FrontKolumnenWeltspitze: Die Schweiz vor Norwegen

Weltspitze: Die Schweiz vor Norwegen

Wir können uns zurücklehnen. Denn die Schweiz ist spitze. Im aktuellen UNO-Bericht über den Index der menschlichen Entwicklung hat unser Land Norwegen überholt. Bisher hatte Norwegen das Ranking angeführt. Nun also unser Land. Erstmals ging der seit 30 Jahren erhobene Index 2020 und 2021 merklich zurück. Und das, weil die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Umweltbelastungen (Rekordtemperaturen, Stürme und Überschwemmungen) die Entwicklung der Menschheit laut dem Bericht um fünf Jahre zurückgeworfen habe.

Der Index misst die durchschnittliche Lebenserwartung, das Bildungsniveau und den Lebensstandard in den Mitgliedstaaten. Der derzeitige Rückgang bedeute, «dass wir früher sterben, weniger gut gebildet sind, dass unsere Einkommen sinken», sagt Achim Steiner (61), Chef des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP), der für den Bericht verantwortlich zeichnet, in einem Artikel des Spiegels. Dies führe zu einem verbreiteten Gefühl von «Verzweiflung, Frustration, Zukunftsangst». So beginnt der Bericht den auch mit dem Satz: «Wir leben in einer Welt voller Sorgen». Dennoch: Die Schweiz behauptet sich in dieser Situation nicht nur, sie setzt sich an die Spitze.

RangLandHDI-WertLebenserwartung bei der GeburtDurchschnittliche SchulbesuchsdauerBIP pro Kopf ppp*
1.Schweiz0,9628413,966.933
2.Norwegen0,96183,21364.660
3.Island0,95982,713,855.782
4.Hongkong0,95285,512,249.239
5.Australien0,95184,512,760.365
6.Dänemark0,94881,41354.489
7.Schweden0,9478312,676.169
8.Irland0,9458211,654.534
9.Deutschland0,94280,614,155.979
10.Niederlande0,94181,712,649.492

*kaufkraftbereinigt in Euro.  Quelle: United Nation Development Programme

Kommt hinzu, dass die Teuerung in der Schweiz mit 3,5 Prozent weit unter dem europäischen Durchschnitt von gegen 8% liegt. Der Schweizer Franken immer stärker wird, der Euro Woche für Woche an Wert verliert. Ist also alles paletti? Mitnichten. Der Studie zufolge sind vom Rückgang mehr als 90 Prozent aller Länder weltweit betroffen und das im Gegensatz zur Schweiz in einem weit stärkeren Ausmass. So finden In Deutschland zurzeit heftige politische Auseinandersetzungen darüber statt, wie der drohenden Wirtschaftskrise begegnet werden kann, wie Geringverdienenden, Senioren, Studenten geholfen werden kann, so dass sie die horrend gestiegenen Preise für Strom und Gas überhaupt noch bezahlen können. Diese Sorgen haben uns noch nicht in diesem Ausmass erreicht. Uns treiben ganz andere Sorgen um. Gelingt es den Schweizer Männern, den Frauen zu einem späteren Renteneintrittsalter zu «verhelfen», gegen das sich die Frauen in der Mehrheit wehren? Am 25. September werden wir es wissen, wie die beiden AHV-Vorlagen beim Stimmvolk angekommen sind, ob sich die aktuellen Umfragen bestätigten werden.

Viola Amherd will so schnell wie möglich die Verträge mit den USA unterschreiben, damit bis 2030 die Schweizer Armee mit 36 F-35-Kampfjet ausgerüstet ist, mit denen sich die Schweizer Armee in ein von den USA gesteuerte Sicherheitskonzeption integrieren kann. Volksinitiative gegen den F-35 hin oder her. Neutralität hin oder her. Sicher nicht eine „kooperative Neutralität““, wie sie sich Bundespräsident Cassis wünschte und im Bundesrat gnadenlos unterlag.

Livia Leu, Staatssekretärin für auswärtige Angelegenheiten und Chefunterhändlerin für die Verhandlungen mit der Europäischen Union, pendelt zwischen Bern und Brüssel, um in der EU-Zentrale immer wieder zu erfahren, dass die EU-Verantwortlichen gerne mehr darüber erfahren möchten, was die Schweiz im Verhältnis zur EU eigentlich will. Sie geht mit leeren Händen, kommt mit leeren Händen zurück. Und wir spekulieren, weiss es der Bundesrat?

Zugegeben: es sind tatsächlich ganz bedeutende Fragen, Probleme, die sich der Schweiz stellen, die für die Zukunft von besonderer Bedeutung sind. Da wir spitze sind, haben wir eben auch Zeit, sie irgendwann zu beantworten, gar zu lösen. Oder doch nicht?

Immerhin bleibt uns Roger Federer erhalten, der die Enge der Schweiz weit sprengte, der in der Welt als das angekommen ist, was ihm zuerst und so auch uns im Schlepptau weltweit Glanz, Respekt, Anerkennung verlieh und weiter verleihen wird. Als Botschafter unseres Landes, weil er spitze bleiben wird.

Vorheriger ArtikelWas vom Erbe bleibt
Nächster ArtikelDie goldenen Riesen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel