Ein Viersterne-Zimmer umzubauen kostet etwa 50 000 Franken. Kleiderbügel sind für Fr. 1.50 zu haben. In den stylish renovierten Räumen hats Lavabos und Duschen mit allen Schikanen. Aber keine Leselampen, bloss einen einzigen Stuhl. Und drei Kleiderbügel zu einsfünzig.
Haben Hotelbesitzer, Hotelbetreiber oder Innenarchitekten schon jemals in einem Zimmer übernachtet, das sie zu verantworten hatten? Nein, denn wenn ja, hätten sie bemerkt, was in diesen Räumen fehlt. Es fehlen Kleiderbügel in den Schränken, Leselampen bei den Betten, Stühle im Doppelzimmer, Haken und Ablageflächen in den Badezimmern. Dafür hats drei Gummibärchen und drei Schöggeli auf den Kissen und eine Bibel in der Nachttisch Schublade.
Wir kennen das: Das Paar ist für einige Tage unterwegs. Mit dabei sind zwei mittelgrosse Koffer. Mit dabei sind für den Herrn drei Hosen, einige Hemden, ein Pullover, Wäsche, Schuhe. Die Dame ist mit ähnlichem, Variante Frau, unterwegs. Der Reisetag war lang, der Empfang an der Rezeption in Ordnung, das Zimmer eigentlich auch. Dann: „Nimmst du im Schrank die linken Fächer und die Schublade? Dann nehm ich die rechten.“ Soweit so gut und harmonisch. Doch nun beginnt der Konflikt, je nachdem als handfest ausgetragener Ehedialog oder als verliebtes Gesäusel je nachdem mit Potenzial zum Geschlechterkampf oder zum Geschlechtsverkehr. Nämlich: Wer bekommt den Zugriff auf die drei Kleiderbügel? Wir prognostizieren: die Dame.
Hier nicht zu sehen: Licht und Klimaanlage können nur Tüftler bedienen. Die zurzeit in modernen Hotelzimmern angesagten Glaswände zwischen WC und Schlafzimmer sind nur Langzeitpaaren zuzumuten.
Weiter: Im Doppelzimmer hat es trotz dieser Bezeichnung nur einen Stuhl. Wer sitzt auf dem Bett (Economy), wer auf dem Stuhl (Business)? Sie? Er? Beide? Wir zügeln ins Badezimmer. Hier ist der Geschlechterkampf längst entschieden. Auf den kärglich bemessenen Abstellflächen beansprucht sie, die Frau, die Hoheit. Sie braucht Platz für Töpfe und Töpfchen, für Flaschen und Fläschchen. Er, der Mann, braucht ein Plätzchen fürs Rasierzeug, für eitel Verblendete darfs noch ein Crèmchen sein.
Eine spektakulär blöde Idee haben manche Designer von eher teuren Hotelzimmern. Sie trennen Lavabo, WC, Dusche oder Bad nur durch eine Glaswand vom Schlafzimmer. Bei allem Verständnis für vorurteilsfreie Intimität: Wollen wir tatsächlich bei all diesen Nasszellengeschäften mit dabeisein?
Früher genügte ein simpler Schalter um das Licht ein- und auszuschalten. Heute haben moderne Hotels an der Wand ein Tablet. Damit lässt sich die gesamte Zimmerelektronik steuern. Technikaffine Nerds freut das, normal Begabte ärgerts. Selbsterlebt: Weil sich die Jalousie zum Balkon nur von innen anheben liess, hatten wir uns ausgesperrt und mussten wir uns auf eine kühle Nacht im Freien vorbereiten. Der Handy-Anruf bei der Rezeption rettete uns.
Bilder: Freepik, pst. In Zeiten von KI muss man das erwähnen: Alle Bilder sind real.


Leider wahr, wahr, wahr!!!
Leider stimmt alles!!
dem kann ich nur zustimmen.