FrontGesellschaftGeld im Alter? Kompetenz ist gefragt!

Geld im Alter? Kompetenz ist gefragt!

Wir haben Roger Haug (Bild), Vermögensberater bei Solitaire Aquila, ein paar Fragen gestellt, die unsere Leserinnen und Leser sicher auch beschäftigen. Hier seine Antworten:

Entspricht die in jungen Jahren gewählte Anlagestrategie noch der aktuellen Lebensplanung?

Roger Haug:  Für die Banken sind die Älteren gerne gesehene Kunden. Sie haben im Schnitt ein höheres Vermögen als die 40-Jährigen. Bevor aber Senioren überlegen, wie sie ihr Geld anlegen, sollten sie eine Bestandsaufnahme machen. Welche Anlagestrategie für sie die richtige ist, hängt von ihrer weiteren Lebensplanung ab. Die Beiträge an die AHV/IV und die Arbeitslosenversicherung fallen weg und bei einigen sinken ab 65 auch die Ausgaben für Versicherungen und Steuern.

Planen Sie längere Reisen oder haben Sie ein teures Hobby? Wenn dann das Geld fest angelegt ist, ist das ärgerlich. Deshalb geht es erst einmal darum, zu klären, auf welche Summe man im Notfall jederzeit zugreifen will und wie viel man im Umkehrschluss fest anlegen kann. Dieses Kapital brauchen Sie erst, wenn das für im Notfall vorgesehene Kapital aufgebraucht ist, also in knapp 5-8 Jahren. Über einen solchen Zeitraum sind auch etwas risikoreichere Anlagen möglich. Ziel ist es, damit ein zusätzliches Einkommen zu generieren.

Worauf muss man bei der Wahl des Risikoprofils achten?

Natürlich möchten alle Anleger ihr Erspartes sicher investieren: Die Wertschriften sollen sicher sein, das Kapital soll schnell verfügbar sein und zu guter Letzt einen guten Ertrag abwerfen. Dass alle drei Ansprüche gleichzeitig erfüllt werden, ist schwierig. Bevor Sie sich für ein Risikoprofil entscheiden, müssen Sie festlegen, wie Sie sich im Dreieck von Liquidität, Sicherheit und Ertrag bewegen möchten. Das heisst, Sie legen Ihre Anlagestrategie fest:

Die Risikofähigkeit bestimmt, wie viel Geld Sie mit Ihren Anlagen verlieren können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Wer ein kleineres Vermögen besitzt und dieses in nächster Zeit brauchen wird, kann es sich nicht leisten, Geld zu verlieren – dies bedeutet eine tiefe Risikofähigkeit. Wenn Sie jedoch für längere Zeit darauf verzichten können, haben Sie eine erhöhte Risikofähigkeit. Bei der Risikobereitschaft geht es um Ihr Bauchgefühl – können Sie noch ruhig schlafen, wenn Ihre Wertschriften zwischenzeitlich 1/3 verloren haben? Lautet Ihre Antwort Nein, sind z.B. Aktien für Sie keine Lösung.

Je nach Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen stehen verschiedene Anlagestrategien mit Anlageziel und Renditeerwartungen für Sie zur Verfügung. Falls Sie unsicher sind, ob und welche Anlagestrategie wirklich optimal zu Ihnen passt, sollten Sie sich von Ihrem Vermögensverwalter beraten lassen.

Welche Anlageprodukte machen im Alter Sinn?

Es ist so leicht gesagt: Anleger müssen in Sachwerte investieren – am besten in Aktien. Angesichts finanzieller Repression und damit einhergehenden Negativzinsen bliebe demjenigen, der den Werterhalt seines Geldes sichern will, kaum eine Alternative.

Es gibt leider keine verlässliche Antwort auf die Frage, ob Aktien 5 oder 10 Prozent jährliche Performance abwerfen. Es ist zwar erwiesen, dass sich in der Vergangenheit mit Aktien über einen längeren Zeitraum klar bessere Rendite erzielen liessen als mit Obligationen. Aber was in der Vergangenheit war, muss für die Zukunft nicht gelten. Wir werden erst in der Zukunft wissen, was die Gegenwart gebracht hat.

