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Wo bleiben die Friedensinitiativen?

Wenn wir uns in diesen Tagen an den festlich geschmückten Tisch setzen, mit friedlichen Gesichtern fröhlich Familien-Weihnachten feiern, sollte es uns eigentlich zutiefst erschüttern, Schamröte müsste in unsere Gesichter steigen. Eine halbe Million Menschen im Gazastreifen hungert; sie alle sind dem Tode nahe. Täglich fallen israelische Bomben auf ihre Häuser, Schulen, gar Spitäler, in denen und unter ihnen blutrünstige Hamas-Kämpfer vermutet werden. Israelische Soldaten durchkämmen Strassen, suchen nach den Eingängen in die militärische Unterstadt der Hamas-Terroristen. Sie sind dabei nicht vollends geschützt, geraten in gestellte Fallen, verlieren dabei ihr Leben. Und zu einem Drama kam es gar, als verunsicherte Soldaten versehentlich drei junge Geiseln erschossen, die ihnen mit einer weissen Fahne entgegen kamen; sie hielten sie für getarnte Hamas-Kämpfer.

Tausende ukrainische Soldaten verharren in ihren Schützengräben, verteidigen ihr Land, schützen sich vor dem unablässigen Artilleriebeschuss, vor den Drohnenangriffen der russischen Armee. Vor Angriffen, die sie jederzeit vernichten können. Auf der anderen Seite werden in Russland Strafgefangene entlassen, an die Front geschickt, um als Schutzschilder Putins Russland einen letzten Dienst zu erweisen. Seit bald zwei Jahren tobt dieser grausame und völlig unsinnige Krieg, der nur eines zum Ziele hat: Putins Hegemonie-Ansprüche zu befriedigen, die er als Verteidigung der russischen Identität bezeichnet. Hundertausende junge Soldaten sollen es richten, sie haben ihr Leben einzusetzen, damit Russland die Bedeutung erlangt, die das Riesenland seit Jahrtausenden verdiene, so Putin, um ein Bollwerk zu sein gegenüber dem dekadenten, gottlosen Westen, der Nato, letztlich gegenüber den USA.

Wie wäre es, wenn wir einen Moment stillhalten würden…? Einfach so. Und uns dann fragen würden: Was setzen wir diesem Vernichtungs- und Vertreibungskampf der Hamas gegen Israel, dem  Rachefeldzug der Israelis im Gazastreifen auf der anderen Seite, dem Krieg in der Ukraine, dem Hegemonie-Streben Putins entgegen? Gibt es nur eine Antwort: Aufrüsten? Kriegstauglich werden? Deutschland hat ein 100 Milliarden Euro Sondervermögen aufgesetzt, um die deutsche Bundeswehr verteidigungsfähig aufzurüsten, damit ihre Kampfjets künftig auch wieder fliegen, ihre Luftabwehr funktioniert, ihre Panzer auch fahren können.

Ja, selbst die Schweizer Armee soll werden, wie sie Ueli Maurer so gerne gehabt hätte: als «Die beste Armee der Welt». Doch davon ist sie weit, sehr weit entfernt. Militärexperten schätzen den Aufwand, der für die Schweizer Armee zu leisten wäre, um verteidigungsfähig zu werden, auf mindestens 13 Milliarden Franken. So soll erst 2027  die klaffende Lücke bei der bodengestützten Luftverteidigung geschlossen werden. Auch erst im Jahr 2027 sollen die ersten F-35 Kampfjets der USA an die Schweiz ausgeliefert werden. Fazit: Die Schweizer Armee wird also erst in etwa vier Jahren so aufgestellt und ausgerüstet sein, so dass sie das Land auch verteidigen könnte. Ist das zu verantworten, oder ist schlicht die geostrategische Analyse falsch, die Bedrohung erst in etwa vier, fünf Jahren derart akut, so dass sich die Schweiz ihr stellen muss? Seltsam. Kommt hinzu, dass das Parlament jetzt in der Wintersession den rechtzeitigen Aufwuchs der Armeeausrüstung gebremst hat. Erst 2035 statt 2030 soll jährlich 1% des Bruttoinlandproduktes in die Armee fliessen. Was deutlich macht, dass es noch andere grosse Aufgaben in unserem Land gibt. Erinnert sei nur an die Gesundheitspolitik, an die Altersvorsorge, nicht zuletzt an die Bildung, gar an die Kultur.

Und so bleibt die eine, die dringende Frage: Wo bleiben die so nötigen Friedensinitiativen? Der UNO-Sicherheitsrat, die UN-Vollversammlung versuchen es zwar immer wieder, doch vergeblich; die Interessen  der einzelnen Länder liegen noch viel zu weit auseinander. Irgendwer muss doch die Initiative ergreifen. Wieso kann sie nicht von der Schweiz ausgehen, die als Land schon oft als Schutzmacht tätig war und ist. Für die USA auf Kuba, im Iran.

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3 Kommentare

  1. Ganz einfach: Die Schweiz kann diese Initiative ehrlicherweise nicht ergreifen, da sie kein neutrales Land mehr ist. Vieles, das sich bewährt hat wird im Bestreben, gleich wie die andern zu werden, weggeworfen.

  2. Angesichts der Schrecklichkeiten die Sie beschreiben und die wir in diesem Jahr als Dauerbeschuss aus allen Medienrkanälen bis an den Rand des Erträglichen und darüber hinaus zur Kenntnis nehmen mussten, ist die Frage nach fehlenden Friedensinitiativen folgerichtig und berechtigt. Tatsache ist, dass Friedensarbeit tatsächlich auf allen Ebenen, sei es in der Schweiz oder im Ausland, geleistet wird (Wikipedia kann Auskunft geben). Doch sie greift nicht genug, um die Anhäufung der Menschenrechtsverletzungen einzudämmen oder zu verhindern. Da fragt man sich warum das so ist. «Die da oben» (Regierungen etc.) sind eben nur so stark wie «die da unten» (das Volk) also wir alle. Jede und jeder kann in seinem persönlichen Umfeld Friedensarbeit leisten. Aus vielen kleinen Friedensbemühungen kann eine grosse Kraft werden oder wie Jeremias Gotthelf sagen würde: «„Alles Tun wirkt weiter, jede Handlung lebt fort, strebt immer, erzeugt Früchte, und deren Spur verliert sich nicht.“

  3. Nicht ganz so einfach. Was sich scheinbar bewährte, galt nur für Privilegierte und die feste Meinung, wir seien etwas Besonderes ist lediglich das Resultat des engen Horizontes.
    Vor nicht so langer Zeit verlangte ein abgewählter Bundesrat, die Neutralität in die Verfassung zu schreiben und gleichzeitig verbot seine Tochter, dass in ihren Firmen der russische Angriff auf die Ukraine als Krieg genannt wird. An Saudiarabien dürfen Waffen geliefert werden, die im Nachbarland aktiv eingesetzt werden. Nur zwei Beispiel von vielen. Die Schweiz war nie wirklich ein neutrales Land, ausser es lohnte sich.
    Aber sie könnte zusammen mit anderen Staaten eine Friedensinitiative starten. Und damit endlich etwas zu einer neuen Glaubwürdigkeit beitragen.

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