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Die Wurzeln der Heimkehr

Thomas Hürlimann, Schriftsteller, Bundesratssohn und konservativer Rebell, kann am 21. Dezember seinen 70. Geburtstag feiern. Das hätte er nach seinen todesähnlichen Erfahrungen selbst kaum für möglich gehalten.

Sein Vater war das erzkatholische Urgestein Hans Hürlimann (1918-1994), Bundesrat von 73-82, seine Mutter stammt aus der CVP-Hochburg Duft, sein Onkel war Stiftsbibliothekar in St. Gallen (wovon die Novelle „Fräulein Stark“ u.a. zeugt)  und Sohn Thomas als „Mönchlein in knöchellanger Kutte“ Stiftsschüler im Kloster Einsiedeln.

Da konnte die Rebellion nicht weit sein, seine etwas verqueren Streiche als Internatszögling sind genauso verbrieft wie die zweimalige erfolgreiche Bearbeitung des Einsiedler Welttheaters (2000 und 2007).

Dass er sich für sein Philosophiestudium nach Berlin absetzte und dann als Dramaturg am Schillertheater tätig war, zählt zu seinen Fluchtorten und Wegmarken wie seine Dozentur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und die Gastprofessur in New Hampshire.

Heimkehr: S. Fischer Verlag, ISBN 978-3-10-031557-1

Doch spätestens mit seinem Roman „Heimkehr“, einer labyrinthisch verwobenen und sprachlich verstörenden Heimkehr zu sich selbst und der meisselnden Frage „Wer bin ich?“ (und damit der existenziellen Fragestellung von Max Frisch sehr nahe), tritt die angestrebte Sesshaftigkeit in der einst verstossenen Heimat auch literarisch wieder zutage. Seine Lobeshymne auf die krankheitsbedingten Aufenthalte in einigen Schweizer Spitälern, die er der NZZ anvertraute (28.04.19), zeigt Parallelen zum Zitat auf dem Buchumschlag „Heimkehr“:

„Ich erzähle eine einfache, uralte Geschichte vom verlorenen Sohn, der heimkehrt zum verlorenen Vater. Heinrich Übel muss durch seine Zeit und die Liebe reisen, zuletzt kommt er an.“  

 Im Roman kehrt dieser Heinrich Übel nach einem verhängnisvollen Unfall in einem Schweizer Bergtal als rätselhaft auferstandener Lazarus nach zwanzig Jahren Abwesenheit in sein Land zurück, womit die Suche nach seiner Identität einer autobiographischen Odyssee gleichkommt.

Der grosse Kater“ – Romanverfilmung mit Bruno Ganz in der Hauptrolle

Am Sonntag, 20. Dezember, 11.05 Uhr, zeigt 3sat das Gespräch «Thomas Hürlimann über die Odyssee des Lebens» aus der SRF-Reihe «Sternstunde Religion» und direkt im Anschluss, um 11.30 Uhr, die Verfilmung von Hürlimanns Roman «Der große Kater» mit Bruno Ganz in der Hauptrolle.

Der grosse Kater: FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-14659-8 (neu aufgelegt)

Zwei Tage im Leben eines Bundespräsidenten. Während er den Besuch des spanischen Königspaares erwartet, wird hinter seinem Rücken bereits eine Intrige vorbereitet, die ihn zu Fall bringen soll. Private Interessen und das Ringen um politische Macht vermischen sich zu einem gefährlichen Sprengsatz.

»Ein verblüffend verwegenes, ja doch gar: ein verrücktes Buch.« Tagesspiegel

 

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