FrontKulturZürichs Musikkultur sehnt sich zurück

Zürichs Musikkultur sehnt sich zurück

Das Tonhalle-Orchester ist diesen Spätsommer endlich wieder zurück aus der Tonhalle Maag und zieht mit neuer Orgel, mit Geigen, Pauken und Trompeten in die mustergültig sanierte Heimstätte. Doch auch das Opernhaus vermeldet den Saisonauftakt mit glanzvollen Premieren und erlesenen Wiederaufnahmen.

Ohne Covid-Zertifikat geht in beiden Häusern gar nichts mehr. Und das hat nach 1 1/2-jährigem empfindlichem Aderlass auch seine Richtigkeit. Weshalb sollen die hoch subventionierten Institutionen weiterhin vor 50 oder 100 Personen ihre Sparbrosamen auftischen, wenn sie nun mit klar kommunizierten Sicherheitskonzepten die Ränge wieder füllen und mit hochkarätiger Kunst aufwarten dürfen?   

 Das Opernhaus lässt dazu verlauten:
«In Absprache mit dem Kanton Zürich und unserem Verwaltungsrat können unsere Gäste Vorstellungen im September und Oktober ausschliesslich mit Covid-Zertifikat besuchen. Mit dem Zertifikat kommen bei uns mit anderen Worten die 3 G zum Einsatz: Geimpft, Genesen, Getestet. Auf dieser Basis werden wir den kompletten Saalplan in den Verkauf geben. Dabei werden wir mindestens bis Ende Oktober freiwillig eine Maskenpflicht in unseren Vorstellungen beibehalten, damit der Ansteckungsschutz erhöht ist und sich unsere Gäste sicherer fühlen.
Unter diesen Voraussetzungen starten wir Ende August mit dem Vorverkauf für die Vorstellungen im September und Oktober. Den November und die Folge-Monate geben wir erst später in den Verkauf, um flexibel auf neue Vorgaben und Entwicklungen reagieren zu können, aber auch um unsere Erfahrungen aus den ersten zwei Spiel-Monaten berücksichtigen zu können.“

Paavo Järvi strahlt wie ein Maikäfer, wenn er an das Klangjuwel am See denkt, wo er die Eröffnungskonzerte dirigiert.  

Die Tonhalle-Gesellschaft schliesst sich diesem Konzept wie folgt  an: „Unsere Besucher:innen über 16 Jahre bestätigen mit dem Vorweisen des Zertifikats, geimpft oder von einer Covid-Erkrankung genesen oder im Besitz eines gültigen negativen Tests (PCR- oder Antigen-Schnelltest) zu sein. Bitte zeigen Sie den QR-Code auf Ihrem Mobiltelefon oder auf Papier zusammen mit Ihrem Ausweis beim Einlass vor. Wir bitten Sie zudem in der Tonhalle Zürich eine Maske zu tragen. Auf Abstand im Publikumsbereich wird künftig verzichtet.“

Christian Schmitt an der neuen Kuhn-Orgel / Fotos © Tonhalle-Gesellschaft

Am Eröffnungswochenende vom 4. und 5. September ist es soweit: Tonhalle und Kongresshaus  dürfen auf stündlichen Rundgängen mit Audiostationen erkundet werden. Anmeldung erforderlich. Am 15. und 16. September spielt das Tonhalle-Orchester Zürich mit Paavo Järvi zum ersten Mal wieder in der Tonhalle. Mit Mahlers Dritter Sinfonie steht ein Werk auf dem Programm, das im Zeitraum von 1895 parallel zur Eröffnung der Tonhalle Zürich entstanden ist. Die ganze Saison widmet sich musikalisch den architektonischen Zäsuren des Gebäudekomplexes, eine Zeitreise und Auseinandersetzung mit der Geschichte:
Tonhalle Zürich und Kongresshaus: 1895/1939/1985/2021 (auch in erweiterten Rahmenprogrammen, u.a. mit einem Symposium zur Wiedereröffnung der Tonhalle am 23. und 24. September). Der Besuch ist unentgeltlich. Aufgrund des Schutzkonzepts wird die Anmeldung erbeten auf: events@tonhalle.ch (Betreff: Symposium).

Diese Zäsuren spiegeln sich besonders in den ersten Eröffnungswochen wider: in Co-Auftragswerken, neuer Filmmusik sowie Benjamin Brittens «War Requiem», welches Kent Nagano dirigieren wird. Vom 23. bis 25. September steht die neue Orgel im Zentrum. Christian Schmitt wird das Königsinstrument von Orgelbau Kuhn AG in Männedorf mit einem neuen Werk mit dem Titel «Concerto da Requiem» sowie der Dritten Sinfonie von Camille Saint-Saëns einweihen.

„Oper für alle“ auf dem Sechseläutenplatz und in zwei Wiederaufnahmen

Die Spielzeit 2021/22 wird unter dem Titel „Adieu Kulturlockdown“ (hoffen wir es) am 11. und 12. September eröffnet. Am Samstag, 11.00 Uhr, gibt es freien Eintritt in die Generalprobe von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“. Am Sonntag, 13.00 Uhr, wird die Wiederaufnahme der Familienoper „Das tapfere Schneiderlein“ auf der Studiobühne angeboten und abends um 19.00 Uhr geht Verdis „Messa da Requiem“ in der Ballettchoreographie von Christian Spuck über die grosse Leinwand auf dem eingezäunten Sechseläutenplatz (die Schutzmassnahmen gelten auch hier).

Julie Fuchs (2018 noch hochschwanger) als Poppea und David Hansen als Nerone in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» / Foto © Monika Rittershaus

Gleichzeitig findet im Haus die Saisonpremiere der „Salome“ von Richard Strauss (Neuinszenierung: Andreas Homoki, am Dirigentenpult Simone Young) statt). Am 1. Oktober feiern mit „Angels’ Atlas“ drei Balletteinakter ihren Einstand, während der neue Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda in Verdis „Il trovatore“ der Philharmonia Zürich vorsteht und Piotr Beczala als Manrico ins Heldenfach einsteigt.

In weiteren Wiederaufnahmen darf man/frau sich (neben der „Poppea“) ab dem 19. September auf Bellinis „I Capuletti e i Montecchi“ (in neuen Besetzungen) und ab 3. Oktober auf Puccinis „Tosca“ (mit Sonya Yoncheva und Joseph Calleja) freuen.

Am 4. September beginnt der Vorverkauf für die Vorstellungen im September und Oktober. Bereits ab dem 28. August 2021 um 11.00 Uhr können die Abonnent:innen und Aktionär:innen ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen und vor dem freien Verkauf bis zu 4 Tickets pro Vorstellung erwerben. 

Drücken wir Zürichs Musikkultur beide Daumen, dass der Aufbruch zu neuen Ufern nicht nochmals Schiffbruch erleidet.

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