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Romeo und Julia im Park

Romantisch, martialisch und makaber. Mit diesen drei Adjektiven könnte man das Outdoor-Theaterspektakel von Bühnen Bern, Romeo und Julia, zusammenfassen. Gespielt wird in und um die leerstehende Villa Morillon im Berner Quartier Weissenbühl. Dramaturgische Einfälle folgen sich Schlag auf Schlag, sehr zum Gaudi der Spielenden und des Publikums.

Shakespeares Romeo und Julia ist die wohl bekannteste Love Story aller Zeiten. Die Tragödie erzählt die Geschichte eines Liebespaars aus zwei verfeindeten Familien, das allen Widerständen zum Trotz an seiner Liebe festhält und schliesslich Selbstmord begeht. Die Tragödie spielt in der italienischen Stadt Verona. Die Familien der Montagues (Romeo) bzw. der Capulets (Julia) sind sich spinnefeind. Die Fehde geht so weit, dass sich die Beteiligten regelmässig zu Beleidigungen und blutigen Fechtkämpfen hinreissen lassen, sobald sie in der Stadt aufeinander treffen.

Aufführungsort ist die Villa Morillon im Berner Quartier Weissenbühl. Foto PS.

Deshalb halten Romeo (in Bern gespielt von Linus Schütz) und Julia (Vanessa Bärtsch) ihre Liebesbeziehung vor ihren Eltern geheim. Ohne deren Wissen lassen sie sich vom Bruder Lorenzo (Stéphane Maeder) trauen, der insgeheim hofft, auf diese Weise einen ersten Schritt zur Versöhnung der verfeindeten Familien beitragen zu können. Trotzdem kommt es zwischen Romeo und Tybalt (David Berger), einem Capulet und Cousin Julias, zum Kampf, in dessen Verlauf Tybalt von Romeo getötet wird.

Darauf wird Romeo von Julias Vater Capulet (Jonathan Loosli) aus Verona verbannt und muss nach Mantua fliehen. Julia, die nach dem Willen ihrer Eltern in aller Eile mit einem gewissen Graf Paris verheiratet werden soll, bittet erneut Bruder Lorenzo um Hilfe. Dieser überredet sie, einen Schlaftrunk zu sich zu nehmen, der sie für mehrere Stunden, so sein Rat, in einen todesähnlichen Zustand versetzen werde, um der verordneten Hochzeit zu entrinnen.

Kellner Romeo trifft im Hause Capulet auf Mercutio.

Romeo soll durch einen Brief avisiert werden. Wegen eines Missgeschicks erreicht das Schreiben den Liebhaber allerdings nicht. Nachdem sich Julia in den Tiefschlaf versetzt hat, erfährt Romeo vom angeblichen Tod seiner Geliebten und eilt zurück nach Verona zum Grab seiner Frau, um sie noch ein letztes Mal zu sehen. Von der Trauer überwältigt, entschliesst er sich zum Suizid, trinkt Gift und stirbt, aufgebahrt an deren Seite. Im selben Augenblick erwacht Julia aus ihrem todesähnlichen Schlaf, sieht, was geschehen ist, ergreift Romeos Giftfläschchen und richtet sich aus Verzweiflung ebenfalls.

Am Ententeich bringt Romeo seinen Widersacher Tybalt (hinten) um.

Soweit der Plot der berühmten Tragödie des grossen englischen Dramatikers William Shakespeare. Die Berner Inszenierung (Regie: Ruth Mensah, Dramaturgie: Elisa Elwert, Kostüme: Dominique Steinegger, Szenografie: Noah Spreng, Licht: Samuel Gäumann, Kampfchoreografie: Renata Joc, Übersetzung: Thomas Brasch) gerät schon von Beginn weg zur makabren Komödie. Das Spiel beginnt mit einem Maskenball, an dem auch das Publikum teilnimmt. Gesucht wird ein Bräutigam für Julia. Doch keiner ist gut genug. Reihenweise werden die Anwärter mit dem Ruf «Farewell» aussortiert.

Wie es sich für italienische Adelsfamilien gehört, wird das Publikum während des Spiels mit Speis und Trank versorgt. Auf einen Begrüssungstrunk folgt ein leckeres «Eis am Stiel», das während der berühmen Balkonszene geschleckt werden darf. Mit der Vespa ist nämlich der Kellner Romeo aufgetaucht und klettert über eine Alu-Leiter auf den Balkon zu der verliebten Julia. Das Ja-Wort lässt nicht lange auf sich warten.

Lorenzo rät Julia zum Tiefschlaf.

In einer romantischen Waldszene traut darauf Lorenzo die Liebenden, die mit Romeos Vespa (selbstverständlich mit scheppernden Büchsen behängt) davonfahren. Doch was nicht sein darf, ist nicht erlaubt. Vater Capulet persönlich verbannt den unerwünschten Schwiegersohn, worauf es am Ententeich zum martialischen Duell kommt. Dem Degen fallen Tybalt und Mercutio (Lucia Kotikova) zum Opfer. Beide verenden nach langem Kampf blutend im kalten Wasser. Erneut muss Romeo fliehen, diesmal in den Pool der Villa Morillon, wo er mit Julia eine romantische, aber leider letzte Nacht verbringt.

Julias letzte Nacht im Pool.

Das Stück endet mit der bekannten Gruftszene, in der blumengeschmückten Säulenhalle der Villa. Romeo findet Julia aufgebahrt und denkt, dass sie tot ist. In seiner Verzweiflung legt er sich neben sie, trinkt Gift und stirbt. Als Julia aus dem Tiefschlaf erwacht, ist sie nicht weniger verzweifelt und scheidet ebenso dramatisch wie ihr Ehemann aus dem Leben.

Theater zwischen sprühendem Humor, tiefem Glück und abgrundtiefer Dramatik. Dem verzauberten Publikum hat’s (mehrheitlich) gefallen. Vereinzelte Stimmen fanden, die Fechtszenen am Teich seien zu lang, zu blutig, zu martialisch. Mit grossem Applaus werden die Spielenden zum Leben erweckt und in die trockene Garderobe entlassen.

Romeo und Julia: Nebeneinander aufgebahrt in der Familiengruft.

Weitere Vorstellungen sind bis 31. August 2024 geplant. Die Aufführungen finden im historischen Gebäude und im umliegenden Park der Villa Morillon statt. Es gibt Sitzmöglichkeiten. Regenfeste Kleidung und komfortables Schuhwerk werden empfohlen. Die Vorstellungen sind eingeschränkt barrierefrei. Personen mit Mobilitätseinschränkungen melden sich an der Billettkasse im Stadttheater. Im Falle einer möglichen wetterbedingten Absage informieren Bühnen Bern am Tag der Vorstellung ab 12.00 Uhr auf der Homepage.

Titelbild: Frisch getraut fahren Romeo und Julia auf der Vespa ins (Un)Glück. Alle Fotos Yoshiko Kusano

LINK

www.buehnenbern.ch

 

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