FrontNeuStolpersteine und Fallen beim Senioren-Dating

Stolpersteine und Fallen beim Senioren-Dating

Betrüger, die Liebe vorgaukeln und bloss Geld wollen, sind eines der trübsten Kapitel beim Online-Dating. Alljährlich fallen in der Schweiz einige hundert Frauen auf Love-Scammer herein.

Mitte Februar hat Seniorweb unter anderem berichtet, dass die Pandemie dem Online-Dating einen Boom beschert. Immer mehr Ältere suchen im Internet nach Partnerinnen und Partnern. Im jetzigen Artikel berichten  wir über die Hindernisse.

Auch vorgetäuschte Liebe macht blind

Er heisst Ramon, ist 67, lebt in Brasilien. Das Foto auf dem Dating-Portal zeigt einen distinguierten Herrn in Anzug und Krawatte. Seine Schweizer Chatpartnerin ist Renate (Name geändert). Sie ist zuerst skeptisch, aber was sie sieht und liest, gefällt ihr. Renate, 69, ist finanziell abgesichert und lebt allein – und, ja, manchmal ist sie sehr einsam.

Auch Ramon ist Single, Manager einer international tätigen Firma. Renate liest gerne seine hübschen Komplimente. Dass er sich nach ihren Finanzen erkundigt, interpretiert sie als Interesse an ihrer Person. Der nette Ramon gesteht bald, dass er sich in sie verliebt habe und sich nichts mehr als eine gemeinsame Zukunft wünsche. Für Renate hängt der Himmel voller Geigen. Das vorgespurte Liebesglück wird konkret, als Ramon ankündigt, dass er geschäftlich nach Europa fliegen und sie besuchen werde.

Böses Erwachen

Dann kommt es: Am Abflugtag erhält Renate ein Mail von Ramon: Er sei beim Zwischenstopp in London überfallen und verletzt worden. Nun sei alles weg, Geld, Kreditkarten, Ausweise. Renate solle doch, bitte, bitte, 2500 Dollar für den Arzt und die Tickets senden. Renate überweist das Geld – und hat seither nie mehr was von Ramon vernommen.

Wolf im Schafspelz. Love Scammer, Betrüger, geben sich als liebenswerte Geschöpfe aus und zocken ihre Opfer ab. Besonders Seniorinnen sind betroffen.

Der Fall ist erfunden. Aber typisch. Besonders häufig seien Seniorinnen und Senioren betroffen, weiss Daniel Baltzer von singleboersen-vergleich.ch. Als Romance Scam oder Love Scam bezeichnet er diese Gaunereien. Die Betrügerinnen und Betrüger umwerben ihre Opfer und versuchen ihnen dann mit dramatischen Geschichten Geld aus der Tasche zu holen. Zurück bleiben leere Konten, gebrochene Herzen – und Ganoven, die straffrei bleiben. Sie agieren anonym, meist von Afrika aus, manche auch von Südosteuropa oder Südamerika aus. Seriöse Portale versuchen die Schwindeleien auszumerzen. Aber es gelingt nicht immer.

„Mir kann sowas nicht passieren“, ist die erste Reaktion, wenn man von solchen Fällen hört. Wirklich? Fachleute schätzen, dass jährlich mehrere hundert Opfer von  der Schweiz aus in die Fallen tappen, vor allem Frauen. Sie schalten den Verstand aus, weil die Täter raffiniert Bedürfnisse und Sehnsüchte ausnützen. Die Betrüger haben einen langen Atem, die Hoffnung endlich, endlich, einen Gefährten zu finden, lässt einsame Menschen den Überblick verlieren.

Informationen vorsichtig dosieren

Präventionsexperten raten, im Internet persönliche Informationen nur sparsam preiszugeben. Tabu sind vor allem die finanzielle, berufliche und familiäre Situation. Wenn die Betrüger als vermeintliche Frauen auftreten, die vorgeben, Männer zu suchen,  zeigen sie sich gerne als attraktive, sexuell anziehende Personen. Bei männlichen Profilen überwiegen seriös wirkende Businesskleidung, gepflegter Casual Look oder auch mal Militär-Uniformen.

