StartseiteMagazinGesellschaftÜber die wechselvolle Entwicklung der Stadt Basel

Über die wechselvolle Entwicklung der Stadt Basel

Basel-Fans dürfen sich freuen: Im Christoph Merian-Verlag sind kürzlich die ersten vier Bände der Reihe «Stadt Geschichte Basel» erschienen. Sie umfassen die Epochen von der letzten Eiszeit bis zur frühen Neuzeit im 18. Jahrhundert. Bis 2026 sollen sechs weitere Bände folgen.

An einer Medienorientierung sprachen die Verantwortlichen Anfang März von einem Mammutprojekt. Anwesend waren die Stiftungspräsidentin Regina Wecker, Vereinspräsident Robert Labhardt, Projektleiter Patrick Kury und Oliver Bolanz vom Christoph Merian Verlag, der die Bände verlegt.

Die Entstehungsgeschichte des Projekts ist, wie die Entstehung der Stadt auch, nicht ganz gradlinig. Nachdem in den 1990er-Jahren ein erster Anlauf gescheitert war, droht auch einem zweiten Anlauf dasselbe Schicksal. Erst die Politik brachte Bewegung in das Mega-Projekt.

Medienorientierung zur Lancierung der Reihe «Stadt Geschichte Basel» am 5. März 2024 mit: Oliver Bolanz (Leiter Christoph Merian Verlag), Patrick Kury, Projektleiter, Regina Wecker, Stiftungsratspräsidentin, Robert Labhardt, Präsident Verein Geschichte Basel (v.l.n.r.). Foto PS

Doch die Basler Regierung zeigte sich auch beim dritten Anlauf 2007 wenig begeistert über eingereichte Vorstösse aus dem Grossen Rat: «Angesichts anderer dringlicher Staatsaufgaben scheint dem Regierungsrat eine teure Kantonsgeschichte nicht begründbar», schrieb sie in ihrer Antwort.

Die Initianten liessen glücklicherweise nicht locker. Sie gründeten 2011 einen Verein mit dem Ziel herauszufinden, was die breite Bevölkerung von einer neuen Stadtgeschichte hält. Nach vielen positiven Reaktionen überredeten sie die Regierung zum Einlenken und liessen sich auf den Deal ein, ein Drittel der Kosten selbst einzutreiben. Dies gelang: 2016 bewilligte Basels Grosse Rat 4,4 Millionen. Aus dem Swisslos-Fonds kamen 1,6 Millionen hinzu. Der Verein selbst sammelte 3,3 Millionen Franken.

3300 Seiten, 70 Autorinnen und Autoren

Ab 2017 wurden Fachautoren beauftragt, die von einem Projektteam festgelegten Kapitelbeiträge zu schreiben. Ein ganzes Heer Fachexperten aus den Disziplinen Geschichtswissenschaften, der Archäologie, der Soziologie, den Altertums- und den Kulturwissenschaften begann zu forschen, stieg in die Archive, suchte nach Fotos und Illustrationen, liess Animationen anfertigen.

Die neue Stadtgeschichte wird zehn Bände und rund 3300 Seiten umfassen, wie Projektleiter und Geschichtsprofessor Patrick Kury an der Medienorientierung erklärte. Rund um das Departement Geschichte der Universität Basel als das «intellektuelle Herzstück» des Projekts waren und sind rund siebzig Autorinnen und Autoren beteiligt.

Verlauf des Rheins änderte sich

Mögliches Aussehen der Rheinebene nördlich von Basel nach der letzten Eiszeit vor 20’000 Jahren, Blickrichtung Schwarzwald. Quelle: Stadt Geschichte Basel, Band 1, Seite 23.

Die neue Basler Geschichte unterscheidet sich laut Kury nicht nur durch den Umfang von früheren Werken. Neu spiele die Multilokalität, also die Verortung Basels in der Welt eine Rolle. Wichtig sei vor allem im ersten Band das Verhältnis Mensch/Umwelt, also zum Beispiel wie sich der Verlauf des Rhein nach der ersten Eiszeit veränderte und der Raum am Rheinknie entwickelte, so dass er sich für eine Besiedelung eignete. <Während der letzten Vergletscherung vor 20’000 Jahren führte der Rhein viel mehr Wasser und Geschiebe als heute. Er bildete ein dynamisches, verästeltes Flusssystem in einer weiten Schotterebene.>

Schliesslich steht eine umfassende Aufarbeitung der neueren Geschichte Basels im Mittelpunkt. Die sorgfältig gestalteten und qualitativ hochstehend gedruckten Bände sind auf ein leseaffines Publikum ausgerichtet. Bei der Visualisierung wurde auf authentische Illustrationen geachtet, welche einen Mehrwert bringen. Begleitet wird die mehrbändige Buchpublikation von einem interessanten Multimedia-Angebot.

Band 1: Auf dem langem Weg zur Stadt

Robert Labhardt, Präsident des Vereins, zeigte sich stolz und sehr zufrieden, dass das Mega-Projekt nun zu einem guten Ende geführt werden kann. Band 1 umfasst die Zeitepoche von 50’000 vor Chr. Bis 800 n. Chr. <Anhand von Funden und Befunden wird der lange Weg von den frühesten Besiedlungsspuren bis zur mittelalterlichen Stadt nachgezeichnet. Epochale Ereignisse werden im Kontext grundlegender Veränderungen der Menschheitsgeschichte beleuchtet. Dabei zeigt sich das Zusammenspiel von Naturraum, sozialen und wirtschaftlichen Transformationen sowie von Migrationen, Krisen und gesellschaftlicher Resilienz.>

Rekonstruktion der antiken, spätrömischen Befestigung auf dem Münsterhügel. Quelle: Stadt Geschichte Basel, Band 1, Seite 216

Band 2 Eine Bischofsstadt zwischen Oberrhein und Jura

Der zweite Band widerlegt das Bild des rückständigen Mittelalters und erzählt vom Aufblühen der Stadt zwischen 800 und 1273. <Die Völkerverschiebung der Spätantike ist vorbei, die klimatischen Verhältnisse bessern sich, die Bevölkerung wächst. Es zeigen sich die Anfänge einer städtischen Kultur, die nach der römischen Zeit zunächst verschwunden war. Basel ist nun mehr als «die Stadt am Rheinknie», es ist der Zentralort des Fürstbistums.>

Die Statuen der Kaiserin Kunigunde und des Kaisers Heinrich II, um 1280 / 1285 am Westportal des Basler Münsters. Quelle: Stadt Geschichte Basel, Band 2, Seite 107.

