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Mund-Art. U derzue äs Affegnagi mit Bölle

Dialekt ist in  aller Leute Mund und Ohren. Im Radio sagen Experten, was richtig ist. In den Zeitungen prüfen Expertinnen, was wir alles wissen sollten. Jetzt noch Seniorweb.

Hier präsentieren wir mundgeblasene Dialektausdrücke, illustrieren sie mit hübschen Bildern und enthüllen, was sie bedeuten. Wir schauen, wie die Zürcherinnen Chrottebösche suchen. Wir sind dabei als die Basler dem Myggeli und die Bernerinnen dem Moudi hinterherrennen.

Zürich, Basel und dazwischen Bern. Diese Reihenfolge ist nicht Zufall. Mit Bern als Pufferstaat wollen wir verhindern, dass die Zürcherinnen den Baslern die Leckerli stibitzen und die Basler den Zürcherinnen die Tirggel abläschelen.



Zürigschnätzlets. Mit Tirggel, Chrottebösche und äneme  Grittibänz

Im März setzen wir Bölle. Im April gehen wir zur Bonzechilbi. Im Mai blüht der Chrottebösche. Im Juni hängen wir mit Chlüppli in der Winde die Wäsche auf. Am Mittag gehen wir in den Wurzle-Bunker, am Abend in den Zappel-Bunker. Schau den da drüben, der hat einen Rand am Huet. Jetzt wirds Zeit für d’Flüüge z’mache. Komm, schö corridor. An der Strasse steht noch ein Chaakübel. Den benützten wir früher um die Reste der Affengnagis zu entsorgen.

Lösungen unter dem Bild.

Limmätgää

Die Lösungen. Bölle: Zwiebeln. In ganz Usserzüri lacht man über Böllewäie, Flatulenz-Kuchen. Bonzechilbi: Sechseläuten. Rössliriite um den Böög. Chrottebösche: Löwenzahn. Chlüppli: Wäscheklammern. Winde: Estrich. Wurzle-Bunker: vegetarisches oder veganes Restaurant. Zappel-Bunker: Disco. Rand am Huet: bis zuoberst (mit Alkohol) abgefüllt. D’Flüüge mache: Fortgehen. Schö corridor: Ich gang. In Zürich spricht man gern Englisch und ungern Französisch. Chaakübel: Abfallkübel, später Patent Ochsner. Affegnagi: Banane.



Bärner Platte. Mit Nidle, ämene Mürggu derzue ä Schluck Bätzi

Hei, das schtrubusset. D`Felläde löddele. D`Flickflauder suchen Schutz. Die Mutter kam rechtzeitig vom Kömmerlen heim. Weil die Gofen vor Angst zitterten, ärfelet sie der Vater. Dann inspizierte er mit der Taschegugere das Haus. Bei solch einer Chatzehaglete würde er wohl morgen nicht mit den Juflisprysse ins Oberland fahren. Trübselig blickte er über den Läbhag Richtung Gurnigel.

Ungertorbrügg

Die Lösungen. Strubusse: stark regnen, stürmen. D`Felläde löddele: Die Fensterläden wackeln. Flickflauder: Schmetterling. Wenns regnet suchen Schmetterlinge Schutz im Geäst. Kömmerlen: Nicht weit nach Murten sprechen sie wälsch und font des commissions. Gofen: Kinder. Ärfelen: umarmen. Taschegugere: Taschenlampe (was gugere bedeutet, weiss der Autor nicht). Chatzehaglete: Unwetter, Hagel. Juflisprysse: jufle bedeutet pressieren, Sprysse sind (Holz-)Spltter, beides zusammen sind Langlaufskis. Läbhag: Hecke.



Basler Mässmogge. Mit Schwööbli u drin äs Schtück Haafekääs

„Was zeigt dein Gellerettli, fragt der Vater Berthold Vischer seinen Sohn Merian. „Nimms Ridigüll mit. In Kleinbasel regnets häufiger als auf unserer Seite.“ – „Wenn der wüsste“, dachte Merian „Wenn der wüsste, dass ich jetzt zum Zwätschgegrill gehe.“ Der Vater mit seiner Fliegeschlyffi hat beim Sohn nicht mehr viel zu melden. Was er sage, sei bloss Haafekääs, so Merian. Daheim sehe es aus wie in einer Dittistube. Vater und Mutter mit ihren Fangyyse seien nicht mehr up to date.

