Die digitale Welt verändert sich in rasantem Tempo – und viele Seniorinnen und Senioren fühlen sich davon überfordert. In Chiasso jedoch gibt es einen Ort, an dem niemand mit seinen Fragen allein bleibt: der digitale Schalter der ATTE.
Jeden Freitagnachmittag empfängt dort Daniele Raffa (Titelbild), Informatiker, Unternehmer und Mitglied des kantonalen ATTE-Komitees, eine kleine Gruppe Interessierter. Schon beim Eintreten spürt man die freundliche Atmosphäre. Rund um den grossen Tisch sitzen Stammgäste wie Cornelia, Beatrice, Nilda oder Siro. Sie kommen regelmässig, um gemeinsam Neues zu lernen. „Einmal geht es um Computerprogramme, das nächste Mal um die Geheimnisse von Apps“, erzählt Beatrice. „Wir haben akzeptiert, dass wir nicht alles verstehen können – aber mit Daniele geht vieles leichter.“ Nilda ergänzt lachend: „Und er hat eine Engelsgeduld. Ich bringe jeweils etwas Süsses mit, dafür bekomme ich von ihm Schritt für Schritt die Lösungen.“ Siro schätzt besonders den Austausch in der Gruppe: „Man erfährt Dinge, auf die man alleine nie gekommen wäre.“
An diesem Nachmittag geht es unter anderem um einen langsamen Computer, den Unterschied zwischen E-Banking und E-Bill, sowie um die Frage, wie man die Basisfunktionen von Adobe gratis nutzen kann. Daniele Raffa hört zu, stellt Fragen und erklärt geduldig. Seine Kompetenz beeindruckt – und auch seine Gelassenheit.
«Ich möchte mein Wissen weitergeben»
Der 48-jährige Raffa ist seit seiner Geburt querschnittgelähmt. Nach seinem Master in Advanced Computer Science an der SUPSI (Fachhochschule Tessin) gründete er 2009 die Firma Handy System, die Beratung und technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen und Seniorinnen anbietet. Bei ATTE engagiert er sich ehrenamtlich: „Ich möchte mein Wissen weitergeben. Wenn ich das geschafft habe, dann können es auch andere schaffen – mit der richtigen Unterstützung.“
Das Modell der offenen Runde, das er gemeinsam mit Alessandro Zanoli entwickelt hat, hat sich durchgesetzt. Heute gibt es Digitale Schalter nicht nur in Chiasso, sondern auch in Novazzano, Lugano, Bellinzona, Locarno, Gambarogno, Biasca und Ambrì. Und auch in Mendrisio, in der „Filanda“, berät Raffa regelmässig. Oft entstehen dabei lebhafte Diskussionen – etwa über die App Parkingpay, die von vielen genutzt wird. Dank Raffa erfahren die Teilnehmenden, dass man mit einer speziellen Karte sogar Schrankenparkplätze nutzen kann, ohne ein Ticket zu ziehen. Kleine Details mit grossem Nutzen, die sofort für Begeisterung sorgen.
Ob es also um Apps, Betriebssysteme, digitale Rechnungen oder ganz alltägliche Fragen geht, im Digitalen Schalter von ATTE werden Probleme nicht nur gelöst, sondern auch Erfahrungen geteilt. Und genau das macht den Reiz aus: Lernen in Gemeinschaft, mit Humor und gegenseitiger Unterstützung.
Daniel Burckhardt ist VASOS-Vorstandsmitglied und Vizepräsident von ATTE

Eine tolle Sache! Gibt es solche Modelle auch in der Deutschschweiz!
Ja, zum Beispiel den Digi-Treff der Pro Senectute in Luzern.