FrontLebensartZu Besuch in der ReparierBar Sarganserland

Zu Besuch in der ReparierBar Sarganserland

Emsig und mit Freude sind sie seit einem Jahr an der Arbeit – die pensionierten Fachleute der ReparierBar Sarganserland. Wie ist es dazu gekommen? Wer repariert was? Ist die ReparierBar auch eine Bar? Was ist beim Aufbau einer Reparierbar zu beachten?

Der Projektgründer und Projektleiter der ReparierBar Sarganserland, Sepp Dietrich, holt mich vom Bahnhof Sargans ab. Beim Einmünden auf den Parkplatz stellt er fest, dass der Wind ein Parkplakat umgeworfen hat. Sofort stellt er es wieder an seinen richtigen Ort (siehe Titelfoto).

Ablauf

Wer etwas zum Reparieren bringt, meldet sich beim Empfang im Oberstufenzentrum Sargans an, füllt ein Reparierblatt aus und holt, was kaputt ist, hoffentlich geflickt, am Nachmittag wieder ab. Repariert werden elektrische Geräte, Möbel, Textilien, metallische Gegenstände und Velos. Nicht repariert werden Kaffeemaschinen, Brillen, elektrische Zahnbürsten und Grossgeräte. Die Erfolgsquote bei den Reparaturen liegt bei ca. 60 %. Alle Mitarbeitenden sind pensionierte Fachleute, verstehen ihr Handwerk und stellen ihre Kompetenzen ehrenamtlich und kostenlos zur Verfügung.

Gute Stimmung

Auffällig ist die gute Stimmung bei den Kunden und bei den Fachleuten, die mit Freude und Engagement die teils sehr kniffligen Reparaturwünsche zu erfüllen versuchen. Meist arbeitet man zu zweit in einem Arbeitsbereich und findet gemeinsam oft eine noch bessere Lösung.

Barbetrieb

Im Eingangsbereich herrscht Barbetrieb und wer etwas zur Reparatur bringt, kann sich mit Kolleginnen und Kollegen zu einem Schwatz in der Bar niederlassen. Wer nichts zu reparieren hat, kann auch vorbeikommen und die schöne Stimmung bei Kaffee und Kuchen geniessen.  Hie und da zeigen sich auch Behördenmitglieder, wie bei meinem Besuch die Gemeindepräsidenten von Sargans (Jörg Tanner) und Pfäfers (Axel Zimmermann).

Seniorweb konnte mit dem Projektleiter Sepp Dietrich (82!!!) und dem Geschäftsführer Bruno Tanner (82!!!) ein Gespräch führen.

Seniorweb: Wie teilen Sie Ihre Aufgaben untereinander auf?

Sepp Dietrich: Bruno ist meine rechte und linke Hand (schmunzelt). Er betreut die Medien und macht in der Lokalpresse vor jedem Anlass auf den nächsten Reparaturtermin aufmerksam. Mit Berichten über den Betrieb der ReparierBar Sarganserland in den Gemeindenachrichten der Gemeinden des Sarganserlandes (Pfäfers, Bad Ragaz, Vilters-Wangs, Sargans, Mels, Flums, Walenstadt und Quarten) machen wir auf unsere Tätigkeiten aufmerksam. Vereinzelt kommen auch Kunden aus dem nahen Werdenberg, der Bündner Herrschaft und Liechtenstein.

Wie wird die ReparierBar finanziert?

Sepp Dietrich: Die Reparaturen sind gratis und unsere mehr als 40 Helferinnen und Helfer arbeiten mit Freude und ehrenamtlich. Allerdings sind wir nicht böse, wenn die Kunden einen freiwilligen Beitrag in das bereitstehende Körbchen legen. Wir sind aber angewiesen auf die Spenden der Gemeinden, Stiftungen, Serviceclubs, Firmen und Einzelpersonen für die Begleichung der Kosten für Versicherung, Miete, Flyer und Verbrauchsmaterial.

Bruno Tanner: Da wir die Werkstätten der Schule benutzen dürfen, waren die Anfangskosten überschaubar. Viele Geräte und Werkzeuge waren bereits da und mussten nicht gekauft werden. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Schulleitung und zu den betroffenen Lehrpersonen. Ebenfalls unterstützt die Gemeinde Sargans unsere Aktivitäten. Die Firma Stäubli AG stellt uns Gratis-Parkplätze gegenüber dem Schulhaus zur Verfügung.

Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Sepp Dietrich: Gute Beziehungen und ein gutes Netzwerk zu haben sind wichtige Voraussetzungen, unsere Ziele zu erreichen. Die Leitidee «flicken statt wegwerfen» ist ein Beitrag zum Umweltschutz im Alltag.

Bei ihrer Tätigkeit können die meist pensionierten Handwerkerinnen und Handwerker ihre im Berufsleben erworbenen Fähigkeiten weiter einsetzen und damit einen wertvollen Dienst leisten. Sie werden noch gebraucht und geschätzt.

Die ReparierBar soll auch ein Treffpunkt, ein Ort der Begegnung sein. Ob Kunde oder Nichtkunde, die ehrenamtlich arbeitenden Frauen freuen sich über Gäste, die sich bei Kaffee und selbst gebackenen Kuchen angeregt unterhalten. Damit sollen die Sozialkontakte gepflegt werden.

Die Erkenntnis vieler Leute, dass solche Reparaturmöglichkeiten nötig sind, hat ebenfalls zum Erfolg beigetragen.

Bruno Tanner: Es gibt ja auch die Repair-Cafés, die von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) unterstützt werden. Wir wollten aber unabhängig sein. So gesehen sind wir ein Unikat und können unsere lokalen und regionalen Bedingungen bestens nutzen, müssen gegenüber der SKS keine Rechenschaft ablegen, müssen aber auch für alles selbst aufkommen.

Seniorweb:  Besten Dank für das Gespräch!

Die Reparierbar Sarganserland ist überzeugend: Die Bar lädt ein zum Verweilen und zum Gedankenaustausch. Die pensionierten Fachleute können mit ihrer Erfahrung und ihrem Können Freude bereiten und erhalten die verdiente Anerkennung. Das Zusammenleben in der Region erhält dadurch eine zusätzliche attraktive Note. Die Reparierbar ist gemeinnützig und auch sozial bereichernd. Zudem will die ReparierBar das lokale Handwerk nicht konkurrenzieren; Kunden werden immer wieder auch auf die Fachgeschäfte der Region verwiesen. Speziell ist, dass man sich nebenbei auch im Gebrauch des Handys beraten lassen kann. Der Flyer für das Jahr 2022 ist bereits gedruckt, die Termine sind festgelegt, es geht munter und engagiert weiter!

Da staunt sogar Sepp: Nähen mit und ohne Nähmaschine, häkeln…

Irreparabel? Muss man ein Ersatzteil bestellen? (Bild links). Das Geweih montieren – ankleben oder anschweissen? (rechts).

Hier kommt’s zum Klappen! (Bild links). Und auch der Plattenspieler läuft wieder! (rechts).

Alle Fotos: Beat Steiger

Siehe: https://www.reparierbar-sarganserland.com

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