Haben Sie eine Lieblingsbuchhandlung? Und wenn ja, was zeichnet sie aus? Kompetente, freundliche Buchhändlerinnen, Übersicht, genug Platz, Lesesessel vielleicht? Solche Buchhandlungen gibt es noch immer und sie dürfen nicht verschwinden. Wir müssen sie unterstützen und unsere Bücher dort kaufen. Heute bestellen, morgen abholen, eine grossartige Dienstleistung, nicht?
Sind Sie auch eine kompetente Kundin, ein guter Kunde? Damit meine ich nicht unbedingt die Menge an Büchern, die Sie in der Buchhandlung Ihres Vertrauens kaufen, sondern auch, wie Sie sich dort verhalten. In den sozialen Medien posten Buchhändlerinnen ab und zu in Kurzform ihre Erlebnisse mit der Kundschaft. Diese Posts zu lesen macht Spass. Zum Beispiel sagt eine Kundin: «Ich suche ein Buch. Es ist orange und es kommt eine junge Frau darin vor, die stirbt.» Oder: «Können Sie mir ein Buch empfehlen für meinen Mann?» «Was liest er denn gerne?» «Eigentlich nichts.» Manche Buchhändlerinnen berichten, es mache ihnen Freude, Detektivin zu spielen und ihrer Kundschaft durch gezielte Fragen und im Ausschlussverfahren zu ihrem Wunschbuch zu verhelfen. Gelegentlich aber kommen auch bei den Geduldigsten die Nerven ins Flattern. Etwa, wenn die Kundin sagt, nachdem sie die Plastikhülle vom aufwendig gesuchten und extra bestellten Buch weggerissen und ein wenig darin geblättert hat (mit nicht in jedem Fall sauberen Fingern): «Ach, ich habe es mir irgendwie anders vorgestellt. Ich kaufe es nun doch nicht.» Klar, die fehlenden Angaben wie Titel, Autor*in, Verlag kennt sie nun und kann im Internet suchen, wer ihr Wunschbuch günstiger anbietet.
Das Tasso in Berlin: Antiquariat, Café, Veranstaltungsort und Sozialprojekt in einem. Bild: Theres Roth-Hunkeler
Eine meiner Lieblingsbuchhandlung steht in Berlin an der Frankfurter Allee. Im Grunde ist das Tasso ein Antiquariat, ein Restaurant, ein Veranstaltungsort und ein Sozialprojekt in einem. Vor dem Geschäft stehen rote Buchkästen, den grünen der Bouquinisten in Paris ähnlich. Sie sind übersichtlich geordnet und beschriftet, ein Buch kostet meist zwei Euro fünfzig. Im Inneren ist das Geschäft aufgeteilt: Links das Café, rechts die Bücher. Eine Treppe führt in das Untergeschoss, wo nochmals gut gefüllte Bücherregale, nach Genre geordnet, auf Kundschaft warten. Die Bücher wurden alle gespendet, sortiert und überprüft nach dem Motto: Die Guten ins Töpfchen (sprich ins Regal), die Schlechten ins Kröpfchen (sprich ins Recycling). Sowohl bei den Büchern wie auch im Café gibt es für Menschen mit einer Beeinträchtigung Arbeitsplätze. Abends finden hier immer wieder Konzerte, Lesungen und spontane Auftritte aller Art statt, Eintritt frei, wer kann, wirft was ins Körbchen. Die Idee dahinter: Alle sollen Zugang zu Kultur haben. In jeder Hinsicht ist es in kalten Zeiten grossartig, ins Tasso einzutreten, umgeben von Büchern, lesenden Menschen und freundlicher Bedienung einen Kaffee zu trinken. Grossen Dank all jenen, die durch ihr Engagement solche Orte des kleinen Glücks ermöglichen. Gibt es auch für Sie solche Orte?

Ich habe auch meine Lieblingsbuchhandlung ind die ist in Seattle. In der Schweiz kaufe ich keine Bücher mehr. Sie sind generell 30% teurer als in Deutschland. Das finde ich auch als ehemalige Buchhändlerin unverschämt. Nicht alle in der Schweiz sind reich oder haben einen guten Lohn. Aber lesen und geliebte Bücher sollte doch allen möglich sein.
aber natürlich – die Obergass Bücherei in Winterthur! Daniela Binder und ihr Team forschen jedem Buchtitel nach, auch nach Versionen in der Originalsprache bei übersetzten Büchern. Sie geben einen gluschtigen newsletter heraus, reagieren sehr rasch auf Mailanfragen, lachen viel. Und Daniela selber, die Chefin, ist eine begnadete Büchervorstellerin – es ist ein kulturelles Erlebnis, sie innert einer Stunde 20 Bücher vorstellen zu hören (live oder online), mit allen Namen und plots im Kopf. http://www.obergassbuecher.ch
Das kann ich sehr unterstützen; die Buchhandlung Obergass ist wirklich ein hervorragender Ort für alle Bücher-Liebhaber, mit gutem Kundenservice und sehr freundlicher Bedienung! Hoffentlich kann sie sich in schwierigem wirtschaftlichem Umfeld noch lange erhalten. Und sie ist gut erreichbar; Berlin und Seattle liegen ja nicht gerade um die Ecke…
Vielen Dank Fiona für diesen guten Tip, Homepage ist bereits bei Favoriten und ich freu mich vieles dabei zu entdecken und nächstes Mal in Winterthur zu besuchen…
Und wenn Sie auch schon gelesene Bücher (alphabetisiert, sortiert und ansprechend ausgestellt) finden und erstehen wollen: Das Seidenhof-Brocki in Stäfa ist – nicht nur in Sachen Bücher – ein wunderbarer Ort!
Für alle die eher im schweizerischen Mittelland unterwegs sind:
diese sympathischen Kriterien eines privaten Buchladens erfüllt in Aarau die Buchhandlung Kronengasse ( https://kronengasse.ch/journal/mehr-zeit-fuer-buchgeschenke/)! Danke 📚