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Wir Alten, die immer noch Frauen nachgucken

Der Kolumnist macht sich Gedanken. Über sich und andere alte Männer. Und darüber, dass viele glauben, ihre Attraktivität sei wie die AHV – sie bliebe uns erhalten bis zum Lebensende.

Ich bin eben aus dem Spital zurück. Es war ein gutes Berner Spital. Ich war dort nicht bloss die Hüfte, sondern der Herr Steiger.

Wenn man lange Zeit flach liegt, denkt man nach. Zum Beispiel, wie das ist mit dem Pflegepersonal. In letzter Zeit hat man viel gelesen, dass sich dieses sexuell belästigt fühle, durch Worte, Blicke, Andeutungen.

Das gibt zu denken. Etwa über die Kompliment- und F-Frage. F wie Frisur geht, F wie Figur geht nicht. Etwas deutlicher: Wenn ich der Pflegefachfrau Rechsteiner sage, dass sie eine hübsche Frisur hat, wird sie sagen: „Ach wirklich, merci.“ Und denken: „Was für ein netter alter Mann.“

Wenn ich zur gleichen Frau Rechsteiner sage, dass sie eine tolle Figur hat, wird sie sagen: „Ach so, ja, ja.“ Und denken: „Was für ein geiler alter Bock.“

Frisur ist gut. Figur ist schlecht. Aber nicht für alle. Viele meiner Altersgenossen glauben, dass sie Frauen gegenüber ungefragt sexuell befrachtete Qualitätsurteile abgeben müssen. Wieso machen libidobefreite alte Säcke das? Sie machens erstens wegen der Aussenwirkung. Sie wollen all denen da draussen beweisen, dass sie noch wirkmächtige Reproduzenten sind. Sie machens zweitens wegen der Innenwirkung. Sie bestätigen sich selbst, dass sie in der Hose immer noch ihren Mann stehen.

Ich frage mich oft, weshalb alte Chnuschtis überzeugt sind, dass Frauen bei ihnen weiche Knies bekommen. Der Bauch ist dick, die Beine dürr, das Haupthaar oben schütter, das Nebenhaar unten grau.

Bilder Playmobil, zvg, Peter Steiger

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7 Kommentare

  1. Ja, Peter Steiger, ich gebe gerne zu, dass auch ich im Alter von 82 noch immer gerne jüngeren, doch auch älteren Frauen gerne nachschaue und Ihnen bei passender Gelegenheit ein Kompliment mache, dass ich sie attraktiv finde. Ich sehe nicht ein, weshalb ich mein Verhalten ändern sollte, nur weil ich ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel habe. Denn damit widerlege ich nicht nur die immer wieder seltsame Behauptung, Frauen über 50 seien unsichtbar, weil eben nicht mehr attraktiv, sondern mache Ihnen gerne ein Kompliment, das stets gerne entgegengenommen wird und noch nie als lästig oder belästigend zurückgewiesen worden wäre. Der beste Beweis dafür war ein Kompliment, das ich einer 95-jährigen Frau im Bus nach Thun machen durfte, die dies mit einem sanften Lächeln, offenbar zufrieden zur Kenntnis genommen hat.

    • Sie wollen ernsthaft die «seltsame» Aussage der Frauen, ab einem gewissen Alter seien Frauen unsichtbar, in Frage stellen? Sind Sie eine Frau Herr Hübscher und können sie dies beurteilen? Ich glaube nicht.
      Ein ernst gemeintes Kompliment in einer passenden Situation hören wir wohl alle gern. Unpassende Komplimente können jedoch als unangenehm oder gar lästig empfunden werden. Etwas Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis kann hilfreich sein, den richtigen Ton zu finden.

  2. Komplimente, die sich nur auf Sex, Figur, etc. beziehen, sind meines Erachtens eh keine echten Komplimente, unabhänig vom Alter des Wesens, das solches von sich gibt.

    Echte Komplimente drücken demgegenüber eine Wertschätzung aus, etwa bezüglich Verhalten, Geschmack (auch bezüglich Kleidung), Problemlösungsfähigkeit, Intelligenz/gesundem Menschenverstand, Empathie gegenüber Dritten, Lebensphilosophie….. und sind beidseits altersunabhängig.

