FrontGesellschaftEinsamkeit im Alter mildern – Eulenaward 2021

Einsamkeit im Alter mildern – Eulenaward 2021

Mit zunehmendem Alter gehen Kontakte verloren und die Einschränkungen durch die Pandemie verstärken gegenwärtig noch die Vereinsamung. Die Stiftung generationplus hat am 22. November in Bern ihre Preise erstmals an drei Projekte verliehen, je eines aus den grossen Sprachregionen.

Gemeinsam ist den ausgezeichneten Projekten, wie der Präsident der Jury Dr. med. Albert Wettstein ausführte, dass sie Kontakte fördern und betagte Menschen aus ihrer Abgeschiedenheit herausholen. Vereinsamung stellt der grösste Risikofaktor im Alter dar, sie gefährdet Gesundheit und Wohlbefinden, gegen sie gibt es keine Medikamente, sondern nur freundliche zwischenmenschliche Kontakte.

Der Präsident des Stiftungsrates Toni Bortoluzzi erinnerte daran, dass ältere Menschen am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Als Gesundheitspolitiker bedauert er das inkohärente Vorgehen von Behörden, welches eine grosse Verunsicherung in der Bevölkerung auslöst. Dies wäre nicht nötig gewesen, wenn man auf die schon früher – beim Erlass des Epidemiengesetzes – erarbeiteten Massnahmen zurückgegriffen hätte. Umso mehr freut er sich darüber, dass ein Altern in Würde noch gesichert ist und dank Initiativen wie der heute prämierten angenehmer gestaltet werden kann.

Concierge-Dienste – alles ist möglich

Mit dem Hauptpreis, ein Eulenpaar und ein Check über CHF 10’000, wurde das Projekt Concierge-Dienste – alles ist möglich der Stiftung Lindenhof in Oftringen ausgezeichnet. Die Stiftung betreibt ein Pflegeheim, Pflegewohnungen und einen Spitex-Dienst. Sie unterhält wie in einem Hotel einen Concierge-Dienst mit Ansprechspartnerinnen für intern und extern lebende Seniorinnen und Senioren für Anliegen aller Art. Sie leisten Beratung, Betreuung und Koordination, von einfachen Anliegen wie Leeren der Briefkästen und Giessen der Pflanzen bei Abwesenheit bis hin zu komplexen Fragen wie Beistand in Krisensituationen. Dabei übernehmen viele freiwillige Helferinnen und Helfer Aufgaben. Sie organisieren auch externe Anlässe wie einen Blumenmarkt oder ein Grillfest und gehen aktiv auf betagte Menschen zu und beziehen sie ein, auch solche mit beginnender Demenz. Im Ganzen profitieren gegenwärtig 600 ältere Menschen von diesen Aktivitäten.

Ralph Bürge und Brigitte Husi von der Stiftung Lindenhof Oftringen erhalten den 1. Preis von Dr. Albert Wettstein. 

Der zweite Preis ging an das Progetto di Monte im Val Muggio. Es hat zum Ziel, den vorwiegend älteren Menschen in den Bergdörfern ein Leben in ihrem Zuhause zu ermöglichen und damit die Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten, die für das psychische Wohlbefinden und Gefühl von Geborgenheit entscheidend sind. Stiftungsrat Meinrado Robbiani erläuterte vier Massnahmen: Sichere Bewegung im dörflichen Raum z.B. dank Handläufen an Treppen und steilen Wegen und Sitzbänken zum Ausruhen; Ausgestaltung der noch existierenden Lebensmittelläden zu kleinen Begegnungszentren zum Austausch von Meinungen und Ratschlägen; Unterstützung durch die Gemeinde San Pietro mit Massnahmen zur Erhaltung der Postautolinien, Schulen und Schaffung von IT-Zugängen, was die Bergdörfer wieder attraktiver macht auch für Familien mit Kindern. Und schliesslich der Einsatz von ‘community tutors’, geschulten Freiwilligen, welche betagte Menschen regelmässig besuchen und neben sozialen Kontakten auch Unterstützung z.B. in administrativen Angelegenheiten anbieten können. Diese Massnahme hat Prof. Dr. Dieter Schürch aus Ponte Capriasca vorgeschlagen. Er hat den Einsatz von ‘Tutoren’ bereits in verschiedenen Gebieten erfolgreich angeregt und in einer Studie im Auftrag des Schweizerischen Seniorenrates für das Val Onsernone und das Val Muggio empfohlen. Im Weiler Monte von Castel San Pietro wird ein Pilotprojekt entwickelt, das von der Eidgenossenschaft unterstützt wird. Es soll Modellcharakter haben für den Erhalt des Wohnens für die ältere Bevölkerung in peripheren Regionen.

Gymnastik im Wohnzimmer

Den dritten Preis erhielt die Fernsehsendung  Ca bouge à la Maison / Gymnastik im Wohnzimmer von der Fondation Pro Senectute Arc jurassien, welche  in Neuenburg zusammen mit fünf regionalen Fernsehsendern realisiert wurde, wie Stiftungsrätin Ruth Lüthi berichtete. Es handelt sich um ein Bewegungsprogramm speziell für Betagte, das während des Lockdowns und der Corona-Einschränkungen täglich von Montag bis Samstag ausgestrahlt wird, sicherlich noch bis Ende Jahr. Befragungen zeigen, dass mehr als 14’000 bewegt fühlen. Im Lockdown kann schon das Wissen, dass auch andere betroffen sind und mitmachen zu einem Gefühl führen einer Gemeinschaft anzugehören. Eine Erfahrung, die wahrscheinlich jüngere Menschen mit ihrer Präsenz in virtuellen Räumen kaum erstaunen würde.

Die Eulenwards 2021 haben auch im Coronajahr ihre Funktion, auf Vorbilder hinzuweisen, Anregung zu sein zu einer eigenen meist auf Freiwilligenarbeit beruhende Aktivität und ein Projekt unter Bekannten und Nachbarn für ein gemeinsames Leben mit älteren Menschen zu wagen, voll erfüllt.

Weitere Infos unter www.stiftung-generationplus.ch und www.lindenhof-oftringen.ch 

Titelbild: Eulenskulpturen, die den Gewinnern als Preis übergeben werden. Fotos: Otto Steinmann

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