1 KommentarWann ist Buch- oder Lesesaison? - Seniorweb Schweiz
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Wann ist Buch- oder Lesesaison?

Die Werbung suggeriert uns folgendes:
Sommerzeit – Lesezeit.
Herbst – die ideale Lesesaison.
Lange Winterabende – Einladung zum Lesen.
Frühling ist zum Lesen da.

Also was jetzt? Wann ist tatsächlich die ideale Jahreszeit für Bücher und ihre Lektüre? Gewiefte Lesende sagen natürlich: Immer. Mich aber würde interessieren, wann Sie mehr lesen. An überbelichteten, endlosen Sommertagen oder in der kühlen Jahreszeit mit langen und dunklen Nächten.

Vielleicht ist das auch nicht dasselbe, die Bücher- und die Lesesaison. Für neue Bücher gibt es zwei Erscheinungstermine, Verlage lancieren ein Frühjahrs- und ein Herbstprogramm. Wobei es durchaus sein kann, dass einige Frühjahrsbücher schon im Februar und gewisse Herbstbücher bereits im Juli da sein können, als würde sich der Klimawandel in der Buchbranche auf diese Weise zeigen. Wie auch immer, zweimal jährlich warten Berge von Neuerscheinungen auf uns. Welcher Typ Leserin, Leser sind Sie? Greifen Sie sofort zu den gefeierten Büchern, damit Sie mitreden können? Oder lesen Sie solche Werke aus Prinzip lieber später, wenn der Hype um sie abgeklungen beziehungsweise bereits einem neuen Buch gilt?

Neulich bin ich in einem Beitrag übers Lesen auf eine interessante Frage gestossen, die ich hier zitiere: «Welches Buch hätten Sie früher lesen sollen?» Das habe ich mich vorher noch nie gefragt, aber als die Frage mich erreichte und ich länger darüber nachdachte, sind mir einige Titel eigefallen. Vor allem aber habe ich mir überlegt, was hinter der Frage steht. Warum hätte ich ein bestimmtes Buch früher lesen sollen? Was wäre dann passiert oder wäre verhindert worden? Hätte die Lektüre mir vielleicht schwierige Erfahrungen und Umwege erspart? Hätte ich dadurch eine wichtige Entscheidung anders gefällt? Hätte mir die Lektüre eines bestimmten Buches hilfreiche Einsichten geliefert, die für mein damaliges Leben wichtig gewesen wären? Hätte ich besser verstanden, was mit mir passierte damals?

Verlage werben mit Herbst-, Winter-, Frühlings-, Sommerbüchern. Lesende wissen, dass alle Bücher zu allen Jahreszeiten und jedem Wetter passen. (Bild AI, pst, Fotor)

Je länger ich über die Frage nachdachte, je stärker ging mir auf, welch grosser Glaube an die Wirkung von Literatur dahintersteckt. Und wie viele weitere, noch viel grundsätzlichere Fragen sich daraus ergeben. Was denn vermag Literatur? Kann ein Buch ein Leben verändern? Wohl kaum, würde ich sagen. Dennoch höre ich die Stimmen von Lesenden im Ohr, die mir zum Beispiel in Lesezirkeln erzählen, dass sie genau zur richtigen Zeit auf ein bestimmtes Buch gestossen seien. Als sei es nur für sie geschrieben worden. Die Hauptfigur trete mit ihnen in einen stillen, inneren Dialog, spreche also zu ihnen, tröste sie, muntere sie auf, kritisiere sie, stelle einen Entscheid in Frage usw. usw.

Dabei, denke ich oft, verhält es sich umgekehrt: Die Lesenden sind es, die die Figuren in den Büchern lebendig machen und ihnen zu einer Existenz verhelfen. Die Lesenden wecken die Figuren in einem Buch auf. Denn ohne sie hielten die Figuren Winterschlaf in ihren Betten aus Papier – und das vollkommen saisonunabhängig.

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