Bald kommen die Adventstage und im Landesmuseum Zürich ist die traditionelle Krippenausstellung eröffnet. Diesmal liegt der Fokus auf dem Raum, der die Heilige Familie umgibt.
Der ursprüngliche Schermen dieser wohl bekanntesten Kleinfamilie soll eine Grotte in Bethlehem gewesen sein. Aber aus den Bibeltexten ist nur gesichert, dass Maria das Neugeborene in eine Futterkrippe legte, «weil in der Herberge kein Platz für sie war».
Die einfache Höhle ist aus Ästen konstruiert und mit einem bemalten Textil überzogen. Nonnen des Klosters Heiligkreuz, um 1930, Holz, Pappmaché, bemalt, Gipsfiguren. Kloster Heiligkreuz, Cham
Die Weihnachtsszene – hierzulande Krippe genannt – hat Krippenbauer und Künstlerinnen seit Jahrhunderten überall dort inspiriert, wo das Christentum als Religion eingeführt wurde, also mehr oder minder weltweit. Alpenländische Krippen sind da eben Viehställe, erstens waren sie den Schnitzern, die ja meist selbst Bauern waren, bekannt, zweitens passt eine Futterkrippe bestens in einen Stall.
Die Geburtsszene ist in einem einfachen Unterstand angesiedelt, der mit Schilf eingedeckt ist. Entsprechend dem Herkunftsland Senegal ist die Heilige Familie von schwarzer Hautfarbe und trägt traditionelle Kleidung. Ausbildungsstätte für junge Menschen, Senegal, undatiert, Ton bemalt, glasiert. Kloster Heiligkreuz, Cham
Weil es diesmal um die Räume geht, bleibt die Heilige Familie meist allein in ihrer mehr oder minder prekären Behausung. Das Volk, das nebst Tieren, Hirten und Weisen aus dem Morgenland viele Krippenszenerien bereichert, hat in den Grotten und Ställen keinen Platz.
Licht aus dem Innern des verschneiten Backsteinhauses beleuchtet die Szene mit den Weisen aus dem Morgenland. Wohnhaus, Stall und Tannenwald bilden ein stimmungsvolles Ensemble. Wohl Deutschland, um 1920, Karton, Papier, bedruckt, geprägt, gestanzt. Spielzeug Welten Museum Basel
So ist diese Ausstellung, die sich auf den Raum fokussiert, eher klein geworden, aber die 18 Krippen aus aller Welt, die aus Holz, Gips, Stein, Keramik, Textilien, Papier und weiteren Materialien hergestellt wurden, zeigen eine Vielfalt der Gestaltung und sind Zeugen ihrer Herkunft: Das Christkind zwischen Maria und Josef findet man in Höhlen, Ruinen, Ställen, Wohnhäusern, im Wald oder auch in Kirchen.
Die Weihnachtsszene spielt sich in einer Art Höhlenkirche vor den Toren der Stadt ab. Kastenkrippen wie diese sind typisch für die Gegend von Grulich/Kraliky im heutigen Tschechien. Tschechien, 1873, Spielzeug Welten Museum Basel
Jede Krippe erzählt dabei nicht nur von der Geburt Christi, sondern auch von kulturellen Prägungen und handwerklicher Tradition. Werke aus Europa, Südamerika, Afrika und Asien lassen erkennen, wie sich der christliche Glaube mit regionalen Materialien, Symbolen und kunsthandwerklichen Ausdrucksformen verbindet.
Die Geburt Jesu findet in einer Felshöhle statt. Am gleichen Ort sucht der Geistheiler auf einem hohen Berg die Geister auf und findet Jesus im Bauch der Anden. Peruanische Volkskunst aus den Hochanden, 1960 – 1980, Ton, bemalt. KrippenWelt Stein am Rhein
Besonders gut sieht man das an einer zwischen 1960 und 1980 entstandenen Krippe aus Peru, wo die Geburt Jesu in einer Felshöhle stattfindet. Auf dem Dach der Höhle befindet sich ein Geistheiler, der die Geister anruft. Hier liegen indigene und christliche Religion nahe beieinander und schliessen sich nicht aus.
Blick in die Ausstellung mit viel Gold im Zentrum
Die Vitrinen, kleine Häuser mit Glasfront sind unter blauem Himmel um eine goldene Wiese angeordnet, auf der neben einer Kutsche zwei lebensgrosse goldene Hirsche weiden, den Tag erwartend an dem sie für die Märchenfahrt durch die Weihnachtswelt eingespannt werden.
Das Winteratelier für Kinder ist täglich geöffnet.
Wie immer hat das Landesmuseum ganz nahe bei den Krippen seinen Bastelraum eingerichtet, wo Kinder nach dem Betrachten der älteren und neueren Krippen selbst aktiv werden können, wo Geschichten zu hören sind und wo es auch eine bequem eingerichtete Tribüne für die Grossen gibt.
Titelbild: Miniatur im Achat. Maria, Josef und das Kind glänzen golden in einer naturbelassenen glitzernden Steinhöhle. Darüber strahlt der Weihnachtsstern. Dem Halbedelstein Achat werden verschiedene heilende und schützende Eigenschaften zugeschrieben. Herstellung und Datierung unbekannt, wohl 20. Jh., Achat, Metall. Spielzeug Welten Museum Basel
Alle Fotos © Schweizerisches Nationalmuseum
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