Christoph Rütimann, Diana Seeholzer, Rebekka Steiger, Pat Treyer, Ariane Vonmoos, Anna Wiget, Rolf Winnewisser, Mahtola Wittmer

Jury: Alexandra Blättler, Sammlungskonservatorin Kunstmuseum Luzern; Linda Jensen, Kuratorin Last Tango, Zürich; Patrizia Keller, Kuratorin Nidwaldner Museum, Stans; Nils Nova, Künstler, Luzern; Patrick Rohner, Künstler, Glarus

Besuch der Ausstellung auf eigene Gefahr. Die Platzzahl bei Führungen und Veranstaltungen ist begrenzt. Reservation unter +41 41 226 78 20.

In der Ausstellung integriert sind auch die Werke von Micha Zweifel. Seniorweb hat darüber berichtet:

https://seniorweb.ch/2020/12/06/micha-zweifel-im-kunstmuseum-luzern/

Besuch der Ausstellung auf eigene Gefahr.

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