Er lebt meist unbemerkt mitten unter uns, denn der Igel ist nachtaktiv und macht zurzeit ohnehin seinen Winterschlaf. Weil der hiesige Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) je länger je mehr gefährdet ist, hat ihn Pro Natura als Tier des Jahres in den Fokus gestellt.
Igel erleben: An einem Sommerabend sassen wir mitten in einer Naturlandschaft vor dem kleinen Weinbauernhaus beim letzten Glas. Es war sehr dunkel und ausser Grillengezirp nichts zu hören. Plötzlich erschraken wir, weil jemand ganz in der Nähe schwer atmete. Zunächst traute sich niemand so recht, nachzusehen, wer uns da störte. Das Atemgeräusch näherte sich, bis wir die Taschenlampe zückten und nirgendwo einen Mann sahen, dagegen wenige Meter entfernt an der Hauswand einen kleinen Igel, der sich genau wie wir erschreckte.
Igel aus der Vogelherdhöhle (40 000 Jahre alt), UNESCO-Welterbe «Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura», Museum der Universität Tübingen MUT
Der Igel ist ein niedliches Tier und als Motiv in Geschichten und auf Bildern oder als Puppe schon Kleinkindern bekannt, selbst wennderen Eltern nie einen Igel in freier Wildbahn gesehen haben. Da ist es hilfreich, wenn Pro Natura nun auf die Gefährdung der Igelpopulation hierzulande deutet, indem sie den Igel als Tier des Jahres 2026 vorstellt.
Schon in wenigen Wochen wird dieser Säugling ein selbständiger Jungigel sein. © Biosphoto / Daniel Heuclin
Igel leben heute in locker überbauten Siedlungen, also da, wo Menschen das Sagen haben, was Natur ist und wieviel es davon sein soll. Der auf- oder besser ausgeräumte Garten mit dem englischen Rasen, auch grüner Beton genannt, und den akkurat geschnittenen Sträuchern ist nicht geeignet: Dem Igel fehlen nicht nur Rückzugsorte, Ast- und Blätterhaufen fürs Tagesversteck oder den Winterschlaf, auch die Speisekarte ist dürftig: Igel sind Fleischfresser, ernähren sich vorwiegend von Insekten. Und davon gibt es seit Jahren immer weniger. Wenn einer an Fallobst schnuppert, riecht er den Wurm drin.
Städte und Dörfer sind heute der Hauptlebensraum der Igel in der Schweiz. Dieses Exemplar ist in Lausanne unterwegs. © Biosphoto / Olivier Born
Igel brauchen also ein dichtes Netz an Unterschlupfmöglichkeiten tagsüber, auch geeignete Verstecke für die Kinderstube und trockene Orte für den Winterschlaf sowie ein reiches Nahrungsangebot an Insekten, Spinnen, Tausendfüssler, notfalls auch Regenwürmer und Schnecken, wenn es zuwenig Raupen und Käfer gibt. Gefahren lauern bei den nächtlichen Streifzügen der Tiere. Dabei überqueren sie Strassen, müssen Hindernisse umgehen und sich vor Fallen wie Kellertreppen, Schwimmbecken oder Lichtschächten hüten.
Eine Igelmutter transportiert eins ihrer Jungtiere in ein neues Versteck. Wahrscheinlich wurde sie am alten Ort gestört. © Biosphoto / Ronald Stiefelhagen
Seit 2022 ist der Igel auf der Roten Liste der Schweiz als potenziell gefährdet eingestuft. Wo Siedlungen verdichtet werden, können wertvolle Igel-Lebensräume verschwinden. Deshalb ruft Pro Natura mit dem Tier des Jahres 2026 dazu auf, Gärten, Grünanlagen, Friedhöfe und Parks igelfreundlich zu gestalten und zu pflegen. Wie das geht, dazu hat Pro Natura eine Fülle von Rezepten, die sich teilweise in kurzer Zeit umsetzen lassen.
Kein Gift im Garten: Igel benötigen giftfreie Gärten, vor allem Schneckenkorn und Rattengift können ihnen zum Verhängnis werden.
Mähroboter nur bei Tag einsetzen: Mähroboter werden immer beliebter, weil sie eine weniger beliebte, aber regelmässig anfallende Gartenarbeit erledigen. Was viele aber nicht wissen: Für Igel sind die Automaten mit Schneidewerkzeug eine tödliche Gefahr, besonders, wenn sie in der Nacht zum Einsatz kommen.
Eingerollt zu einer Kugel mit 8000 Stacheln: Hilft gegen Füchse, nicht aber gegen die Krallen der Dachse oder Mähroboter. Bild: Wikipedia
Die rotierenden Klingen der Mähroboter können Wildtiere wie Igel, Kröten, Eidechsen und Schleichen, Grashüpfer oder Spinnen, die nach Fressbarem suchen, verletzen oder gar töten. Igel, die bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich im Vertrauen auf ihre Stacheln zusammenrollen, lassen dabei oft ihr Leben.
Naturnahen Garten fördern: Blumenwiesen und Staudenbeete mit einheimischen Pflanzen wachsen lassen. Igelfreundlich sind Blumenwiesen statt Rasenflächen, Staudenbeete und Anlagen mit einheimischen Sträuchern, die nicht gleich aufgeräumt werden, wenn die Blühsaison oder der Laubfall vorbei ist. Unterwuchs und Dickicht unter Sträuchern nicht entfernen. Das Laub kann im Herbst zu Haufen geschichtet zusammen mit Asthaufen aus Totholz liegen bleiben. Was Insekten, Wildbienen oder Käfer behagt, nützt auch den Igeln.
Gerade einen Tag alt sind sie, in sechs Wochen bereits suchen sie ihr Futter selbst. Bild: Wikipedia
Eine natürlich gewachsene Blumenwiese mit Löwenzahn, Wiesenschaumkraut, Wegerich, Klee und Gänseblümchen, eingesäumt von Hecken aus Wildrosen und anderen heimischen Blühpflanzen, fördert auch die Vogelwelt und freut letztlich die Menschen:«Blütenvielfalt, spannende Naturbeobachtungen und ruhige Ecken, um die Seele baumeln zu lassen: All das bietet der Naturgarten»,sagt Pro Natura und erinnert daran, dass auch öffentliche Grünflächen naturnah eingerichtet und gepflegt werden können.
Der Igel, Tier des Jahres 2026 im Video von © Pro Natura
Titelbild: Der Igel (Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) als Tier des Jahres soll Private und Gemeinden dazu «anstacheln», Gärten und Grünräume igel- und naturfreundlich zu gestalten. Bild © Wolfgang Hock
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