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Von der Stirne heiss …

Friedrich Schiller wusste noch, was Arbeit heisst. In seinem «Lied von der Glocke» heisst es «Von der Stirn heiss, rinnen muss der Schweiss». Und keiner schreit nach einem Deo, denkt an sinkende Produktionsraten wegen Überhitzung oder an gesundheitliche Folgen. Weshalb auch? Schwitzen ist eine natürliche Funktion des Körpers.

Wer an heissen Sommertagen stöhnt, weil das Hemd oder die Bluse bereits nach kurzer Zeit Schweissflecken unter den Armen aufweist, die Haare an der Stirne kleben und die Füsse – lassen wir das. Olfaktorisch gibt es ja genügend andere Unannehmlichkeiten. Im Bus, im Zug, im Lift. Schwitzen ist einfach eine Plage.

Wie möchten Sie es denn gerne? Vielen Tieren fehlen die Schweissdrüsen. Sind die besser dran an heissen Tagen? Möchten Sie etwa hecheln wie die Hunde, sich im Dreck suhlen wie die Schweine, mit den Ohren wedeln wie die Elefanten, züngeln wie eine Schlange, sich den eigenen Kot an die Beine streichen wie die Störche oder einfach sich tagsüber an einen kühlen Ort zurückziehen und nur noch nachts arbeiten?

Hecheln wie ein Hund? Auch nicht gerade die Art, wie wir der Sommerhitze ausweichen möchten.

Da haben wir Menschen, aber auch Kühe und Pferde, es doch etwas leichter. Bei grosser Hitze, aber auch bei körperlicher Anstrengung, vor Aufregung, ja sogar nach dem Genuss von scharfem Essen aktiviert unser Körper sein Kühlsystem. Das heisst, die über den ganzen Körper verteilten Drüsen sondern ein wässeriges Sekret ab, den Schweiss.

Integrierter Temperaturregler

Wenn Schweiss auf der Haut verdunsten soll, braucht es dazu Energie in Form von Wärme. Diese wird dem Körper, also den an der Hautoberfläche liegenden Blutgefässen entzogen, das Blut so gekühlt. Denn im Körperinnern sollte eine konstante Temperatur von 37 Grad Celsius herrschen, sonst entsteht ein mitunter gefährlicher Hitzestau.

Dieser Vorgang läuft aber nur dann optimal ab, wenn der Feuchtigkeitsgehalt der Umgebungsluft deutlich unter 100 Prozent liegt. Wenn also nach einem Gewitterregen die Luft gesättigt ist, entsteht auf der Haut ein unangenehmer Schweissfilm und wir fühlen uns nicht mehr wohl.

Gewitter bringen die Wärmeregulierung des Körpers mittels Schweiss durcheinander.

Schweiss besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Dazu kommen Kochsalz, Harnstoff und weitere chemische Substanzen wie Mineralstoffe. Die rund zwei Millionen Schweissdrüsen sind auch nicht regelmässig über den Körper verteilt und reagieren auch nicht alle auf dieselbe Art. Ist es «nur» heiss, schwitzt man vor allem unter den Armen, am Rücken- und Brustbereich und im Gesicht. Bei Aufregung, Angst und anderen Stresssituationen bekommen wir feuchte Hände und Füsse, man schwitzt vermehrt im Genitalbereich und unter den Haaren. Dass dieser Wasserverlust ausgeglichen werden muss, versteht sich von selber.  Also nicht erst trinken, wenn die Zunge am Gaumen kleben bleibt.

Wer nicht schwitzen kann, leidet

Es gibt Menschen, die schwitzen nicht oder kaum. Mucoviscidose oder Zystische Fibrose heisst die genetische Erkrankung, die heute zum Glück gut behandelbar ist. Wer je ein Kleinkind erlebt hat, das schon nach kurzem Herumtoben völlig überhitzt nur noch nach Abkühlung schreit, ein Kind, das sich bei der kleinsten Anstrengung die Kleider vom Leib reist und unter die kalte Dusche steht, der nimmt ein bisschen Schwitzen gerne in Kauf.

Es gibt auch das übermässige Schwitzen, das im gesellschaftlichen Umgang enorm störend sein kann, gegen das allerdings manch ein Kraut gewachsen ist. Wörtlich genommen ist es Salbei. Der bittere Tee soll gegen Schweissausbrüche helfen. Auch pharmazeutisch ist da einiges zu machen. Es gibt zudem Textilien, die den Schweiss zuverlässig und geruchshemmend aufnehmen. Und vielleicht ist Fondue unter dem Sonnenschirm für Schweissgeplagte nicht das ideale Essen.

Die schönste Art, den Schweiss lozuwerden. (Alle Bilder pixabay)

Zum Schluss nur noch dies: Schweiss ist an sich eine Substanz ohne viel Eigengeruch. Was dann so um einen herum müffelt, das sind die Zersetzungsprodukte, die entstehen, wenn Bakterien die Schweisspartikel befallen. Und noch etwa, ein etwas abgewandelter, ans Thema angepasster Spruch von Karl Valentin: «Ich freue mich, wenn es heiss ist. Denn wenn ich mich nicht freue, ist es trotzdem heiss.»


Hier finden Sie die publizierten Beiträge zur Sommerserie Heiss:

Linus Baur: Nichts wird so heiss gelebt…

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1 Kommentar

  1. Sehr anschaulich Ihr Artikel übers Schwitzen. Tatsächlich empfand ich das Schwitzen früher nicht als so unangenehm, im Gegensatz zu heute. Ein paar Kilos zuviel, das wieder erwachte Asthma seit Corona, ein bisschen Stress, und schon rinnt bei 30 Grad der Schweiss aus allen Poren. Keine engen Hosen mehr, ja kein Polyester oder sonstige Synthetics, möglichst weite Kleidung aus Naturmaterialien, am liebsten weite, bunte Kleider und den Strohhut von der letzten Italienreise, dazu ein grosses Glas eisgekühlter Apfelstrudel an einem Schattenplätzchen, so lässt sich die Hitze des Sommers ertragen.

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