FrontKolumnenKleider? Auch Namen machen Leute

Kleider? Auch Namen machen Leute

Kleider machen Leute, hat Gottfried Keller geschrieben. Stimmt schon. Aber auch Namen machen Leute.

Bisschen berühmt werden. Das wollen wir doch alle, wenigstens viele. Auch wir Seniorinnen und Senioren spienzeln danach. Schliesslich möchten wir den Hinterbliebenen mehr überlassen als das Einfamilienhaus und den Enkeln den Gameboy.

Pimpen, tunen, upgraden. Aber wie? Jetzt noch kurz vor dem absehbaren Ende Geige spielen lernen und die Konzertsäle erobern? Mühsam. Mit einem Buch den Literaturbetrieb umkrempeln? Da krempeln schon so viele mit. Das Mittel, um wenigstens ein bisschen an der Unsterblichkeit zu knabbern heisst Namenkosmetik, Marketingdeutsch upgraden, Jugenddeutsch pimpen, Autodeutsch tunen, Simpeldeutsch aufwerten.

J statt i, C statt K. Seinem Ich mehr Glanz beifügen ist einfach. Oft genügt ein einzelner Buchstabe. Stellen Sie sich vor, geschätzte Leserschaft, dass ein Peter Steyger diese Kolumne geschrieben hätte. Klingt doch schon ganz anders. Veronika ist hübsch, Veronjka tönt besser. Karl ist okay, Carl lässt an Adel denken.

Züriberg-Duft. In Zeiten, wo ich morgens ein Mann, nachmittags eine Frau und nachts was dazwischen sein kann, sollte es auch möglich sein, den Namen kreativ zu performen. Denken wir mal an Eugenie. Das duftet nach Züriberg, nach Kunsthistorikerin mit englischem Windhund namens Ethelbert.

Ph statt f. Machen wir einen Test. Ruedi Meier ist ein schöner Name. Aber er hat wenig Glanz. Bitte geschätzte Ruedi Meiers bleibt ruhig. Steht nicht gleich Schlange vor unserer Kommentar-Rubrik. Wir wollen nur spielen. Nämlich: Mit wenig Aufwand stossen wir in andere Sphären vor. Aus Ruedi Meier wird Rudolphe W. Meyer und so aus einem Schaden-Inspektor ein Insurance Senior Risk Manager. Wir kennen das auch aus der Geschichte: Johann Wolfgang Goethe (eigentlich Hans Göhte), Gotthold Ephraim Lessing (Göpf Lessing).

Ein paar Buchstaben ändern, und die Nachbarschaft verblasst.  Bild Pixabay, Bearbeitung pst

Obsi durch die Mitte. Beliebt ist die Anreicherung mit einem Mitte-Initial: Donald J. Trump, Georg W. Bush, John F. Kennedy. In der Schweiz ist dies vor allem bei Managern verbreitet: Daniel L. Vasella, Philipp M. Hildebrandt, Oswald J. Grübel.*

Überdosis I. Gängig ist es, mit dem angeheirateten Doppelnamen Schwerkraft zu erzielen. Vor allem Politikerinnen machen das gerne. BR Karin Keller-Sutter, Alt-BR Micheline Calmy-Rey. Comic-Assoziationen weckt NR Elisabeth Schneider-Schneiter. Bei „Tim und Struppi“ heissen die beidenDetektive Schulze und Schultze. Die ehemalige deutsche CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer überlud ihren Karren. Die Medien bestraften sie und verkürzten ihren Namen zu AKK.

Überdosis II. Kolumnen schliessen gerne mit Pointen. Unsere beweist, dass auch verkürzen wirkt. Jassir Arafat, der verstorbene Palästina-Politiker mit nicht mehr ganz reiner Friedensnobel-Weste hiess mit Vollnamen Muḥammad ʿAbd ar-Raḥmān ʿAbd ar-Raʾūf ʿArafāt al-Qudwa al-Ḥusaini. Im Bild: Jassir Arafats eigentlicher Name auf Arabisch.

