Die Vasos hat in diesen Tagen eine nationale Petition lanciert, die besseren Schutz vor Altersdiskriminierung fordert. Konkret wird ein nationaler Aktionsplan zur Bekämpfung der Altersdiskriminierung mit verbindlichen Zielen und Zuständigkeiten verlangt.
Initiatorin der Petition ist die Co-Präsidentin der Vasos, alt Nationalrätin Bea Heim aus Solothurn. Sie begründet die Notwendigkeit der Petition wie folgt:
«Altersdiskriminierung ist leider Alltag – auf dem Arbeitsmarkt, beim Arztbesuch, in der digitalen Welt, in Institutionen und auch in der Politik, wie folgende Beispiele illustrieren:
So brauchte der Bund Jahre, um sich mit der Gewalt gegenüber älteren Menschen zu befassen – zwischen 300’000 und 500’000 Menschen über 60 seien jährlich Opfer von Gewalt und Vernachlässigung, wird geschätzt. Programm, Massnahmen dagegen, hat der Bund noch immer nicht .
Diskriminierend aber auch die Sprache in Medien und Politik, wenn es ums Alter geht. Von grauem Tsunami ist die Rede, von demografischer Last, meist von «Überalterung». Ein Unwort, was heisst hier Über? Überfällig oder was?
Politische Kreise nutzen diese Stimmungsmache für ihre Politik. Sie verlangten jüngst, Menschen ab einem gewissen Alter aus der Krankenversicherung auszuschliessen oder einen Seniorenzuschlag bei den Krankenkasse-Prämien. Auch dies eine Diskriminierung. Ein ganzes Leben lang in die Krankenversicherung einzahlen und dann im Alter nicht mehr darin versichert sein oder nur gegen einen zusätzlichen Beitrag?
Dieser Tage schlug eine junge Professorin der Uni Lausanne gar vor, Schweizer Stimmberechtigten ab einem gewissen Alter das Wahl- und Stimmrecht zu entziehen, man müsse die (angebliche) Vormacht der SeniorInnen bei Abstimmungen brechen. Die Idee ist undemokratisch, diskriminierend und widerspricht grundlegenden Prinzipien unseres Rechtsstaates. Das Ansinnen kommt nicht zum ersten Mal, aber sie kommt von einer Professorin. Schon deshalb ist es in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen und muss darum bekämpft werden.»
Aufgeführt wird in der Begründung das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (heute: «Schweizerische Menschenrechtsinstitution, SMRI»), welches auf erhebliche Defizite im geltenden Diskriminierungsschutz hinweist. So fordern Internationale Organisationen wie die OECD (2014) oder die WHO (2021) die Schweiz zu gezielten Massnahmen gegen diskriminierende Benachteiligungen aufgrund des Alters auf. Erwähnt wird Prof. Christian Maggiori (HES-SO), der aufgrund einer Umfrage feststellt, dass Altersdiskriminierung gar häufiger auftrete als Sexismus oder Rassismus – europaweit und auch in der Schweiz.
Die Vasos – Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen der Schweiz – mit über 130’000 Mitgliedern fordert daher Bund und Parlament zum Handeln auf. Die Petition soll dazu beitragen, dass die Schweiz ihre verfassungsmässige Verpflichtung wirksam erfüllt – im Interesse einer solidarischen Gesellschaft, die alle Generationen schützt und achtet. Gefordert wird:
- Nationaler Aktionsplan: Bund und Kantone erarbeiten einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Altersdiskriminierung und setzen ihn um. Der Plan enthält verbindliche Ziele und Zuständigkeiten.
- Gesetzliche Grundlagen und Massnahmen: Der Bund schafft spezifische gesetzliche Bestimmungen und sieht konkrete Massnahmen vor zum Schutz vor Altersdiskriminierung – sowohl im Verhältnis zwischen Staat und Bürger:innen als auch im privaten Rechtsverkehr. Der Schutz vor Mehrfachdiskriminierung ist zu gewährleisten. Besondere Beachtung gilt asymmetrischen Machtverhältnissen, etwa im Bereich Wohnen, Pflege, Gesundheitsversorgung und Arbeit.
- Zentrale Fachstelle Altersdiskriminierung: Der Bund errichtet eine Fachstelle auf Bundesebene, die sich gezielt mit Altersfragen befasst, über die notwendigen Fachkompetenzen verfügt und Bund sowie Kantone bei der Förderung einer altersfreundlichen, diskriminierungsfreien Gesellschaft beratend unterstützt.
Die Unterschriftensammlung für die Petition läuft bis zum 1. März 2026. Hier der Link zur Petition «Schutz vor Altersdiskriminierung»

