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Ferienträume – Traumferien

Vor einem Jahr waren wir im Pandemiemodus und Ferien standen kaum zur Debatte. Jetzt sieht es etwas besser aus. Meerwasser riechen, neue Kontakte knüpfen, auf einer Terrasse in den Bergen die Sonne geniessen – all das lässt sich wieder planen. Traumferien hingegen unterliegen keinen Einschränkungen, sind unabhängig von Gesundheit, Geld, Flug- und anderen Plänen, immer möglich. Denn Träume kennen keine Grenzen, bewegen sich allein auf den Flügeln der Fantasie.

Und, wohin gehst du in die Ferien? Diese Frage ist wieder normal, die Einschränkungen des letzten Jahres fast vergessen. Erstaunen breitet sich aus, wenn ich sage, dass ich auch dieses Jahr zuhause bleiben werde. Ich bin immer gerne gereist. Diese Gefühle, in einem Flugzeug durch eine Wolkendecke ins Licht zu stossen, in den Bergen zu wandern und sich in einem Hotel verwöhnen zu lassen oder an einem Strand an der Nordsee die Seele baumeln zu lassen, habe ich nicht vergessen.

Nur ist jetzt ein anderes Gefühl dazu gekommen. Ist es vielleicht Menschenscheu? Eher Menschenmassenscheu. In einer fliegenden Konservendose Schulter an Schulter zu sitzen und die Luft vieler anderen Passagieren einatmen, Dichtestress auf Ausflugsterrassen und überfüllte Strände? Nein danke. Da geniesse ich lieber meinen Garten, den Liegestuhl unter der grossen Buche – und die Ruhe.

Noch einmal auf dem Nil

Da träume ich dann von den Orten, die ich gerne nochmals besuchen würde, aus verschiedenen Gründen aber nicht kann. Ägypten zum Beispiel. Nein, nicht die Pyramiden, die habe ich einmal gesehen – und sie haben mich fast umgehauen. Diese riesigen von Menschenhand geschaffenen Bauwerke rauben einen den Atem – und eine Wiederholung dieses Erlebnisses könnte nur ein mattes Déjà-vu sein.

Traumziel Nil mit einem Stückchen der Insel Elephantine in der Mitte und der Wüste im Hintergrund.

Aber die Fahrt auf dem Nil von Luxor nach Assuan, entlang der knütschgrünen Landschaft, hinter der ganz unvermittelt die Wüste beginnt, die möchte ich nochmals erleben. Diese Menschen sehen, die seit Hunderten von Jahren ihre Ochsen oder was auch immer vor sich hertreiben, als wäre die Zeit stehen geblieben. Und nochmals in Assuan sein. Am Abend. Wenn die Sonne die letzten goldenen Strahlen über das Wasser schickt und der Himmel mit einem Mal ganz zart grün schimmert, nur ein paar Atemzüge lang, das ist unvergessen. So viel Poesie, das ist wie ein Traum.

Segantinis Himmel

So wie das Blau des Engadiner Himmels. Segantini-Blau nennt man den Ton, der den in Italien geborene Maler Giovanni Segantini so fasziniert hatte, dass er sich in Maloja niederliess, um diesem Himmel immer nahe zu sein. Und ihn zu malen, immer und immer wieder. Bis zu seinem letzten Atemzug, auf dem Schafberg oben, an einem kalten Wintertag.

Wie lange dauert es wohl noch, bis solche Bilder vom Morteratschgletscher nicht mehr als ein schöner Traum sind?

Wer von Pontresina aus mit der Bahn nach Morteratsch fährt, kann von dort aus eine leichte, kaum einstündige Wanderung zum Morteratschgletscher untermehmen. Weshalb das ein Traumziel sein soll? Weil der Gletscher sich Jahr für Jahr mehr zurückzieht und kommenden Generationen einmal vielleicht wirklich nur noch Traumbilder der imposanten Gletscherlandschaft bleiben. Sie den kalten Hauch des Gletschers, der jeden, der im nahe kommt, erschauern lässt, vielleicht nur noch aus Erzählungen kennen.

Mal d’Afrique – Sehnsucht nach Afrika

Auch durch die Serengeti möchte ich nochmals fahren, in Begleitung meiner in Arusha lebenden Freunde, die mich und einen Fotografen auf unserer Reportagereise weg vom Tourismus in eine ganz eigene Erlebniswelt entführten. Mit Löwengebrüll direkt vor dem Zelt und stundenlangen Gesprächen abends am Lagerfeuer. Wird für immer ein Traum bleiben, denn David, unser Reiseführer, ein engagierter Tierschützer, ist vor zwei Jahren verstorben.

Traumland Afrika: Dieser weite Himmel, die Steppenlandschaft, der Geruch nach Feuer, Erde, Regen und wilden Tieren. (Alle Bilder pixabay)

Und das kleine verwaiste Nashorn Richie, das im N’gorongoro-Krater vor Löwenangriffen gerettet und auf Davids Farm aufgezogen wurde, ist auch nur noch in meinem Traum so niedlich, wenn es, nach unserem Rufen, stampfend und schnaubend wie eine Dampflokomotive aus dem Wäldchen seines riesigen Geheges auftauchte, um sich Rüebli und Streicheleinheiten abzuholen. Richie lebt schon lange nicht mehr in Tansania. Er ist jetzt Zuchtbulle in einem Schutzgebiet in Südafrika, wo er, wie alle seine Artgenossen, rund um die Uhr vor Wilderern geschützt werden muss. Denn sein Horn ist in gewissen Ländern Gold wert. Daran hat auch Viagra nichts geändert.

So träume ich halt weiter. Diesmal ganz realistisch. Von schönem, stabilem Sommerwetter. Dann werde ich zwar nicht verreisen, also mit Koffer und so, aber mit meiner Golfausrüstung einige der Plätze besuchen, die ich wieder mal bespielen möchte. Und vielleicht bleibt dort dann eine erfolgreiche Golfrunde mehr als nur ein schöner Traum.

2 Kommentare

  1. Liebe Bernadette, am liebsten möchte ich aufbrechen und auf Deinen Spuren die Bilder und Erfahrungen dieser reichen Welt wieder aufnehmen! (Obschon mir das Blau des Engadins seit Jahren schon auch immer Freude ud Erholung gewesen ist!) Danke für Deinen schönen Beitrag! fv

  2. Liebe Bernadette, die bildhaften Beschreibungen Deiner besonderen, unvergesslichen Ferienerlebnisse haben mich beflügelt, von den herrlichen Erinnerungen meiner eigenen glücklichen Reisen zu träumen.
    Jetzt ist mein Radius kleiner geworden, aber umso intensiver geniesse ich auch die kleinsten Naturschönheiten in meiner Nähe.
    Ganz herzlichen Dank für Deine anregenden Beschreibungen Deiner Reiseerlebnisse

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