Hilfreich ist es, auf dem Portal einen Nicknamen, ein Pseudonym, zu verwenden. Auch im direkten Mailkontakt soll man nicht sofort den richtigen Namen oder gar die Adresse angeben. Ein taugliches Mittel ist der Bilder-Check. Scammer verwenden für ihre Profil gerne Fotos aus dem Internet und haben deshalb oft nur ein einziges Motiv zur Verfügung. Wer ein zweites oder drittes Bild verlangt, deckt den Bilderklau auf. Den Betrügern das Spiel vermiesen kann man auch, wenn man einen Video-Chat, zum Beispiel über Messenger, vorschlägt. Scammer scheuen den Face-to-Face-Check.

Abzock-Portale

Bei der Online-Partnersuche lauern Gefahren. Nicht nur Love-Scammer übertölpeln allzu Vertrauensseelige. Tückisch sind auch so genannte moderierte Portale. Hier werden die Benutzer nicht mit realen Kontaktsuchenden verbunden, sondern mit Moderatoren. Deren Ziel ist es, die Kunden zu möglichst vielen Botschaften zu bewegen. Für jede muss man bezahlen. Die einzelne Message kostet zwar nicht viel. Aber wenn Moderatorinnen Leidenschaft und sexuelle Bereitschaft vorflunkern, kann die Rechnung am Schluss auf tausende von Franken steigen.

Ausschnitt aus dem Facebook-Verkehr zwischen einem Betrüger und seinem Opfer. Er sei alleinerziehender Vater, habe seine Frau und zwei Kinder bei einem Autounfall verloren. Seither habe er grosse emotionale Schmerzen durchgemacht. Bilder zvg/Facebook

Harmloser, aber ebenfalls fragwürdig sind die Lockvogel-Angebote, die auch auf renommierten Portalen zu finden sind: Attraktive, vielversprechende Profile ohne realen Hintergrund. Beruhigend: Beim Senioren-Dating sei diese Praxis weitgehend unbekannt, versichern Experten.

Die Kunst der Selbstdarstellung

Auf dem Weg zu einem Partner, einer Partnerin liegen Stolpersteine. Allerdings nicht nur jene, die Betrüger platzieren, sondern die Plattform-Benutzer erschweren sich die Suche gleich selber: Mit einer schlechten Präsentation, mit schlechten Bildern und Texten. Damit das Foto zum Hingucker wird: freundlich lächeln, gepflegte Kleider, gute Aufnahme. Tabus sind Männer im Unterleibchen, Frauen im Bikini, Comic- oder Witzfiguren, Gruppenfotos. Die Kontaktanzeige besteht neben dem Profilbild aus Nickname (Pseudonym), Titel, Motto und dem Profiltext. Für alles gilt: authentisch bleiben, nicht allzu bescheiden auftreten, aber auch nicht übertreiben.

Partnersuche im Internet ist wie eine Fahrt im Bummelzug, bei der man nicht weiss, bei welcher Station man aussteigen soll. Wie bei der Bahn sind die vielen Abo- und Ticketpreise verwirrend. Beim Online-Dating für Senioren kostet die Nutzung eines Portals für sechs Monate je nach Anbieter zwischen 80 und 480 Franken. Allerdings sind die Leistungen derart verschieden, dass diese grosse Differenz nicht viel aussagt. Günstige Portale verrechnen Kosten für Zusätze, ohne die man nicht vernünftig suchen kann, zum Beispiel fürs Versenden von Botschaften. Viele Portale bieten Gratis-Angebote. Sie eignen sich nur zum Testen und ermöglichen nicht, dass man Kontakte aufnehmen kann.

Love-Scammer übertölpeln Einsame. Abzock-Portale nutzen mit fiesen Tricks Sehnsüchte aus. Sich einladend auf der Dating-Plattform zu präsentieren ist längst nicht allen gegeben. Der Weg zum Du ist uneben. Aber das Ziel, eine erfüllende Partnerschaft zu finden, lohnt es, all diese Hindernisse zu überwinden.


Dieser Artikel stützt sich zum Teil auf das Portal www.singleboersen-vergleich.ch. Dort sind auch weitere Hinweise auf Dating-Gefahren zu finden.

Link zum Beitrag «Die Pandemie verschafft dem Senioren-Dating Zulauf» von Peter Steiger

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