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Trumps Zölle: mutlose Politik, glanzvolle SRG-Leistung

Ich weiss nicht, wie es Ihnen um und am 1. August ergangen ist, kann es höchstens erahnen. Ich jedenfalls befand mich in einem  Wechselbad der Gefühle, beinahe beherrscht von den Medien und von einem mehr als zwielichtigen Mann, dem US-amerikanischen Präsidenten. Am Donnerstagabend, um 22.25 Uhr sah ich es als Pflicht an, das grosse Interview mit Karin Keller-Sutter auf SRF 1 anzuschauen, mit der Bundespräsidentin 2025. Ein Gespräch, das am Dienstag davor aufgezeichnet wurde, fernab der Aktualität.

Ich hatte das Privileg, während Jahren jeweils die jeweilige Bundespräsidentin oder den Bundespräsidenten am Ort ihrer oder seiner Wahl zum 1. August-Gespräch für das Fernsehen SRF einzuladen. Das vor 30 Jahren. Mein besonderes Interesse ist dadurch mehr als gegeben: Neugier eben. Hat sich was geändert? Wie wird Karin Keller-Sutter standhalten, gar performen? Und was wird sie zu den grossen Fragen sagen, die uns alle umtreiben, zum Ukraine-Krieg, zur Hungersnot im Gaza-Streifen, zu den angespannten Bundesfinanzen, zu ihren umstrittenen, milliardenschweren Sparpaketen, zur Aufrüstung der Armee, der die Mittel fehlen, zum Desaster um die 36 F35-Kampfjets und schliesslich zur wichtigsten Frage aller Fragen: Wie wird Donald Trump mit der Schweiz umgehen: wohlwollend oder strafend?

Was sah ich? Eine aufgeräumte Bundespräsidentin mit dem gestenreich agierenden Interviewer Urs Leuthard an einem Stehtisch in idyllischer Umgebung am Wasser in Wil SG. Und am Schluss wussten wir: Das Tempo in der Politik ist viel schneller geworden, passt nicht in die eidgenössische Normalität. Keller-Sutter: «Da werden wir uns anpassen müssen.» Der Bundesrat agiere einig, besonnen: «Wir helfen einander.» Und sie als Leaderin? «Jemand muss den Ton angeben.» Etwas Besonderes gab es aber auch: Eine Katze umschlich die Beiden. Dieses Bild zumindest wird in Erinnerung bleiben.

Die grossen Fragen – ausser Trumps Zölle – aber blieben aussen vor. Warum nur? Da kommen mir Erinnerungen zu Hilfe. Vorgespräche zu Podien/Interviews mit ihr hatten es in sich. Selbstbewusst versuchte sie jeweils zu bestimmen, über was und wie sie zu befragen war. Vielleicht erlag Urs Leuthard ihren Wünschen, vorgetragen von ihr mit Charme und einer besonderen Selbstgewissheit, die ihr eigen ist. Eine Eigenart, mit der sie am Donnerstagabend unvorbereitet, wie aus dem Bundeshaus zu erfahren ist, einen Telefonanruf veranlasste, um von Donald Trump direkt zu erfahren, was er im Schild führt. Nach übereinstimmenden Berichten im Blick und Tagesanzeiger kam es statt zu einer vernünftigen Einigung zu Zöllen in noch nicht genau bestimmter Höhe um 30%. Als reiches Land habe die Schweiz nicht auf Kosten der USA zu profitieren, so Trump.

Weit stärker, auf der Höhe der Aufgabe, performte SRF am Freitag, am 1. August einmal in der Tageschau. Andi Müller, der wohl beste, agilste TV-Journalist vom Leutschenbach, liess keine Wünsche offen. Eloquent, elegant formuliert, legte er als Bundeshaus-Korrespondent seine Recherchen dar, interpretierte Trumps Entscheid, Zölle von 39% auf Schweizer Waren beim Export in die USA zu erheben, wies auf das Abwarten des Bundesrates hin, der glaubte, dass die mit der US-Administration erarbeitete Vereinbarung auch die Gnade des Herrn im Weissen Haus finden werde. Der setze aber nur auf Zahlen und sehe, dass die Schweiz in der Handelsbilanz mit 40 Milliarden profitiere. Also ganz simpel, er legte die Zölle annährend auf die gleiche Zahl: 39 und 40.