  3. Ich bin über 70ig und mir fällt immer wieder mal auf, dass Männer meiner Generation oft nicht gut kommunizieren. Nicht nur bei Komplimenten. Mit Entschuldigungen oder Danksagungen dasselbe, wenn sie diese überhaupt kennen. Ich hab auch schon mal vermutet, dass es weh tun muss zu einem Fehler zu stehen. Und ich denke, dass viele Männer die Selbstreflexion nicht kennen und nie angewendet haben.
    Aber ich muss auch anfügen, dass ich einach anders ticke als die Männer. Vielleicht wäre das ein Fach für die Oberstufe «Unterschiede bei den Geschlechtern»?
    Danke für die Anregung!

  4. Lieber Peter Steiger

    “Glücklich ist, dessen Träume immer noch stärker sind als die Realitäten”

    Die alten, libidobefreiten Säcke verzeihe ich Ihnen, ungerne allerdings. Mit Jahrgang 43 gehöre ich vermutlich auch in Ihr Schema. Trotzdem. Bekanntlich sitzt die Sexualität im Kopf und die bleibt dort wie die AHV, eben bis ans Lebensende. Der Rest, der da in der Einrichtung steckt, die sich so diskret Gemächt nennt, ist rein mechanisch tätig.

    Also Herr Steiger, Komplimente, sei es wegen der Frisur oder der Figur und plumpe Anmache machen doch nur noch Rindviecher. Heutzutage sind kleine, elegante Flirts nach wie vor erlaubt. Sie helfen, die kleine Peinlichkeiten überwinden, nachdem die Pflegekraft gerade gezeigt hat, wie das Stoma ausgewechselt wird. Die OP-Assistentin mit der Frage, wollen sie untenrum selbst rasieren oder soll ich das machen; ich mache das gerne. Da regt sich wenig, weder im Kopf noch anderswo.

    Die Oberschwester, ein dunkler Lockenkopf irgendwo zwischen vierzig und fünfzig, hat mir zum Abschied jeweils an dem grossen Zeh den Puls gedrückt. Die französische Pflege ist nicht so überbetont professionell, dafür unverklemmt und warmherzig.

    Aber zurück zu Ihnen Peter Steiger, warm gebettet und bedient von jungen, manchmal von hübschen Schwestern. Und dann diese Gedanken, Sie nicht mehr so jugendlicher Schlingel!

    Also, nicht alle Altersgenossen in denselben Kübel werfen, bitte. Natürlich sind wir alte Männer, aber auch Frauen vielmals keine Schönheiten mehr. Umso mehr ist die Bewunderung schöner Gesichter und Körper absolut natürlich. Denn die Fantasie lässt sich nicht totschlagen. Und das betrifft in der Tat nicht nur die Männer, Frauen tun es ebenso.

    Maïween Le Besco, réalisatrice, scénariste, actrice, chanteuse et productrice meint dazu: Quand j’entends des femmes se plaindre que les hommes ne s’intéressent qu’à mon cul, je leur réponds, l’utilise bien, ça ne va pas durer !

  5. Geschätzte Herren Kommentatoren

    Ihre Anteilnahme freut mich. Ich gebe gerne zu, dass mich das Spital übervorsichtig gemacht hat. «Sexuelle Belästigungen allüberall», stand in den Medien. Aber anständige Komplimente kommen eigentlich immer gut an. Die me-too-Diskussionen/Vorwürfe bewirken, dass man halt alles weglässt, was einem Schimpfis einbringen könnte.

    Was jetzt in unserer Kommentar-Runde noch fehlt, sind die Stimmen der Frauen.

  6. Auch alte Chnuschtis dürfen sich noch freuen an hübschen Frauen und ein ehrliches Kompliment wird sicher gern gehört, aber nach der hysterischen „Me too“ -Kampagne“ ist die Uebervorsicht verständlich! Es geht immer um Anstand und Respekt.

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