FrontGesellschaftEhrenamtliche leisteten grossen Sondereinsatz

Ehrenamtliche leisteten grossen Sondereinsatz

Ohne sie ginge bei der Schweizer Berghilfe gar nichts: Ehrenamtliche leisten in den Bergen die wichtige Prüfarbeit. Und dieses zeitliche Engagement war im 2020 wegen der Coronakrise um 15 Prozent höher. Neben den üblichen 8500 Arbeitsstunden fielen gut 1200 zusätzliche Stunden an. Umgerechnet sind das rund 150 Arbeitstage.

Im Rahmen der Corona-Soforthilfe hat die Schweizer Berghilfe im vergangenen Jahr über 100 Projekte mit zwei Millionen Franken unterstützt. Das Geld floss an Kleinst- und Kleinunternehmen, welche von der Coronakrise besonders hart getroffen wurden.

Die Schweizer Berghilfe war im Corona-Jahr zusätzlich gefordert. Im Bild Heuete mit einem Bläser. 

Bei der Berghilfe prüfen Experten vor Ort in den Bergen alle Projekte. Der vierköpfige Projektausschuss entscheidet einmal pro Monat über die auszuzahlende Unterstützung. Damit das Geld für die Corona-Nothilfe rasch und gezielt eintreffen konnte, waren die Ehrenamtlichen darum zusätzlich gefordert. Den Mehraufwand mussten sie neben der üblichen Projektarbeit stemmen. Insgesamt fielen so neben den regulären 8500 Arbeitsstunden rund 1200 Stunden mehr an.

Doppelter Aufwand für Andrea Gilli

Den grössten Zusatzaufwand verzeichnete Andrea Gilli, seit März 2020 Stiftungsratsmitglied und in dieser Funktion Vorsitzender des Projektausschusses. Statt der vorgesehenen rund zwei Tage pro Monat arbeitet er fast vier für die Schweizer Berghilfe. Notabene neben seinem Pensum als Gemeindepräsident von Zuoz. «Zum Glück haben wir im Projektausschuss hervorragende Leute, da ist eine unheimliche Kompetenz vorhanden», sagt Gilli.

Die Schweizer Berghilfe kann sich aktuell auf 30 ehrenamtliche Experten und Expertinnen aus allen Regionen der Schweiz abstützen. Sie stellen mit ihren Besuchen bei den Gesuchstellern sicher, dass bei der Berghilfe die Hilfe von Mensch zu Mensch geleistet wird. Pro Jahr werden so über 600 Projekte mit rund 35 Millionen Franken unterstützt. «Wir besuchen jedes Projekt. Das kann den Eindruck vom Papier vollständig kehren», sagt die Berghilfe-Expertin Edith Zwahlen aus Basel. Deshalb sei der Ortstermin auch so wichtig. Auch Pierre Praz, langjähriger Experte aus dem Kanton Fribourg und Mitglied des Projektausschusses, betont: «Der persönliche Kontakt ist zentral. Die interne Motivation der Gesuchsteller kann man nur so abklären. Man sieht das ganze Gelände, die Installationen, man sieht, wie die Leute arbeiten und wie sie sind.

Experte Pierre Praz: «Der persönliche Kontakt ist zentral». Fotos: Schweizer Berghilfe

Der Lockdown im März 2020 brachte für Pierre Praz grosse Herausforderungen. Er konnte – wie alle Experteninnen und Experten – die Projekte nicht besuchen, musste Projekte aus der Distanz evaluieren. Aber auch der Projektausschuss tagte virtuell. Hier zeigten sich die Grenzen der Digitalisierung: «Wenn man sich trifft, kann man direkt miteinander diskutieren, das macht die Entscheidungsfindung viel effizienter.»

Austausch motiviert die Ehrenamtlichen

Jährlich wendet Pierre Praz für Projektprüfungen und seine Tätigkeit im Projektausschuss rund 500 Stunden auf. Hinzu kamen im vergangenen Jahr rund 70 Stunden zusätzlicher Aufwand wegen der Corona-Krise. Die Motivation für den grossen Aufwand – er bezieht sie aus den direkten Kontakten zu den Menschen in den Bergen. «Ich mache diese Arbeiten für die Begegnungen, für den persönlichen Austausch», bekräftigt er. Auch für Edith Zwahlen ist das der Grund, sich für die Berghilfe zu engagieren: «Man bekommt Kontakt zu anderen Menschen, denen man im eigenen Alltag nicht begegnet. Das ist eine sehr bereichernde Wechselwirkung». Noch deutlicher wird Andrea Gilli: «Ich liebe die Berge, der Alpenraum und der Jura sind für mich zentral. Die Berge sind mein Lebensraum, und den will ich fördern!»

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