FrontKolumnenWie wir im Neuen Jahr gefordert sind

Wie wir im Neuen Jahr gefordert sind

Mächtige dieser Welt machten uns 2022 Angst und werden es auch 2023 nicht lassen, allen voran Putin, der Krieger zu Moskau. Er schickt unablässig Soldaten in den Krieg, letztlich in den Tod. Zuvor sollen sie treu seinen Traum erfüllen: die Wiederherstellung seines «Sowjetreiches». Xi Jinping, der übergrosse, kommunistische Staatschef in Peking, treibt seine Seidenstrasse Richtung Europa mit allen Mitteln voran, um seinen Einfluss und seine Macht zu erweitern, in den Westen zu tragen. Es gibt aber auch kleinere, für die Weltpolitik nicht ganz so wichtigen Möchtegern-Alleinherrscher, wie Orban in Ungarn, Kaczynsky in Polen,  Erdogan in der Türkei, die eigensinnigen Mullahs im Iran, die den ganz Grossen nacheifern, ihre staatlichen Machtorgane, die Angehörigen der Polizei, der Armee mit grossen Gehältern und mit Macht ausstatten, damit sie getreu und eben sehr gut versorgt,  Angst und Schrecken verbreiten, so dass sich die Herren an der Macht halten können.

Tröstlich: Frauen sucht man vergebens, sieht man von Kim Yo-jong, der Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un ab, die ihren Bruder aus dem Hintergrund steuern soll. Aber es sind in grosser Zahl die Frauen, die auf die Strasse gehen, gar ihr Leben riskieren, um zu erreichen, dass wir, zwar durch den Krieg Putins wirtschaftlich etwas beeinträchtigt, aber immer noch unbedrängt leben können: Wohlstand, aber auch und vor allem Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie. Der Mut der Frauen im Iran lässt uns erblassen, macht deutlich, wie hilflos wir sind, wie Solidaritätsbekundungen zwar nötig, aber kaum Wirkung erzielen.

Unsere Hilfslosigkeit darf uns aber nicht abhalten, nach innen zu schauen, auf unsere Demokratie, auf unsere Rechtstaatlichkeit, auf unsere Sicherheitspolitik, auf unsere wirtschaftliche Verfasstheit. Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, wie Konflikte immer noch mit Armeen ausgetragen werden, in konventionellen Strategien und Taktiken sogar, überlagert aber mit der Drohung, Atomwaffen einzusetzen, so dass selbst der Nato aktuell die Hände gebunden sind, um in der Ukraine einzugreifen. Und gewiss wird dabei, dass die Schweiz mitten in Europa bei einer Ausweitung des Krieges, wenn auch Nato-Länder erfasst werden, plötzlich vor der Schicksalsfrage steht: Können wir uns allein verteidigen, oder suchen wir nicht besser Schutz unter dem Dach der Nato?

Schon jetzt wissen wir, wie abhängig wir durch den Krieg Putins in der Energieversorgung geworden sind. Das Billiggas aus Russland fliesst nicht mehr, alle andere Lieferanten lassen sich teuer bezahlen. Die Versorgung mit Strom in der Schweiz ist nur im europäischen Verbund sicher zu stellen. Die Bedrohung durch den Klimawandel lässt sich eh nur global lösen. Und damit verknüpft stellt sich immer dringender die Frage, lässt sich der Wohlstand tatsächlich nur durch Wachstum garantieren, Ist nicht ein sanfterer Kapitalismus vonnöten, um die Ressourcen zu schonen, den Klimawandel zu bändigen? Zentrale Fragen, die wir im neuen Jahr nicht verdrängen dürfen. Im Gegenteil. Wir müssen uns den Fragen stellen, den Dialog über Lösungen aufnehmen, auf allen Ebenen.

Auch bei uns, auf seniorweb.ch. Oft lösen Artikel heftige Kontroversen aus. Das ist gut so. Wünschenswert ist aber auch, dass wir nicht nur auf der eigenen Meinung beharren, sondern auch abwägen, welche Bedeutung der anderen Meinung zukommt. In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein ganz anregendes, spannendes, aber auch ein etwas friedlicheres Neues Jahr.

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1 Kommentar

  1. was mir an deinen kolumnen gefällt, ist deren politischen inhalt. es ist immer dein beitrag, den ich zuerst lese.
    wir haben uns in sessa kennengelernt. von daher das du.
    bleib wach

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