Leider gibt es auch im Anlagegeschäft den «Fünfer und das Weggli» nicht. Wer nicht an eine weiterhin bessere Renditeerwartung von Aktien glaubt oder aber sich diese Anlagen aufgrund seiner Anlagestrategie nicht leisten kann, lässt das Geld besser auf dem Konto oder in Obligationen. Das Risiko zu streuen ist eine der wichtigsten Regeln für den Werterhalt einer Anlage. Der Hintergrund ist denkbar einfach. Wer sein Geld beispielweise in nur eine Firma steckt, etwa in Form von deren Aktie, läuft Gefahr, dass sein ganzer Einsatz von der Entwicklung dieses einen Unternehmens abhängt. Besser ist es daher, sein Vermögen auf mehrere Unternehmen zu verteilen, im Optimalfall auch auf andere Anlageformen wie etwa Obligationen oder Gold.

Welche Faktoren beeinflussen die Börsenkurse?

Die Wertschriftenwelt ist vielschichtig und – nicht nur für Senioren – schwer zu durchschauen. Man muss auch nicht alles verstehen und wissen, aber das Folgende sollten sie sich unbedingt merken: Die Börsenkurse werden von unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst: von der aktuellen politischen Lage, vom Zinsniveau, vom Ölpreis oder von Terroranschlägen. Solche Ereignisse sind nicht prognostizierbar. Trotzdem werden – im Nachhinein – immer wieder schlüssige Erklärungen konstruiert, weshalb der Kurs gestiegen oder gefallen ist. Verlässliche Zukunftsprognosen sind nicht möglich.

Fehlt Ihnen die Zeit, die Erfahrung oder das Interesse, um die Entwicklungen an den Finanzmärkten zu verfolgen und Ihr Erspartes entsprechend zu investieren? Dann ist eine Vermögensverwaltung die richtige Wahl. Dabei überlassen Sie das Zusammenstellen, Überwachen und Verwalten eines Portfolios gemäss Ihrer Anlagestrategie den Anlagespezialisten. Verluste zu vermeiden hat für Anleger oberste Priorität. 

Ist Bitcoin revolutionär, wie es damals die Telefonie, die Eisenbahn, das Flugzeug und das Internet waren?

Die Medien sind voll von Meldungen über Bitcoins und andere digitale Währungen. Sogar konservative Nachrichtensendungen berichten wechselweise von dem Hype – und dann wieder von den Einbrüchen ihrer Kurse.

Der Begriff Bitcoin stammt aus dem Englischen. Auf Deutsch heisst er «digitale Münze». Im Gegensatz zum Schweizerfranken existieren digitale Währungen lediglich virtuell.

Bis anhin galt Bitcoin als Währung für Internetfreaks, ihr haftet aber auch etwas Anrüchiges an. Durch die Anonymität und den grenzüberschreitenden Handel – fernab von Banken und Behörden – wird Bitcoin immer wieder mit Geldwäscherei, Waffenhandel usw. in Verbindung gebracht. Hinzu kommt, dass niemand weiss, wie verlässlich und glaubwürdig das System Bitcoin wirklich ist. Es fehlt an Transparenz.

Ist es weise, seine Franken in Bitcoins zu wechseln?

Die Banken bleiben den Kryptowährungen gegenüber auf jeden Fall skeptisch. Was die Banken jedoch interessiert, ist die Technologie dahinter. Bitcoin beruht auf dem Blockchain-Prinzip: Jede Transaktion der Währung wird in einem elektronischen Logbuch festhalten – unveränderbar, verschlüsselt und weltweit dezentral bei den Marktteilnehmern gespeichert. Diese Technologie kann dereinst Bankzahlungen oder die Überschreibung von Wertsachen unabhängig von Drittstellen ermöglichen.

Aufgrund der starken Kursschwankungen ist eine Investition in Bitcoins riskant. Digitale Währungen verlieren immer wieder massiv an Wert – unter anderem, weil die Bitcoinbörse in Südkorea geschlosssen hat oder Hacker eine der Handelsplattformen leergeräumt haben. Selbst Sie als Privatanleger können auf Ihrem Computer gehackt werden.

Die Tatsache, dass viele Notenbanken an der Schaffung eigener digitaler Währungen arbeiten, zeigt eines deutlich: Sie werden in Zukunft einen festen Platz im weltweiten Zahlungs- und Finanzsystem haben.

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