StartseiteMagazinKolumnenWindeln, Weihrauch, Josephs Ärger

Windeln, Weihrauch, Josephs Ärger

Die gute alte Weihnachtsgeschichte muss ja einiges ertragen. Sie wird in die Gegenwart versetzt, Maria mit Handy. Sie wird in die Zukunft gebeamt, Balthasar, Melchior, Kaspar mit dem Raumschiff. Auch meine Erzählung entspricht nicht dem Lukas-Evangelium. Aber wenn ich die zurzeit real existierenden Weihnachtsgepflogenheiten ansehe, ist sie vergleichsweise christlich. Lesen Sie hier, warum Josef fast fluchte und warum die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland nicht so recht freuten.

Joseph ärgert sich. Gerade noch rechtzeitig fällt ihm ein, dass dies weder der Ort noch die Zeit dafür ist. Der Ort: der Stall zu Bethlehem. Die Zeit: der späte Abend am Tag, an dem Maria Jesus geboren hat. Der Grund für den Missmut: Schon wieder trampelt so ein gwunderfitziger Hirte durch die Stalltür. Alle Welt weiss doch, was eine Frau braucht, die eben erst ein Kind geboren hat: Ruhe und Schlaf.

Seit Stunden geht es nun hier zu wie auf dem Basar. Alle Welt kommt und geht. Alle schwatzen, kichern, lachen. Alle möchten das Baby sehen. Und alle wollen גילי-גילי und שנוקי-פוצי machen (hebräisch für Gili-gili und Schnucki-Putzi). Das Tohubawohu lässt Joseph immer wütender werden. «Gopf…» Im letzten Moment stoppt er. Fluchen, um Himmelswillen, nein, nicht hier, nicht jetzt.

Gewiss, manche Besucher bringen Geschenke mit. Zum Beispiel diese drei fremden Herren aus dem Morgenland. Der eine hat Myrrhe dabei, der zweite Weihrauch, der dritte Gold. Schön und gut. Maria und Joseph bedanken sich artig. Aber dann schauen sie sich an: Eigentlich hätten sie Windeln gebraucht*.

Ja, sie haben schöne Geschenke dabei. Aber sind es die richtigen Präsente? Die drei Könige in einem Mosaik der Basilika Sant’Apolinare in Ravenna. (zvg)

Und jetzt kommt nochmals so ein Hirte. Diese Leute sind ja nicht allzu sauber, und, na ja, sie riechen auch ein wenig streng. Und dies bei einem Neugeborenen. Als nun der Hirte mit seinen eben doch recht schmutzigen Händen nach den winzigen Fingern des Kindes greifen will, da platzt Joseph der Kragen: «Gopfver…» Doch da, mitten im Wort, wird es hell, so hell, dass Joseph fürchterlich erschrickt. Immerhin ist er so beherzt, dass er vor die Stalltür tritt und schaut, was da vor sich geht.

Das Licht strahlt aus einer Wolke, und aus dieser Wolke dröhnt eine Stimme: «Ich bin ein Engel, hörst du mich?» Joseph nickt. «Du sollst nicht fluchen, verstanden.» Joseph nickt. «Und du sollst diese Könige und Hirten freundlich empfangen, kapiert.» Joseph nickt abermals. Der Engel: «Einen fluchenden fremdenfeindlichen Joseph können wir in der Bibel nicht brauchen.“

«Wenn du dich gut benimmst, werde ich euch reich belohnen», verspricht der Engel. Jetzt hebt Joseph interessiert den Kopf. «Euer Baby Jesus wird ab sofort jede Nacht durchschlafen, nur ganz wenig weinen, stets brav essen, keine Kinderkrankheiten bekommen, nicht trotzen und jene Kleider anziehen, die Maria für richtig hält.»

Joseph dünkt das fair. Er nickt. Und bekräftigt damit eine Abmachung, die uns noch heute beschäftigt. Die Vereinbarung erklärt, warum in der Bibel nichts über die ersten Lebensjahre von Jesus steht: Weil es nichts zu berichten gab. Jesus ass brav, weinte kaum, trotzte nicht und zog jene Kleider an, die Maria für ihn bereitlegte.


* Der Autor weiss, dass Babys bis ins 19. Jahrhundert nicht mit Windeln versorgt wurden. Die Mütter (Väter gabs damals noch keine) verpackten ihre Kinder derart straff in Tücher, dass sich die kleinen Geschöpfe nicht rühren konnten.

 

 

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