FrontKolumnenAHV: Männer- statt Frauen-Revision

AHV: Männer- statt Frauen-Revision

Das ist ein Schock für die bürgerlichen Politikerinnen: 63 Prozent der Frauen lehnen nach ersten Umfragen die AHV-Revision ab, über die wir in den nächsten Wochen bis zum 25.  September abstimmen können. 71% der Männer dagegen sagen Ja. Gemeinsam mit den bürgerlichen Männern im National- und Ständerat hat die immer noch kleine Gruppe bürgerlicher Frauen im Parlament beherzt an der AHV-Revision mitgewerkelt und treu abgestimmt. Wacker versuchten die Frauen, im gleichen Zug auch die Reform der zweiten Säule voranzutreiben, weil sie in ihr eine Kompensation für das erhöhte Renteneintrittsalter von 64 auf 65 Jahren für die Frauen festlegen wollten. Doch die Manner im Ständerat liessen sie im Stich; sie wiesen die Vorlage an ihre Kommission zurück.

So fehlen den bürgerlichen Politikerinnen bis zur politischen Mitte stichhaltige Argumente im aktuellen Abstimmungs-Kampf. Die Frauen sind aber nicht allein. Die bürgerlich ausgerichtete Presse bis zu den Forumsmedien Tagesanzeiger, Blick und die Sonntags-Presse warten fast tagtäglich oder eben wöchentlich mit Artikeln auf, in denen versucht wird, zu beweisen, dass die Frauen mit der Revision nicht zu kurz kämen. In ihnen werden Zahlen dargelegt, die zwar mehr verwirren als zur Klärung beizutragen. Die Revision scheint nur eines zum Ziele zu haben: endlich wieder einmal – nach 25 Jahren – eine, wenn auch unausgegorene AHV-Revision unter Dach und Fach zu bringen. Und immer ist nur von einem die Rede: vom fehlenden Geld im AHV-Fonds, jetzt und vor allem in der Zukunft.

Eines haben die bestimmenden Parteien zu Bern immer noch nicht begriffen. Vielen Frauen geht es nicht nur ums Geld., nicht nur um das erhöhte Renteneintrittsalter auf 65 Jahre.  Das zwar auch. Ihnen geht es um weit mehr: um Akzeptanz, um Respekt, um ein Alter in Würde, unabhängig von Zivilstand, unabhängig von einem Mann. Seit Jahrzehnten kämpfen die Frauen um das, was den Männern dank ihrem Geschlecht schon immer zugesichert, weit offen war und ist: der Weg zur Bildung, der Weg zum Erfolg, gar zu Macht in Beruf, Gesellschaft, Militär und Politik. Jeden Schritt dazu hatten und haben die Frauen zu erstreiten, gar mehrmals in Abstimmungen: beim Frauenstimmrecht, beim Mutterschaft-Urlaub beispielsweise. Vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit schon gar nicht zu reden. Und Tatsache ist auch, dass die Vorsorge bei den Frauen weit schlechter ausgestattet ist als bei den Männern, sie schlicht weit schlechter gestellt sind, obwohl sie viel, sehr viel zum sozialen Wohlbefinden beigetragen haben und beitragen, in der Kindererziehung, in der Gesellschaft insgesamt.

So geht es vielen Frauen bei der Revision der AHV um einen Grundsatz, um ein deutliches, erkennbares Zeichen. Wieder einmal sind wir die Leidtagenden. Wieder einmal wird überdeutlich, dass die AHV das in der Verfassung verbriefte Recht auf Existenz-Sicherung nicht erfüllt. Ein Recht, dass für die Frauen von zentraler Bedeutung ist, weil noch viele nicht voll arbeiten, deshalb in der beruflichen Vorsorge Beitragslücken aufweisen und in der Folge nur mit kleinen Pensionen aus der zweiten Säule rechnen können. So nicht, werden sich viele Frauen sagen, wenn sie nun den Stimmzettel ausfüllen werden.

Auf das Schlussresultat am 25. September darf man jedenfalls gespannt sein. Wenn die AHV-Revision wegen der Männer angenommen wird, geht sie als «Männer-Revision» in die Geschichte ein, als ein denkwürdiger Tag, bei dem die Männer sich wieder einmal oder noch einmal durchgesetzt haben.

Tröstlich ist: Die Revision ist alles andere als zukunftsorientiert. Im Gegenteil:  Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung über die nächste Revision, die ja schon jetzt angekündigt ist, weil die Finanzierung mit der aktuellen Revision nicht gesichert ist. Und ich bin zuversichtlich, dass dann die Frauen einen weit stärkeren Einfluss nehmen werden und die Männer, auch die zu Bern, langsam erkennen werden, dass nach einer «Männer-Revision» die Zeit für eine wirkliche «Frauen-Revision» gekommen ist, aber gemeinsam mit der 2. Säule.

