StartseiteMagazinKulturMozarts Zauberflöte begeistert in Luzern

Mozarts Zauberflöte begeistert in Luzern

Im Luzerner Theater wird Mozarts Singspiel «Die Zauberflöte» in einem fantastischen Bühnenraum gegeben. Witzige Kostüme und ein hochkarätiges Sängerensemble sorgten für einen amüsanten Premierenabend. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit einer Standing Ovation.

Es gibt zwei Märchenopern, die Kindern und Erwachsenen gleichermassen gefallen: Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» und Wolfgang A. Mozarts «Die Zauberflöte». Sie stehen oft auf dem Spielplan, wenn es gegen Weihnachten geht. Im Theater Luzern ist zur Zeit «Die Zauberflöte» in einer originellen Inszenierung zu erleben. Die Produktion vermag – trotz der dreistündigen Dauer – auch die Kinder zu bannen.

Erzählt wird die Geschichte als Traum von Tamino. Dieser legt sich vor dem geschlossenen Vorhang hin und schläft lesend ein. Die drei Knaben tauchen auf und bauen wie von Zauberhand die Bühne auf, und schon taucht in Taminos Traum die böse Schlang auf. «Zu Hilfe! Zu Hilfe!» ruft er verzweifelt. Da tauchen die drei Damen auf, die der Königin der Nacht dienen, und retten ihn.

Inspiriert von der altägyptischen Kunst

Der Illustrator Henning Wagenbreth hat für diese Inszenierung wunderbare Traumbilder geschaffen. Dafür habe er sich, wie er im Programmheft schreibt, von den sehr farbigen Schrift- und Bildzeichen der altägyptischen Kunst inspirieren lassen. Die Wirkung seiner Illustrationen ist enorm: archaisch abstrahierte grüne Bäume und Pflanzen säumen Taminos Weg. Graublau gezackte Felsen wirken bedrohlich, und der majestätische Palast von Sarastro ist voller magischer Zeichen.

Henning Wagenbreth begeistert mit seinen fantastischen Bühnenbildern und erschafft eine farbige und witzige Märchenlandschaft. Anna Kusmenko kreierte die surrealistischen, sich an Pop Art orientierenden Kostüme.

Diese archaisch-zeichenhafte Grundidee prägt alles. Die Kostüme, die Anna Kusmenko entworfen hat, sind magisch und witzig zugleich. So tritt der Vogelfänger Papageno in grünen «Dreieckshosen» auf, und auch die Vögel, die er für die Königin der Nacht fängt, sind mit altägyptischen Zeichen versehen.

Surrealistisch sind auch die panzerhaften dunklen Kostüme der Drei Damen. Und die weisen Priester in Sarastros Palast sind – wie Sarastro selbst – in steife,  knallrote Gewänder gekleidet. Die Farben der Kostüme und Kulissen sind intensiv, das Spiel mit ihnen wirkt wie Pop Art-Kunst. Auch die Zauberflöte und die Glöckchen, die für Tamino die bösen Mächte besänftigen, sind passend gestaltet.

Zwei erstaunliche Trios

Es ist erstaunlich, wie gut sich die Sängerinnen und Sänger in dieser Traumbilder-Welt zurechtfinden. Die drei Damen – Eyrún Unnarsdóttir, Solenn‘ Lavanant Linke und Marcela Rahal – tragen starre Turmfrisuren und singen dennoch frech und prägnant. Auch bewegen sie sich trotz der panzerhaften Kostüme überraschend leichtfüssig.

Schwere Gewänder und starre Frisuren halten «die drei Damen» nicht davon ab, lustvoll und frech zugleich zu singen.

Nicht nur sie begleiten Tamino und Papageno auf ihrem gefährlichen Weg. Die drei «weisen» Knaben helfen ihnen ebenfalls. Die drei Jungs singen ansonsten im Boys Choir Luzern mit. Sie wirken in ihren roten Gewändern und starren Rokoko-Perücken ruhig und zart, und ihre Terzette klingen lupenrein.

Grossartige Königin der Nacht

Die Partie der Königin der Nacht, der bösen Zauberin, fordert einen Koloratursopran bis in die extremsten Höhen. Alle warten jeweils auf den rachesüchtigen Ausbruch der Königin der Nacht, in dem sie ihre Tochter Pamina dazu auffordert, ihren Widersacher Sarastro zu ermorden. Diese schwierige Partie wird in Luzern von der zierlichen Tania Lorenzo Castro gesungen, einem Ensemblemitglied. Unglaublich, wie sicher und prägnant sie ihre virtuose Arie meistert.

Grosser Auftritt für die «Königin der Nacht».

Ruhig und souverän muss dagegen der weise Sarastro wirken. Er leitet das Liebespaar durch alle Prüfungen, die sie für die gegenseitige Liebe und Treue bereit machen sollen. Gesungen wird der Sarastro von Rueben Mbonambi, einem stattlichen dunkelhäutigen Mann. Er verfügt über eine geschmeidige Bassstimme, wirkte jedoch in der tiefen Lage zu verhalten.

Quicklebendige Hauptfiguren

Die Regisseurin Christine Cyris führt die drei Hauptfiguren quicklebendig. Den Papageno gibt der Schweizer Bariton Äneas Humm mit herrlichem Schalk und erfrischend heiterer Stimme. Ihm gegenüber wirkt der Zürcher Tenor Luca Bernard als Tamino ruhig und gefasst. Er singt den Tamino mit Hingabe und weichem Schmelz, aber auch etwas gleichförmig. Das Entschlossene, Heldenhafte kommt nicht so richtig durch.

Opulent und fantastisch ist auch der Palast von Sarastro. (alle Bilder Theater Luzern/ Ingo Höhn)

Bleibt noch die vielschichtige Partie der Pamina. Henriette Schein gestaltet sie facettenreich und spielt sie authentisch. Ihre Stimme wechselt mühelos vom Lyrischen ins Dramatische. Wenn sie vom Bösewicht Monostatos bedrängt wird, den Robert Maszl als Bodybuilder gibt, wehrt sie sich heftig. Und als sie dann, von Tamino vermeintlich verlassen, auf Selbstmordgedanken kommt, nimmt man ihr die Verzweiflung ab.

Wie die Sänger, so das Orchester

So lustvoll und freudig wie die Sängerinnen und Sänger ihre Rollen verkörpern, so spielt auch das Luzerner Sinfonieorchester. Jonathan Bloxham, seit 2023 Musikdirektor des Luzerner Theaters, dirigiert Mozarts Musik leichtfüssig und kontrastreich. Das Orchester kostet das Lyrische aus, spitzt die Dramatik zu und fährt auch einmal heftig drein. Das engagierte Miteinander aller Beteiligten ist das Markenzeichen des Luzerner Theaters. Die Stimmung war grossartig, der Applaus wollte kein Ende nehmen.

Weitere Vorstellungen: 5/8/10/18/21/26 Dez 2025. 4/9/11/18/24 Jan 2026       

 

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