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Menschen brauchen Gärten

Die Geschichte der Gärten, angefangen bei Adam und Eva und noch lange nicht zu Ende, ist eine unendliche. Gärten kommen nie aus der Mode, Gartengestaltungen schon. Mal ist es der Lustgarten, der Duftgarten, der Heilgarten, dann wieder der Nutzgarten, dann werden Masstab und Zirkel bei Gartenplänen eingesetzt, nur um wenig später den wilden, ungebändigten Naturgarten anzupreisen.

Die Behauptung, bereits Adam und Eva hätten einen Garten besessen, ist ein bisschen gewagt. Vielleicht wären sie ja froh gewesen um ein ödes Stück Brachland und hätten sich auf keinen Fall für Obstbäume entschieden. Schon gar nicht für Apfelbäume! Wenn nicht sie, wer hat dann diesen ersten Garten angelegt? Wenn es Gott gewesen sein sollte, dann ist ihm die Idee sicher am Sonntag gekommen, als er ruhte «und sah, dass es gut war». Denn am Anfang eines jeden Gartens steht ein Traum.

Vielleicht wären Adam und Eva mit dem Anbau von Salatköpfen besser beraten gewesen? Bild von Lucas Cranach (1472-1553).

Oder, um es weit prosaischer auszudrücken, am Anfang eines jeden Gartens steht ein Zaun, eine Mauer, eine Hecke. Bereits der Garten Eden muss umzäunt gewesen sein, sonst hätte ja der Engel mit dem flammenden Schwert den beiden Erdenkindern den Zutritt nicht verwehren können. Ohne Begrenzung gibt es keine Gärten, nur Wiesen, Felder, Land. Unsere Steinzeitahnen brauchten keine Gärten. Sie streiften durch Wälder und Felder, pflückten wohl auch Kräuter, Beeren und andere Früchte, aber dann zogen sie weiter. Wer einen Garten anlegen will, muss sesshaft werden.

Ein altes Kulturgut

Es soll in Persien gewesen sein, als ein König und Feldherr, Kyros II, der Grosse, 2500 Jahre v.Chr. den ersten Garten anlegen liess. Was ich kaum glaube. Denn spätestens nach Noah und der Sintflut muss es Menschen gegeben haben, die sich Rückzugsorte in der Natur schufen, zur seelischen Erbauung ebenso wie zur Bereicherung ihres Speiseplans und zum Schutz der Feldfrüchte, die sie angebaut hatten. Schliesslich hatten sie gehackt, gegraben, gepflanzt, sich die Hände schmutzig gemacht, Rückenschmerzen auf sich genommen. Und jetzt sollten nicht andere kommen, und von den Früchte ihrer Arbeit profitieren.

Gärten sind auch im Winter reizvoll.

Ein Garten ist aber noch mehr als eine, wenigstens temporäre, Speisekammer im Freien, als ein Stück Land als Eigentum. Ein Garten ist auch ein Zeichen, dass man die Natur ein ganz klein wenig beherrschen kann. Dass Rosen einen dekorativen Blickfang bilden, der Salat in geraden Reihen wächst, wie es die Natur nie könnte, Obstbäume blühen und fruchten, weil der Mensch sie hegt und pflegt. Gut, solche Allmachtsgefühle sind manchmal schnell zunichte gemacht. Durch einen Hagelschauer, durch Regen oder Trockenheit oder durch Schnecken und anderes Getier, das nicht an der Gartengrenze Halt macht.

Kleine Plagegeister lehren im Garten uns grossen Menschen Demut.

Und vielleicht sind es genau solche Ereignisse, die Gärten so wertvoll machen. Sie zeigen Grenzen auf, machen ein bisschen bescheiden. Und beweisen, dass alles, was lebt, in ein grosses System eingebunden ist. Natürlich kann mit Pestiziden, Fungiziden und anderem die Natur in Schach gehalten werden. Wenigstens so lange, bis fast nichts mehr wächst, weil der Boden vergiftet und dank Überdüngung, müde geworden ist. Und weil zusammen mit den tierischen Plagegeistern im Garten auch die Nützlinge verschwunden sind. Oder weil die pflegeleichten «Steingärten», die keine Gärten sondern Schotterwüsten sind, ein so grosses Stück Lebensraum beanspruchen, dass Bodenlebewesen, Insekten und anderes Kleingetier ganz einfach daraus verschwinden.

Gärten gab es immer schon

Wer einen Garten anlegt – und das können auch zwei mit Kräutern bepflanzte Balkonkistchen sein – reiht sich ein in eine lange Abfolge von Gartenbegeisterten. Erinnert an die stillen Klostergärten mit ihren Heilpflanzen und Einfassungen aus Buchs, an all die Seefahrer und Abenteurer, die von ihren Reisen neue Pflanzen in ihre Gärten brachten, an die Gartenpioniere, die nicht nur die Kreisläufe der Natur, sondern auch diejenigen des Mondes und der Sternzeichen studierten – einfach an die unzähligen Generationen, die Ciceros Gedanken «Hast Du einen Garten und eine Bibliothek, dann hast Du alles, was Du brauchst» auch heute noch anhängen. Und Marcus Tullius Cicero lebte von 106-43 v.Chr.!

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