Faasnacht

Lösungen Ein Gellerettli ist eine Taschenuhr, «quelle heure est-il». Das  Ridigüll ist eine kleine Handtasche, sie ist so klein, dass es ridicule ist. Zwätschgegrill: Ein FKK-Strand am Rheinufer. Zwätschge sind zwar eher Frauen. Hier gilt der Übername einem Schwulen-Treffpunkt. Fliegeschlyffi: Glatze, wenn möglich pomadisiert. Haafekääs: Blödsinn, Quatsch, Unsinn. Dittistube: Puppenstube, Fangyyse: Ehering, Eisen bei der Fallenjagd.

Der Autor ist Exilzürcher, Wahlberner und dialektmässig in Olten angekommen. Gut möglich, dass es unter der Seniorweb-Leserschaft Mundartkennerinnen und -kenner hat, die auf diesem Gebiet einiges nachzutragen oder zu korrigieren haben.

Bilder: zvg, Wiki Commons, Pixabay 

 

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9 Kommentare

  1. Lieber Herr Steiger

    Zitat aus Ihrem Text:
    Taschegugere: Taschenlampe (was gugere bedeutet, weiss der Autor nicht).

    Meine Antwort darauf:
    „GUGGE“ kenne ich von meinen bernischen Grosseltern als weiteres Wort für „luege“ => schauen.
    Ca. 60er Jahre letztes Jahrhundert, Bauern im Sensebezirk
    Beispiel: „Wott gschwing ga gugge“ => Will kurz (geschwind) nachschauen gehen.

    Freundliche Grüsse und herzlichen Dank für den unterhaltsamen Artikel!
    Marianne Bolliger

    • Hä ja, Frau Bolliger, Sie haben völlig recht. Gugge, schauen, geht mit einer Taschenfunzle besser. Und Bio-Bernerinnen und -Berner machen mit allem was nicht davonlaufen kann, ihre Bärn-Ableitungen. Gugge = Gugere, Geografie = Gogere, Schülerinnensprache. Danke, der Autor ist jetzt gescheiter.

    • Ich bin Urbernerin, guete Morge zäme. Aber «gugge» gehört nicht in den Berner Sprachgebrauch. Wie erwähnt gehört das Wort in den Sensebezirk, was bekanntlich zum Kanton Freiburg gehört. Die Seisler «guggen». Ja und vielleicht noch die im hintersten Berner Oberland ansässigen, die sagen etwa auch «gugg eis» (schau mal). Das nur noch als kleine Ergänzung. Und merci für den amüsanten Beitrag.

  2. Grüezi Herr Steiger
    Kennen sie das Buch «mundArt», die Sprache der Luzerner Hinterländer von Josef Zihlmann? Verlag Willisauer Bote.
    Mit freundlichen Grüssen
    Lisbeth Wey

  3. Aso wörklech, Herr Schteiger, e somene Ardeku dr wechdig Dialäkt SOLEDORNISCH ned erwähne gohd gaar ned.

    Herzlichen Dank für ein paar herzhafte Lacher ob diesen «Problemen»!
    (Und Dank auch für andere ihrer Artikel.)

  4. Adrian: Ich habe schon beide Schreibweisen bemerkt.
    Martina: Jetzt haben Sie mich verwütscht. Umso schlimmer, als ich ein paar Jahre in Olten gearbeitet habe. Aber gelten die Oltnerinnen überhaupt als Soledurner?

  5. Die Antwort auf Ihre Frage, Herr Steiger:
    Jaja, die Oltner*innen sind natürlich Solothurner*innen, wenn man den Kanton Solothurn meint. Schprochlech si si haut nöime ganz angerschs – (do ghört me jo mängisch scho fasch echli öpis Aarouischs…), seit e gebördigi Outnerin, wo zSoledorn ufgwachse esch.
    Köstlich, wie man stunden- wenn nicht tagelang über Schweizer Dialekte diskutieren kann. 😀

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