8 Kommentare

  1. Für mich gibt es nichts Überzeugenderes und Anziehenderes als ein kluger, empathischer, lernfähiger und sich seiner selbst bewusster Mensch, der das Gute und Gerechte im Menschen fördert und mit allen Kräften unterstützt. In einer gut funktionierenden Demokratie sind die Voraussetzungen für diese Eigenschaften vorhanden. Wir müssen sie nur nutzen.
    Vielen Dank, Herr Schaller, für Ihren Beitrag für die Frauenpower in der Schweiz.

  2. Wie immer von diesem Absender, wenn es um politische Themen geht, SP Propaganda copypaste. Die SP hat die SVP längst als «Betonpartei» abgelöst, die jegliche Reformen und dringend notwendigen Fortschritte zur Sicherung von Wohlstand, Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz blockiert. Sie verunmöglicht nicht nur jeden vernünftigen Kompromiss bei den Sozialversicherungen, kleinliche Blockade im wichtigen EU-Dossier und verantwortungslose Obstruktion bei der Ersatzbeschaffung mit F-35 für die dringende Sicherung unseres Luftraumes und einer glaubwürdigen Landesverteidigung addieren sich auf der unrühmlichen SP-Njet-Liste auf!

    Rentenalter 67 ist in Europa bald Standard. Ungleiche Rentenalter für Frauen und Männer werden in den ganz wenigen Ländern, wo sich noch nicht angeglichen sind, sukzessive angeglichen. Die skandinavischen Länder, die ja bekannt sind für ihre unsoziale Gesellschaftspolitik…. auch die Grossen, wie Deutschland und Frankreich, kennen längst gleiche Rentenalter. Und sind jetzt dort die Frauen so diskriminiert, wie die Linken und Frauenrechtlerinnen uns seit Jahren immer noch wahrhaben machen wollen, die Frauen in der Schweiz angeblich seien?

    Herr Schaller schreibt über Zustände aus dem letzten Jahrhundert und er will offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen, dass sich mindestens seit einer Generation die Gesellschaft massiv verändert hat. Seit bald 20 Jahren gibt es mehr Frauen mit Universitätsabschlüssen als Männer (aktuell 52,6%) und bei den Fachhochschulabschlüssen besteht annähernd Parität. Nichts von erschwertem Zugang zu Bildung für Frauen! Wer in seinem Familien- und Bekanntenkreis umschaut, hat längst festgestellt, dass heute Paare mit Kindern längst gleichberechtigter miteinander umgehen und Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt solidarischer und paritätischer geteilt wird. Ich kenne nicht wenige Paare, wo die Frau mit besserer Ausbildung und Job mehr arbeitet als der Mann. Zudem besteht heute längst die Infrastruktur mit Kitas, Grosseltern, Nannies usw. die Job und Karriere von beiden Elternteilen ermöglichen. Es liegt heute längst an den Frauen, die in der Mehrheit sind (ca. 300’000 mehr stimmberechtigte Frauen als Männer) sich besser zu vernetzen und mit ihrer guten Ausbildung (auf Staatskosten) höhere Pensen zu arbeiten und Jobs mit Führungsverantwortung anzunehmen. Dafür braucht es keine Quoten. Reden sie mal mit einem Personalchef bei UBS, Roche, Zürich usw. Der wird bestätigen, wie schwierig es ist Frauen für Führungspositionen zu finden. Die Platte von der Diskriminierung und Lohnungleichheit hat längst einen Sprung. Die statistische Lohnungleichheit bewegt sich schon seit Jahren im statistisch undefinierbaren Bereich von 3-5%. Löhne für Jobs mit gleicher Ausbildung, Verantwortung und Leistung unterscheiden sich heute kaum mehr unter den Geschlechtern. Wenn unterschiedliche Parameter und Teilzeit mit Vollzeit verglichen werden, kommen dann diese veralteten Statistiken heraus.

