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Karikaturen machen schlechte Nachrichten erträglicher

Pressezeichnen ist die Kunst, zuzuspitzen und schlechte Nachrichten humorvoll auf den Punkt zu bringen. Mit einer Zeichnung gelingt es oft besser, den Kern einer Geschichte zu vermitteln als mit einem ausführlichen Text.  Im Museum für Kommunikation in Bern sind derzeit die besten Karikaturen des Jahres 2025 ausgestellt.

Kriege, Diktatoren, Anschläge, gewaltätige Demonstrationen, Naturkatastrophen: Wir leben in einer dunklen Zeit. Pressezeichnungen helfen uns dabei, die «schwarzen News» erträglicher zu machen. Mit ihren pointierten Bildern erzählen die Pressezeichnenden in aller Kürze ganze Geschichten, öffnen Abgründe, stossen Gedanken an und bringen uns gleichzeitig zum Lachen.

Die Pressezeichnung ist eine kommunikative Höchstleistung. Das Museum für Kommunikation zeigt mit der Aussstellung «Gezeichnet 2025» bis am 22. Februar 2026 wiederum die besten Werke dieser unterschätzten journalistischen Kunst.

Von Trump bis zur Erbschaftssteuer-Initiative

Humorvoll und ernst zugleich lässt uns die Ausstellung die letzten zwölf Monate Revue passieren: Von Wahlen im Bundeshaus, im Vatikan und in Deutschland, über Kriege und Säbelrasseln, ESC und Frauen-Euro, bis zu einem neuen alten US-Präsidenten, der die Welt nach eigenem Gutdünken umkrempelt. Herausforderungen, Höhepunkte und Absurditäten – aber zum Glück grosszügig gewürzt mit Humor und überraschenden Pointen. So lässt sich das alte Jahr leichter verdauen und das kommende mit einem Lächeln in Angriff nehmen.

Pressezeichnungen sind aber nicht nur lustig. Sie sind auch ein Pfeiler der Demokratie, weil sie ohne lange Texte uns allen einen Einstieg in ein Thema ermöglichen. Oder weil sie kritisch reflektieren, was die Mächtigen tun.

Die Zeichnerinnen und Zeichner schaffen eine wichtige Einordnungsleistung mit ihrer Reduktion aufs Maximum und unterstützen so die Meinungsbildung.

Zehn Jahre nach Charlie Hebdo und in einer sich stetig verdichtenden Medienlandschaft haben Zeichnenden keinen leichten Stand. Die Redaktionen sparen zuerst bei den Cartoonisten. Umso wichtiger in einer Zeit, geprägt von Fake News und Verunsicherungen, ist die Berner Ausstellung.

Seit drei Jahren werden die besten Schweizer Karikaturen ausgezeichnet. Aufs Podest geschafft haben es 2025 folgende Künstlerinnen und Künstler:

Der grosse Gewinner bei der Vergabe des Swiss Cartoon Award 2025 ist Pierre-Olivier Comment mit Zeichnernamen «Pitch Comment». Er erhält den mit 1000 Franken dotierten Preis für den Cartoon «Poutine teste l’OTAN», der am 19. September 2025 in der Westschweizer Satirezeitschrift Vigousse publiziert wurde. Im Cartoon fliegt Putin als Wespe rund um die NATO.

1. Platz: Pierre-Olivier Comment alias Pitch Comment «Poutine teste l’OTAN»

Jury-Mitglied Nico Gurtner begründet die Wahl so: «Das ist ein Cartoon wie ein Wespenstich. Er trifft eine Alltagssituation, die wir alle kennen: Die Wespe, die um den Tisch rumschwirrt und alle sagen, man solle nicht hektisch reagieren. Das trifft die politische Situation so genau.»

Jury-Mitglied und Cartoonist Andreas Ackermann ergänzt: «Mit enormer Präzision wird eine banale nervige Wespe plötzlich zum Sinnbild eines geopolitischen Konflikts.»

Auf den zweiten Platz hat die Jury des Swiss Cartoon Award das Werk von Philippe Baumann alias Debuhme «Accord de paix à Gaza» (Vigousse) gewählt. Es geht um den Bundesrat, der keine Stellung beziehen will zu Gaza. Jury-Mitglied Henriette Engbersen betont: «Ich finde es wichtig bei Karikaturen, dass man die eigene Politik und Regierung kritisieren darf – das ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich.»

2. Platz: Philippe Baumann alias Debuhme: «Accord de paix à Gaza»

Mit dem dritten Platz ist der Cartoon «Unterversorgung» (Magazin doc.be) von Tom Künzli alias Tomz zur Situation im Gesundheitswesen ausgezeichnet worden. «Dieser Cartoon hat drei Ebenen: Die KI, die Pflege und den Fachkräftemangel. Und das alles in einer Zeichnung, das schafft nur ein Cartoon», begründet Veronika Meier von der Jury die Wahl.

3. Platz: Tom Künzli alias Tomz «Unterversorgung»

Die Jury hat aus 267 Cartoons und Karikaturen von 55 Zeichnerinnen und Zeichnern den Swiss Cartoon Award 2025 vergeben. Henriette Engbersen zeigte sich erfreut über die grosse Vielfalt an Pressezeichnungen und Cartoons: «Ich hoffe, dass es in irgendeiner Form weiter geht. Und dass diese Kreativität und auch Kritik an uns, an der Gesellschaft und der Politik weiterleben kann.»

Die Ausstellung ist bis am 22. Februar in Bern zu sehen. Für diesen Beitrag wurden Teile der Medienmitteilung des Musums verwendet.

 

Titelbild: Warum die Schweiz am Klimawandel mitschuldig ist: wegen dem Raclette. 

LINK

Museum für Kommunikation

 

 

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