StartseiteMagazinKolumnenEs war einmal ein Mahl

Es war einmal ein Mahl

Oder: „Wie wir Nüdeli und Broccoli verabschiedeten?“ Dieser Frage werden wir gleich nachgehen. Doch zuerst fordert die Aktualität einen Schwenker. Nämlich: Jetzt haben wir wieder mal Weihnachten und Silvester geschafft, mit Mailänderli und Mousse aux Chocolat, mit Schüfeli und Schoggi, mit Gratin und Glacé. Meine Intimfeindin, die digitale Waage, spuckte erschreckende Zahlen aus. Aber jetzt ist aus die Maus mit Saus und Braus.

Ich will mit dem gleichen Thema, aber mit anderem Hintergrund fortfahren, mit Essen. Allerdings muss ich diesem Beitrag etwas vorausschicken. Nämlich: Ich schätze Vegetarierinnen, ich bewundere Veganer, ich respektiere Rohköstlerinnen, ich achte Frutarier, ich mag Trennköstlerinnen, ich verstehe alle anderen Ernährungsvarietäten. Aber ich esse 0815, ja auch mit Fleisch. Gerne gebe ich zu: mit leicht schlechtem Gewissen.

Nun die Geschichte: Wir haben kürzlich gezügelt. Um uns zu bedanken, luden wir die Beteiligten zum Znacht ein. Frohgemut teilten wir das Menü mit: Bruschetta als Vorspeise, dann Osso buco mit Spiralnüdeli, weiter Broccoli und als Dessert Tiramisu. Das ist ein Menü mit wenigen Worten. Wir erfuhren, dass dies ein Speiseplan mit hundert Problemen ist.

Ciao Osso buco

Die Schwierigkeiten begannen, als Fred anrief. Wir kannten ihn als einer der letzten bekennenden Fleischesser, als Blutwurst-Ultra, als Gemüse-Hasser. Fred, der zum Zmorge gerne Schwartenmagen ass, teilte uns mit, dass er nun Vegetarier sei, unterwegs zum Veganer. Wir versorgten das Osso Buco im Gefrierfach.

Adiö Nüdeli

Dann meldete sich Monika. Sie hält sich an Trennkost, an Hay-Diät. Damit ist nicht die frühhebräische Ausprägung des koscheren Essens gemeint, sondern das Gebot, dass man Proteine nicht mit Kohlehydraten mischen darf. Wir verbannten die Teigwaren.

Ciao Tiramisu

Nun meldete sich Ramona. Franz, ihr Heiler, habe darauf hingewiesen, wie gefährlich der okkulte Einfluss von Milch sei. Nur auf der Erde und sonst auf keinem Planeten trinke man Milch und sei darum uneins mit dem Kosmos. Wir kippten das Tiramisu.

Ciao Broccoli

Ralph und Veronika klagten, dass ihre Ying-und-Yang-Balance nicht austariert sei. Deshalb würden sie nur Produkte vertragen, die im Wasser entstanden seien, Algen etwa. Ob wir Hijiki hätten? Hatten wir nicht. Wir verabschiedeten uns von den Broccoli.

Adieu apéro

Andy hatten wir bisher als soliden Lacto-Allergiker kennengelernt. Nach seiner Trennung von Olaf hat er sich jetzt neu ausgerichtet. Er habe erkannt, dass er von spätmittelalterlichen Waljägern abstamme, und nun Rohproteine brauche. Ob er eigenes Sushi mitbringen könne? Wir lehnten ab und versenkten die Vorspeise.


Hallo Januarloch

So erlebten wir bereits im Dezember ein Januarloch.

Bilder: Screenshots

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2 Kommentare

  1. Ja, wir «Normalos» sind eine aussterbende Spezies und werden in der Stadt kein gutes Auskommen mehr haben. Sollten wir vielleicht aufs Land zügeln?

  2. Sie haben den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen.Auch wir haben ein solches ( Ding ) im Badezimmer
    sie nennt sich Waage und lügt wie gedrucktes ohne rot zu werden, es gibt aber auch ein Fenster und die Leute die unten
    durchgehen sind sowieso spindeldürr, das Risiko jemanden zu Treffen ist also gering.

    Ihnen alles Gute für`s 2022

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