Die Bischöfe fördern den Aufschwung Basels, denn sie sind im Heiligen Römischen Reich weiträumig vernetzt. Der historische Blickwinkel erweitert sich auf Sundgau, Breisgau, Baselbiet und Jura als dem eigentlichen Lebensraum der Stadt.

Band 3: Stadt in Verhandlung

Der dritte Band untersucht, wie sich Basel im Spätmittelalter von einer kleinen Bischofsstadt zur mittelgrossen Zunftstadt entwickelt. <Bauliche Verdichtung, Bevölkerungswachstum und politischer Wandel prägen die Stadt zwischen 1250 und 1530. Von den Bettelorden zu Huzmanismus und Reformation, von einer christlichen Mehrheitsgesellschaft zur rein christlichen Stadt, von den Dienstleuten des Bischofs zu den Zünften, vom Gewerbe zu den Handelsgesellschaften und vom Städtebund zur Eidgenossenschaft.>

Ausschnitt aus dem Basler Merianplan von Matthäus Merian dem Älteren, datiert 1617. Quelle: Stadt Geschichte Basel, Band 3, Seite 70.

<Dieser Wandel musste stets ausgehandelt werden und verlieh der Stadt und der Gesellschaft ein eigenständiges Gesicht. Doch der Eindruck trügt, und so zeigt Band 3 in Vertrautem Unbekanntes, in Gewohntem Entferntes und in Kontinuitäten historische Differenzen.>

Band 4 Aufbrüche, Krisen und Transformationen

Von den raschen Umbrüchen und langsamen Transformationen zwischen Reformation und Revolution erzählt Band 4. <Der Zeitraum von 1510 bis 1790 ist durch dynamische Aufbrüche und grosse Beharrungskräfte geprägt. Religiöse Erneuerungsbewegungen fordern die kirchliche Orthodoxie heraus. Die wachsende Konzentration der Macht auf wenige Familien geht mit ersten Ansätzen zu einer modernen Verwaltung einher.>

Wirtshausszene im Gästebuch der Herberge «Zum Wilden Mann» an der Freien Strasse, frühes 17. Jahrhundert. Quelle: Stadt Geschichte Basel, Band 4, Seite 140.

<Das traditionsbewusste Zunftwesen konkurriert mit frühkapitalistischen Wirtschaftsformen. Typisch für Basel sind die internationale Vernetzung von Kaufleuten und Gelehrten ebenso wie die lokale Ausrichtung des Alltags.>

Die neue Reihe «Stadt Geschichte Basel» ist ein historisches, kulturelles, sozial- und wirtschaftspolitisches Highlight. Für alle Basel-Fans ein absolutes Muss.

Stadt Geschichte Basel, Bände 1-4, Christoph Merian Verlag, März 2024. Die Bände 5-7 folgen im Herbst 2024, 8 und 9 im Jahr Frühling 2025. Ein Überblicksband Nr. 10 soll im Oktober 2026 in den Verkauf gelangen.

Titelbild: Zwei Kavaliere und der Tod vor dem Stadtbild von Basel im 17. Jahrhundert. (Künstler unbekannt). Quelle: Stadt Geschichte Basels Band 4, Seite 171. Alle Abbildungen © cmv   –   Artikel mit <Zitaten aus den vier bisher erschienenen Bänden>.

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www.merianverlag.ch

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1 Kommentar

  1. Guten Morgen
    Leider stosse ich erst heute am Ende meines selbstbestimmten Lebens auf Seniorenweb.
    Als vormals sehr interessierte und wissbegierige Person, hatte ich in den letzten Jahrzehnten Mühe meinem Dasein einen Sinn und neue Richtung zu geben.
    Nach jahrelanger Suche nach einem architektonisch interessanten Haus und Wohnung und bei Bewerbungen nur auf Ablehnung stosste, weil meine Balkan Stalker, eine Geschichte, die der Justiz und Polizei im Kanton Baselland und Basel-Stadt sehr wohl bekannt war, mit negativen, unwahren Informationen über mich intervenierte, nie eine Zusage bekam und ab 01.04.2024 als kultivierte Person obdachlos werde, fehlt mir die Kraft weiter gegen Mobber anzukämpfen.
    Ja, ein Leben als vormals hochintelligente und hochbegabte Frau mit ausserordentlicher Sensibilität, Wahrnehmungs- und Beobachtungsgabe war ich konstant Ablehnung ausgesetzt.
    An schlechten Tagen wie heute klammere ich mich an die Worte des Spitaldirektor: «Sie haben mit ihrem gelebten Humanismus und Empathie beide Spitäler verändert und geprägt.» Oder wie der Chefarzt meinte: «Sie lieben die Patienten zu sehr, darum können sie nicht sterben.»
    Nun, ich fühle mich nicht geliebt, darum werde ich mein Sterben selbst bestimmen.
    Ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg.
    Freundlich grüsst eine Baslerin, die sich in der Schweiz nie heimisch fühlte.

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