Ich war bereits am Umschalten, als ich doch noch stoppte. Sollte ich doch nicht noch einen Blick in die «SRG-Sause» zum 1. August werfen. In eine Sendung wie gehabt: Ländermusik, Fahnenschwingen, allenfalls Portraits von Gemeinden? Und siehe da. Ich erlebte eine ungemein dynamische Schweiz, weltoffen, modern, unverzagt, solidarisch. Von Geschichte zu Geschichte aus den vier Sprachregionen blieben mir vor Staunen die Augen offen. Staunen über Ferien in behaglichen Baumhütten. Staunen über eine Geburtenklinik, in der Pflegende Frauen Tag und Nacht liebevoll und umsichtig ein Kind, geboren in der  26. Woche der Schwangerschaft, hegten und pflegten, so dass es sich zu einem gesunden Baby entwickeln konnte. Ich erlebte zwei junge, charmante  Frauen, welche im Kirchturm von Lausanne den Schweizerpsalm, die Nationalhymne neu interpretierten und dabei in Bildern gesetzt wurden, die nicht besser mit der Musik in Übereinstimmung gebracht werden könnten. Ich sah einen Wildhüter, der mit der Moderatorin in den Bergen Hirsche, Gämsen, Rehe bei Nacht zählte, um die Population zu steuern, um damit den Jägern anzeigen zu können, wie viele Tiere sie jagen dürfen. Eindrücklich war die Geschichte eines Psychiatriepflegers, der sich vor der Kamera schminkte, um in der Nacht als Frau öffentlich aufzutreten. Nachhaltig hängen blieb bei mir eine Solidarküche in Lausanne, in der Freiwillige für gegen 300 bedürftige Menschen kochen, viele der Helfenden mit Migrationshintergrund. Und die vielen andern Geschichten, die eines unterstrichen, wie vielfältig, bunt und farbig, wie spannend unser Land und seine Bewohnernnen und Bewohner sind. Eine Sendung präsentiert von zwei Frauen und zwei Männern in den vier Landessprachen. Das ist unsere, meine Schweiz. Eine Glanzleistung der SRG am schwärzesten 1. August im Jahre 2025.

In welchem Gegensatz dazu agiert die Politik? Zu verzagt, zu verhalten, ohne Mut, ohne Biss, insbesondere der Bundesrat. Warum hat er nicht schon im Krisenmodus getagt, um auszuloten, was noch möglich ist, um Karin Keller-Sutter mit einem Mandat auszustatten, mit dem sie in Washington bei Trump höchst persönlich verhandlungssicher vorstellig werden, wo sie überzeugt, überzeugend den Standpunkt der Schweiz mit Fakten darlegen kann. Am besten nimmt sie Guy Parmelin gleich mit, damit die SVP zu Hause nicht querschiessen kann.

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3 Kommentare

  1. Die Kritik am Bundesrat is voll daneben.
    Hingegen hat die SRG am 1. August tatsächlich einmal eine Sendung produziert, bei der ich aus psychohygienischen Gründen nicht schon nach 3 Minutern abschalten musste. Dass sie nicht einmal Monte Ceneri richtig schreiben konnten gehört zum normalen Bild dieser Firma, Leider wurde die Sendung nicht in allen Sprachen gleichzeitig ausgestrahlt, so dass es nicht möglich war, hin- und her zu zappen, um die Beiträge jeweils in der Originalsprache zu hören.

  2. Der Bundesrat ist unsere oberste Instanz, die die Macht hat, über das Weiterkommen der Schweiz zu urteilen und schlussendlich dazüber zu befinden.
    Ich glaube, dass sich diese Auserkorenen nicht von Anfang an bewusst sind, über wieviel Macht sie verfügen. Diese wird gerne an Untergebene weitergegeben und da wir nicht wissen, wer schlussendlich die Verantwortung trägt, wird das Ganze sehr nebulös.
    Gemäss den massgebenden Vorgaben ist die Schweiz ein neutraler Staat, regiert mit sozialdemokratischen Werten, die in unserer Verfassung festgeschrieben sind.

    Nach meinem Dafürhalten sollten die grundlegenden Verfassungsregeln immer wieder neu angeschaut und diskutiert werden, da scih unsere Umwelt immer wieder verändert.

  3. Die Grundrechte unserer Verfassung basieren auf universalen Menschenrechen. Diese sind weder sozialdemokratisch noch noch rechtsbürgerlich. Gottlob!

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