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Festungsstadt mit Vergangenheit

Aigues-Mortes ist eine der grössten, noch vollständig erhaltenen Festungsstädte Frankreichs. Ein Augenschein mit Blick in die Vergangenheit.

Zahlreiche hübsche Restaurants, kleine Boutiquen, eine schmucke Altstadt, eine begehbare Stadtmauer und ein mildes Klima: Aigues-Mortes, der Hauptort des Arrondissements Nîmes, ist ein echtes Juwel in der französischen Camargue.

Die heute versandete Lagune besass früher eine Verbindung zum Mittelmeer, was sie als Standort für einen Mittelmeerhafen perfekt machte. Zwanzig Türme (darunter drei Ecktürme) und zehn befestigte Tore säumen noch immer die Stadtmauer. Vom 1640 Meter langen Wehrgang aus hat man einen traumhaften Ausblick auf die Salinen.

Touristen aus ganz Europa bevölkern die Gässchen.

Die Gäste lieben die einheimische Keramik, die modischen Kleider, die duftenden Gewürze. Berühmt ist der spezielle „Rosé du Sable“. Zu Essen gibt es „Moules et Frites“ oder Toro-Steak mit dunkelbraunem Reis. Während die Temperaturen vor der Stadtmauer im Sommer auf weit über 30 Grad steigen, ist es in den schattigen Gässchen hinter den dicken Mauern angenehm kühl: Ein mediterranes Flaire von Freiheit, Lebensfreude und Geschichte.

Ein Blick in die Geschichte

Bis in das 13. Jahrhundert hinein besass der französische König traditionell kein Land in Süd-Frankreich. Das Gebiet der Provence gehörte zum Heiligen Römischen Reich, während das Gebiet von Languedoc-Roussillon den Königen von Aragón gehörte.

1240 erwarb der französische König Ludwig IX., der Heilige (Foto), das Gebiet der heutigen Camargue. Zwischen 1241 und 1250 liess er zunächst die Tour de Constance errichten und begann 1248 mit der Anlage der Stadt als Bastide (Festungsstadt). Damit gewann er seinen ersten Mittelmeerhafen auf eigenem Gebiet.

Von hier aus brach der König zum Sechsten (1248–1254) und Siebten Kreuzzug (1270) auf. 1270 starb Ludwig IX. während des Kreuzzuges an Typhus. Die Stadt war zu dieser Zeit fast fertiggestellt. Auf dem Hauptplatz steht eine Statue des Stadtgründers aus dem 19. Jahrhundert.

Zur Finanzierung des Baus der Stadtmauer wurde ab 1268 eine Steuer von einem Rappen pro Pfund einer Ware erhoben. Die Nachfolger von Ludwig IX., insbesondere sein Sohn Philipp der Kühne, liessen später ein Festungsviereck mit einem umlaufenden Wehrgang und zehn darin regelmässig verteilten Stadttoren anlegen. Als Planer gilt der französische Baumeister Eudes de Montreuil. Das Fundament der von ihm entworfenen Stadtmauer ruht auf einer hölzernen Plattform, die von Eichenpfählen gestützt wird, die bis auf den festen Grund in den Boden gerammt wurden.

Quadratisch angelegt, von einer hohen Mauer umgeben, erinnert Aigues-Mortes an eine römische Festung.

Während des Krieges mit Aragón stockte der Ausbau der Stadt, wurde aber auf Betreiben Philipp IV. des Schönen wieder aufgenommen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Stadtmauer endlich vollendet. Sie ist noch heute vollständig erhalten. Aigues-Mortes gilt auch im modernen Städtebau als herausragendes Beispiel der mittelalterlich-geschlossenen Stadt und wurde sowohl von Le Corbusier als auch von Leonardo Benevolo besprochen.

Salzgewinnung in der Camargue

Die Salzgewinnung spielt in der Camargue eine bedeutende Rolle. Direkt vor der Stadt sind 5.000 Hektar eingedeicht worden, um dort Salz zu gewinnen. Über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem wird ab März das Meerwasser aus dem Mittelmeer in die Salzpfannen geleitet. Durch die Sonne und den Mistral verdunstet das Wasser und es bildet sich die Fleur de Sel, die aromatische Salzblume. Die rosa Färbung der Salzpfannen rührt von der Besiedelung mit einer Alge bzw. Tang (Dunaliella salina) her.

Blick auf die Salinen.

Der Name Aigues-Mortes bedeutet “totes Wasser” und die Lage erklärt, warum das Städtchen im Südosten Frankreichs so benannt wurde. Im 13. Jahrhundert – zur Zeit der Gründung des Dorfes – lag Aigues-Mortes an einer Lagune, welche über Kanäle mit dem Mittelmeer verbunden war. Die Lagune ist heute verlandet und die Moore sind nicht mehr vorhanden.

Aigues-Mortes liegt heute rund sechs Kilometer vom Meer entfernt, ist aber von dort aus noch immer über einen Kanal erreichbar. Die Stadt befindet sich am Canal du Rhône à Sète, einer schiffbaren Verbindung zwischen der Rhone und der Stadt Sète. Von dort besteht eine Verbindung zum Canal du Midi.

Heute leben in der Stadt rund 9000 Menschen auf einer Fläche von 58 Quadratkilometern, wobei sich rund 150 Einwohner einen Quadratkilometer teilen. Die beiden nächsten grösseren Städte sind Nîmes in 35 Kilometern Entfernung im Norden und Montpellier, das rund 30 Kilometer westlich liegt.

Wetter und Klima in Aigues-Mortes

Das späte Frühjahr und der frühe Herbst sind die besten Jahreszeiten für Ferien in Aigues-Mortes. Es ist dann weder zu heiss noch zu kalt. Im Herbst steigen die Niederschlagsmengen und -wahrscheinlichkeit, weshalb der April als beste Reisezeit gilt. Es sei denn, man möchte einen Badeurlaub machen. Für diese Art von Urlaub bieten sich die Sommermonate Juni, Juli und August an.

Bevölkerung von Aigues-Mortes

Die Einwohner von Aigues-Mortes werden Aigues mortais/aises genannt und arbeiten ausser in der Salzgewinnung überwiegend im Hotel- und Gaststättengewerbe. So ist die Anzahl der Restaurants in Aiges-Mortes unverhältnismäßig hoch, und an Hotels und Gästehäusern mangelt es nicht. Auch Ferienwohnungen gibt es zahlreiche.

Stadtmauer begehbar

Die Stadtmauer kann von September bis April von 10 bis 17:30 Uhr und von Mai bis August von 10 bis 19 Uhr gegen eine Gebühr begangen werden. Die Schließung der Kassen erfolgt 45 Minuten vor Ende der Besuchszeit.

Titelbild: Aigues-Mortes ist berühmt für seine begehbare Stadtmauer und ein mildes Klima. Fotos: PS und Pixabay.

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