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Schwerter, Säbel, Seitenwehren

Das Schwert, der Inbegriff der Griffwaffe, hat die Menschen über Jahrtausende hinweg begleitet. Das Bernische Historische Museum hat nun das Buch «Schwerter, Säbel und Seitenwehren» veröffentlicht.
Die Autoren Jürg A. Meier und Marc Höchner beschreiben im 235 seitigen und reich bebilderten Buch die Bernischen Griffwaffen von 1500 bis 1850. Zum ersten Mal nach über 90 Jahren präsentiert das Bernische Historische Museum neue Forschung zu seiner national  bedeutenden historischen Waffensammlung.


Nach den italienischen Kriegen wurde die Eidgenossenschaft im frühen 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Söldnermarkt und sicherheitspolitischen Puffer zwischen den Mächtigen Habsburg und Frankreich. Werkstatt Hans Funk (um 1470-1539), nach Niklaus Manuel (um 1484-1530), Glasgemälde.

Schweizerdegen, Ende 15. Jh. Gesamtlänge 60,9 cm; Klingenlänge 47,2 cm. Beschriftet «MARIA HILF VNS». 
BHM Inv. Nr. H/218/4

Das Schwert ist die erste reine Kriegswaffe, die zum einzigen Zweck erschaffen wurde, ein Gegenüber zu bedrohen oder auszuschalten. Die allerersten Griffwaffen aus polierter Bronze werden den Eindruck erweckt haben, dass die Krieger ein machtvolles Licht in den Händen hielten.

Als Griffwaffen bezeichnet die Fachwelt Waffen mit einer Klinge und einem Griff als Handhabe. Darunter fallen Schwerter und Säbel, aber auch weniger bekannte Seitenwehren wie Faschinenmesser oder Hirschfänger.

Schweizerdolch mit Besteck, um 1550. Die Scheide ist mit Samt belegt und weist einen Silberdekor auf. BHM Inv. Nr. H/14047

Sie alle finden Platz in der neuen Publikation. Spezifisch «Bernisch» an den vorgestellten Objekten ist der Kontext, in den sie diese Publikation bettet, nämlich die Militärgeschichte Berns im Zeitraum von 1500 bis 1850.

Damals besass der mächtige Stadtstaat Bern eines der am besten ausgebauten Militärwesen der Eidgenossenschaft. Nach 1815 unterstützte der Kanton Bern im Rahmen des eidgenössischen Staatenbundes Vereinheitlichungsbestrebungen, die militärische Belange betrafen.

Doch weshalb wurden so viele neue Griffwaffen von der Obrigkeit beschafft? Wer waren die Auftraggeber? Wer die Hersteller der Waffen? Und wie stand die Bevölkerung zum Aufrüsten des Bernischen Militärs? Diesen und weiteren Fragen gehen die Autoren im 15. Band der Reihe «Schriften des Bernischen Historischen Museums» nach.


Nächtliche Strassenschlacht in der Via Etnea in Catania vom 6. April 1849 zwischen dem Schweizerregiment von Muralt und den Aufständischen unter Ludwig Mieroslawsky

Im Unterschied zu Sammlungskatalogen, die sich üblicherweise auf materiell-technische Beschreibungen und Altersangaben beschränken, erschliesst die Publikation die Objekte ganzheitlich und verleiht ihnen damit eine historische Tiefe.

Im reich illustrierten Katalogteil werde 63 Waffen, grösstenteils aus den Beständen des Museums, ausführlich vorgestellt. Waffen wie ein Zweihänder aus den Jahren um 1550, Teil der ersten quellenmässg belegbaren Lieferung von Griffwaffen für das Berner Zeughaus, oder ein  Säbelmodell, das zwischen 1794 und 1797 angesichts drohender Kriegsgefahr in grossen Mengen beschafft wurde, verdeutlichen die Bemühungen der Berner Obrigkeit, ihre Miliz auszurüsten.

Schliesslich zeigt die Publikation auch die Menschen hinter den Waffen, wie etwa Ulrich Ochsenbein (1811-1890), der neben General Henri Dufour (1787-1875) der einzige Offizier war, der nach dem Sonderbundskrieg einen Säbel als Ehrengeschenk erhielt.

Über die Autoren

Jürg A. Meier (*1943) studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Zürich und ist seit mehreren Jahrzehnten Experte für historische Waffen. 1981 kuratierte er am Bernischen Historischen Museum die Ausstellung  Vom Schweizerdolch zum Bajonett .
Marc Höchner (*1981) promovierte an der Universität Freiburg (Schweiz) zum Schweizer Söldnerwesen und ist seit 2017 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Sammlung europäischer Waffen am Bernischen Historischen Museum verantwortlich.


© Bernisches Historisches Museum, Bern.
ISBN 978-3-9524783-4-9
Titelbild: Berner Geschenkdegen für Prinz Louis Napoleon Bonaparte: Detail des Stichblattes mit Berner Wappen
Fotos: Christine Moor

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