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Neuigkeiten

So ganz korrekt ist der Titel meines Textes nicht. Richtigerweise müsste er «News» heissen. Ich will nämlich über die Nachrichten schreiben, die uns via Radio stündlich erreichen und uns ins Bild setzen. Worüber eigentlich? Über den Zustand der Welt, wäre eine mögliche Antwort.

Eines Tages habe ich mir die Mühe gemacht, am Morgen diese Meldungen mehrere Male hintereinander anzuhören. Was habe ich da nicht alles vernommen?! Ich habe versucht, mir Notizen zu machen. Aber die Sprechweise der Radiojournalisten ist relativ schnell. Also musste ich mich auf Stichworte beschränken. Mein Aufnahmevermögen ist am Morgen noch nicht ganz auf seiner Höhe. Also kann ich für die totale, absolute Richtigkeit meiner Angaben keine Gewähr übernehmen.

Wichtig schien den Nachrichtensprechern im ersten Durchgang, dass sich im eidgenössischen Parlament nur 2/3 der Parlamentarier, an der Zahl 171, dem freiwilligen Covid-Test unterzogen haben. Die Zahl wurde von eingespielten Parlamentarierstimmen teils gerügt, teils gelobt. Keinen Hinweis darauf, wie viele Parlamentarier an diesem Morgen überhaupt anwesend waren. Das wäre eine interessante ergänzende Aussage gewesen. Als Gegenstück wurde auf Teenager im Kanton Zug hingewiesen. Da war der Prozentsatz der «Spucker» viel höher. Dazu wurde die Frage aufgeworfen, ob eventuell Gruppendruck im Spiel gewesen sei?

Weiter kam ein Hinweis auf die Löhne der Topkader wie SBB oder Swisscom. Auch schon gehört. Wird auch in den Printmedien breitgetreten. Anschliessend vernahm ich, dass sich die Aussenminister von USA und China in Alaska persönlich gegenübergestanden seien. Dass sie in ihren Eröffnungsreden mit harschen Worten an die Gegenseite nicht gespart und dann hinter verschlossenen Türen weiter debattiert hätten. Hoffen wir, dass da der eine oder andere versöhnliche Ton möglich war!

Die nächste Nachricht, dass sich Tausende von unbegleiteten Minderjährigen illegal von Mexiko in die USA begeben, war auch eine hinlänglich bekannte, traurige Tatsache. Das schliesst die Wiederholung in den News nicht aus. Soll unser Mitgefühl getestet werden? Dann schlossen Sport- und Börsennachrichten die Sicht über den Zustand der Gegenwart ab.

Beim nächsten Nachrichtenschub ging es wieder um den freiwilligen Spucktest der Parlamentarier. Um eine Warnung aus der Westschweiz vor dem zu frühen Öffnen der Lokale mit einem Hinweis auf USA, wo die Zahlen der an Covid Erkrankten nach einer solchen Massnahme wieder gestiegen seien. Erfreuliche Meldung aus Zürich: Die Jugendfilmtage finden während dreier Tage statt, natürlich online.

Und wieder musste ich mir anhören, wie unversöhnlich sich die Aussenminister von China und USA bei ihrem Treffen in Alaska gegenüberstanden, mindestens während des öffentlichen Teils ihres Treffens. Der Rest spielte sich ja hinter verschlossenen Türen ab. Anschliessend eine Erholungspause durch Sport- und Börsendaten.

In der nächsten Nachrichtenlieferung gab die europäische Behörde EMA Entwarnung in Sachen Impfstoff von Astra Zeneca. Der deutsche Minister Jens Spahn wurde mit dem aufschlussreichen Satz zitiert, dass das Risiko der Verabreichung dieses Covid-Medikamentes geringer sei als die Folgen des Nichtimpfens. Kleiner Trost für diejenigen, die das Risiko treffen könnte. Allerdings wurde der Hörerschaft nicht unterschlagen, dass Norwegen und Schweden noch weitere Studien abwarten wollen.

Eingehend wurde darüber berichtet, dass in Spanien im Parlament 60 Prozent für ein Gesetz über aktive Sterbehilfe gestimmt hätten. Aufschlussreich war der Hinweis, dass im katholisch geprägten Spanien nur noch 20 Prozent der Einwohner praktizierende Katholiken seien. Das wurde auf eine immer noch bestehende Abwehrhaltung gegen die Franco-Zeit und die damalige Dominanz der katholischen Kirche zurückgeführt. Und schliesslich war in diesem Nachrichtenblock auch noch von einer neuen Energieetikette für strombetriebene Haushaltgeräte die Rede.

Eine Stunde später musste ich mir ein weiteres Mal anhören, dass die Aufsichtsbehörde Finma mit unseren systemrelevanten Banken zufrieden sei, weil sie Massnahmen zur Stabilisierung ihrer Finanzen in schwierigen Zeiten ergriffen hätten. Der Chef der Westschweizer Ärzte warnte ein weiteres Mal unter Hinweis auf eine Studie aus den USA vor zu früher Öffnung der Restaurant-Terrassen.

Gefreut habe ich mich, als ich hörte, dass in Tansania die 61-jährige Hassan Präsidentin des Landes geworden ist. Warum freue ich mich? Ich kenne sie ja nicht. Hoffe einfach, dass sie für ihr Land eine gute Wahl ist. Und wieder erlösten uns die Börsendaten und das Wetter von der angestrengten Aufmerksamkeit.

Ein Kolumnentext sollte nicht zu lang sein. Also lasse ich es bei meinen Feststellungen, die nicht vollständig sind, bewenden. Allfällige «weiterführende Gedanken» über das, was wir täglich, stündlich, als «News» vorgesetzt bekommen, überlasse ich gerne den Leserinnen und Lesern!

1 Kommentar

  1. Ich gehe davon aus, hier sei der stündlich wiederkehrende Einheitsbrei von Radio DRS gemeint. Da bin ich schon froh, wenn nicht zu viele Deklinationsfehler gemacht werden und wenn Fremdwörter richtig ausgesprochen werden. Immerhin kommen die Nachrichten dann, wenn sie noch aktuell sind und nicht erst dann, wenn Bilder vorhanden sind, wie beim Fernsehen.
    Trotzdem gibt es noch journalistische Leistungen, wie etwa das Echo der Zeit von Radio DRS, die Morgensendung (7.00-8.00) von Radio Suisse Romande oder Forum von TSR.
    Bedenklicher finde ich, dass insbesondere Radio und TV der Deutschschweiz sehr wenig für den nationalen Zusammenhalt tun. Für sie ist offenbar das Parteiengezänk in Deutschland wichtiger als Nachrichten aus den andern Landesteilen. Sendungen wie «Die Woche in der Westschweiz und im Tessin» dürfte es nicht geben. Ueber Lugano und Lausanne sollte man genauso oft und ungezwungen berichten wie über Zürich und Bern.
    Ueber Fehlinformationen aufgrund ungenügender Recherchen (im Wissenschaftsmagazin von Radio DRS nicht selten) möchte ich nicht lästern: das kann vorkommen.
    Als objektive Wahrheiten verkaufte politische Ansichten (Rundschau) sind schon etwas heikler.
    Aber schliesslich können wir die Sender, die wir hören wollen, ja selbst auswählen.

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