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* Texte rutschen in der Werteskala nach oben, wenn sie eine Fussnote haben. Hier ist sie: US-Psychologen legten Probanden schwer verständliche Aufsätze über die Relativitätstheorie vor. Der Name des vorgeschobenen Autors varierte zwischen einem schlichten Vor- und Nachname und Namen mit einem oder mehreren Mittel-Initialen. Der vermeintlich glaubwürdigste Verfasser hiess David F. P. R. Clark.

7 Kommentare

  1. Lieber Pierre Steyger, Ihren Artikel habe ich sehr geschätzt und auch mit Schmunzeln wahrgenommen. Leider kann ich mit meinem Namen nicht so auftrumpfen, ausser ich könnte neu jetzt
    Edith-Clara Bucher-Sigrist mich nennen. Immer noch sehr prosaisch, trotzdem, danke für Ihren Beitrag, Edih Bucher

    • Liebe Frau Bucher. Ja, Sie sind ein schwieriger Fall. Gerne würde ich Ihnen Boucher empfehlen. Aber das ist heikel. Sind Sie Vegetarierin?

  2. Im angelsächsischen Raum haben alle mindestens einen Mittelnamen. Das hat mir, als einfacher Bub der 1950er Jahre aus dem Bernbiet mit nur einem Vornamen, in den USA und GB schon mehrmals Probleme bereitet. Als ich früher in der Londoner City arbeitete und mir mein Chef, aus dem britischen Hochadel mit mehr als drei Vornamen… , offerierte, drei Businessshirts mit meinen Initialen zum Vorzugspreis anfertigen zu lassen, musste ich einen Middlename erfinden, da unter drei Initialen kein Auftrag ausgeführt wurde… das erfundene M. für Martin kam mir dann auch in Zukunft gelegen. Bei der Einreise in die USA hat mich einmal eine ziemlich rabiate Zollbeamtin mehrmals ermahnt was mein Middlename sei, der auf dem Einreiseformular fehlte… „what‘s your middle name“… „I don’t have a middle name“… worauf sie ihre scharf gestellte Frage so oft wiederholte, bis ich einknickte und mit „M for Martin“ konzedierend antwortete….

  3. Hallo, ja wenn mehr Mehrwert ist dann schreibe ich in Zukunft meinen vollen Namen alla Kramp: Aartina Elizabeth Bhend-van den Top, früher hies ich Toppi, Tiptöppi, eigentlich hat mich die Arafat Version immer gefallen. Aartina
    Bhend

  4. Als Partnerin/Ehefrau von Peter Steiger, heisse noch immer Walther. Falls Peter Steiger, je Peter von Steiger heissen würde, wäre sofort bereit von Walther zu von Steiger zu wechseln! Dieses «von», hat gerade in Bern schon noch so seine Wirkung. An der Güte, meines Lebens, würde sich allerdings nichts ändern, es ist gut wie es ist!

    • …für’s Von…von Steiger müesste me de aber Bärner Burger si (und d’s R rollend spräche…Noblesse oblige..) u de würde me no so halbbatzig zu de Patrizier ghöre… d’Madame de Meuron soll ä guete Draht zum Bundesrat Ed(o)uard von Steiger gha ha… dä si als (fast) äbebürtig akzeptiert het. ..Im 1945, wo dr Bundesrat von Steiger isch Bundespräsident gsi hett d’Madame de Meuron agäblech nach äm Kriegsändi dr Bundesrat in Corpore uff Schloss Rümlige iglade. Hett denn aber vorhär bim BR von Steiger enerviert aglüte..und öppe folgendes gseit: ..Dites donc Edouard da dä Socialiste im Bundesrat ..wie heisst er scho nume wider… EvS: Bundesrat Nobs… ja dä… soll i dä ame separate Tisch mit em Gsind platziere, dä ghört nid zu üs ..quel scandal un Socialiste au Conseil… EvS: Ma chère Elisabeth das chöit dr nid mache, dä isch vo dr Bundesversammlig gwählt…und dänket ma chère d’Zytunge wärde au awäsend si..und das würd sehr negativ uf euch, chère Madame zrügfalle…. He so nu so de, I schicke mi dri mon cher Edouard….. (nacherzählt …und frei erfunden..)

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