    Die AHV Vorlage vom 25.9.2022 gleicht für die Übergangsjahrgänge der Frauen, die noch unter den Bedingungen des vorigen Jahrhunderts weniger gearbeitet haben und somit tiefere Renten erhalten, aus. Zudem wird die MWST erhöht, um das ganze vorübergehend finanzieren zu können. Ein vertretbarer, eidgenössischer Kompromiss, der vom Parlament deutlich angenommen wurde. Eine Ablehnung würde mich nicht überraschen, da dieses Land nicht mehr zu Kompromissen fähig ist und es nur noch um Besitzstandwahrung und einseitige Privilegien geht. Obschon wir uns diese Reformblockade und den Stillstand schon lange nicht mehr leisten können.

    https://www.nzz.ch/schweiz/die-schweiz-hinkt-europa-hinterher-ld.1319353

    • der langen rede kurzer sinn: sie hassen die linken, die vornehmlich für den wohlstand der arbeitenden kämpfen und damit erfolg haben – nicht bei den ewig gestrlgen.
      ich stimme 2xnein.

      • LOL – Die SP «kämpft» schon seit über 20 Jahren nicht mehr für die Arbeitenden! Ganz sicher nicht für die in der Privatindustrie, die wählen schon lange SVP. Besitzstands- und Privilegienpolitik für die Staatsbediensteten macht die überalterte SP Klientel noch und hat 40% ihrer Wählerschaft damit verloren. Und sie wird weiter verlieren und schon nach den nächsten Wahlen einen Sitz an die GPS oder besser an die GLP abgeben müssen. Eine Partei und ihre überalterte Basis, die noch nie gecheckt hat, wie und wer Mehrwerte und Wohlstand erschaffen – die im globalen Wettbewerb stehende Privatindustrie! – welche die Umverteilung und Finanzierung unserer Sozialwerke erst ermöglicht, hat eh ihre Daseinsberechtigung verloren. Die Mitte, die FDP und GLP sind die wahren Parteien der sozialen Marktwirtschaft, die für die Rahmenbedingungen sorgen, damit unsere Privatindustrie, die den Wohlstand der Schweiz schafft, im globalen Wettbewerb (noch) überleben kann. Sie ermöglichen die solidarische Umverteilung von oben nach unten und sind damit viel sozialer als eine SP, die nur noch zu allem Njet sagt und mit ideologischen Scheuklappen durchs Leben geht.

      • Und noch das, obschon ihr schnoddriger kleiner Post in Kleinschrift es nicht wert wäre… von Hass, den Sie mir unterstellen, bin ich so weit entfernt, wie Sie vom Liberalismus… als mündige Bürger in einer Direkten Demokratie sollten wir eine erwachsene Streitkultur nicht nur ertragen sondern anstreben. Überzeugungen und Meinungen kundtun und debattieren sind essentiell in unserer Demokratie. Jede und jeder macht andere Erfahrungen und kommt zu anderen Überzeugungen in seinem Leben. Oft fehlt es dem Souverän aber an Wissen, um Zusammenhänge beurteilen zu können. Vorallem bei denen, die nie in der Privatindustrie gearbeitet haben. Ich plädiere seit über 20 Jahren für Volkswirtschaftskunde als Pflichtfach ab der Oberstufe, um überhaupt elementare wirtschaftliche Zusammenhänge beurteilen zu können. In unserer Direkten Demokratie unabdingbar, um viele Vorlagen überhaupt konsequentiell begreifen zu können.

        • Ihre Besserwisserei und Ihre Art, wie Sie anders Denkende diffamieren und in aller Öffentlichkeit zur Schnecke machen, ist unerträglich und zeigt, gleich welcher politischen Couleur Sie anhängen, was für ein Mensch Sie sind.

  3. Erst sollte dafür gesorgt werden, dass die älteren Angestellten mit mehr Respekt am Arbeitsplatz behandelt werden.Man ist bereits ab 55 Jahren nicht mehr wahrgenommen und muss froh sein überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben und muss alles abnicken um nicht gekündigt zu werden.
    Die Löhne für Frauen sind immer noch mindestens 15 bis 20% tiefer als für Männer in vervleichbaren Positionen.
    Vielen wird auch wegen zu hohen Kosten des BVG gekündigt.
    Und diese Situation soll für Frauen noch verlängert werden? Resultat werden mehr Arbeitslose sein, also nur eine Umlagerung von einer Kasse zur Anderen.
    Auch wird das Leben wegen MWST Erhöhung für alle einiges teurer, die Löhne bleiben jedoch gleich tief- der Zeitpunkt ist äusserst schlecht, da KK und Energiekosten steigen.Für mich ein klares Nein bei der anstehenden Abstimmung.

  4. Ich bin Jahrgang 1945 und gehöre also zu den ersten Frauen, die 2 Jahre länger auf die AHV warten mussten. Wir haben dies damals ohne grosse Fragen akzeptiert. Ich verstehe das heutige Theater nicht richtig und frage mich schon, so wir Frauen eigentlich noch benachteiligt sind.

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