Sie ist ein Freigeist und macht, was sie will. Luisa Sereina Splett ist eine weit gereiste Pianistin und spricht sechs Sprachen, darunter auch Russisch. In Winterthur präsentiert sie ihre fünfteilige Kammermusik-Reihe «MUT!» – ein farbenfrohes Musizieren auf hohem künstlerischem Niveau.
Luisa Splett ist in Winterthur aufgewachsen, dort ist ihre Familie auch bestens bekannt. Ihr Vater Paul Otto Splett war Konzertmeister im Stadtorchester (heute Musikkollegium) Winterthur, so wuchs sie inmitten von Musik auf. «Als ich klein war,» erzählt Splett, durften wir bei den Proben lauschen. Ich kannte die geheimen Wege im Stadthaus und war glücklich, wenn ich in den Pausen eine kalte Ovomaltine aus dem Automaten bekam. Da gab es so viel zu entdecken!»
In der Musikstadt Winterthur wurde das grosse Talent des Mädchens früh erkannt und gefördert. Ihr Klavierstudium absolvierte sie in Zürich, doch schon bald zog es sie hinaus in die weite Welt. Die für ihr weiteres Studium gewählten Orte sind sehr speziell: zuerst ging es nach Santiago de Chile, dann für fünf Jahre nach St. Petersburg. Dort lernte sie nicht nur die berühmte russische Klavierschule kennen, sie eignete sich auch die Sprache fliessend an.
Von St.Petersburg bis Südamerika
Luisa Splett hat als Pianistin eine eigenwillige Karriere gemacht. Sie stand mit sieben Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Seitdem ist sie als Solistin und Kammermusikerin in der Schweiz, Europa, Russland, Nord- und Südamerika unterwegs. 2012 hat sie in Berlin ihre Heimat gefunden und gründete eine Familie, ihre Kinder sind sieben und fünf Jahre alt. Darüber hinaus ist Splett eine leidenschaftliche Klavierlehrerin, begleitet an der Staatsoper Berlin den Jugendchor und betreut dort diverse Workshops.

Kinder gross zu ziehen ist bei so einem künstlerischen Beruf besonders fordernd. Wie schafft es Luisa Splett, neben dem Üben, Reisen, Konzertieren und Unterrichten auch noch Zeit zu finden für ihren Mann und die Kinder? «Mein Mann und ich sind gleichermassen involviert, auch haben wir ein gutes Netzwerk.»
Die Kinderbetreuung werde in Berlin zum Glück stark gefördert, so Splett weiter. Familien müssten keine Kita- und Hortkosten bezahlen. «Doch es ist eine Herausforderung, keine Frage. Es sind jedoch meine Kinder und deren momentane Realität, die mich immer wieder erden. Für sie und ihre Zukunft zu kämpfen, empfinde ich als grösste Lebensaufgabe.»
Musik aus aller Welt
So brillant Luisa Splett Klavier spielt, so hellwach ist auch ihr Forschergeist. «Ich bin ein sehr neugieriger Mensch,» meint sie. «Andere Kulturen interessieren mich, weil ich immer auf der Suche nach neuem Repertoire bin. Nationale Klavierschulen und ihre Traditionen faszinieren mich genauso wie die Frage, welchen Stellenwert das Musikerdasein in der jeweiligen Gesellschaft hat.»
Spletts Winterthurer Konzertreihe «MUT! » zeugt von dieser Offenheit. Mutig ist sie in vielerlei Hinsicht. Die Ensembles bringen interessante Werke zum Klingen, die kaum jemand kennt. Doch nur keine Scheu! Man kann sich im Publikum getrost auf Splett‘s künstlerische Intuition und ihr Qualitätsbewusstsein verlassen. Auch kommen Werke von Komponistinnen in ihren Programmen ganz selbstverständlich vor.
Die fünf Konzerte finden in Winterthur jeden zweiten Monat an verschiedenen Orten statt: im gate27, im Stadthaus und in Kirchen. Luisa Splett spielt am kommenden Sonntag mit ihrer Duopartnerin am Saxophon spezielle Stücke aus Berlin. Vierhändige Klaviermusik aus Rio de Janeiro, Klavierquartette von Pariser Komponistinnen der Belle Époque und Klavierquintette von der Ostküste Amerikas – das sind die originellen Programme, die noch folgen.
Foto von Markus C. Hurek
Nächstes Konzert: So, 16. November, 17 h, Zwinglikirche Winterthur.
www.konzerte-mut.com


Liebe Sibylle
Herzlichen Dank für dein wunderbares Porträt der Pianistin Luisa Sereina Splett und die Hinführung zu ihrem Konzert vom 16. November. Mit einfachen Worten, grosser Fachkompetenz und viel Empathie hast du es geschrieben.
Nach dem gestrigen Konzert möchte ich als musikalischer Laie deine Worte wiederholen. Neben den vier anderen Beiträgen des KLUSA-Duo mit Luisa Sereina Splett am Klavier und Kathrin von Kieseritzky mit dem Saxophon hat mich vor allem die viertelstündige Uraufführung von «Ein Streifen Land II» von Mayako Kubo begeistert. Es ist inspiriert von Gaza, der Berliner Mauer und dem Todesstreifen zwischen Nord- und Südkorea. Da mir eigene Worte dazu fehlen, zitiere ich Victor Hugos Diktum: «Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.»
Schon jetzt freue ich mich auf das nächste Konzert von Luisa Sereina Splett, Sonntag, 11. Januar 2026 in Winterthur: Vierhändige Klaviermusik aus Rio de Janeiro, mit Sylvia Thereza und Luisa Sereina Splett. http://www.konzerte-mut.com.
Hanspeter Stalder