Unromantische behaupten, der 14. Februar sei von Floristen oder Confiseuren «erfunden» worden. Wegen der Rosen und den Pralinen, die an diesem «Tag der Liebenden» so gerne verschenkt werden. Wir aber sind romantisch und glauben an den Märtyrer Valentin – und verschenken immergrüne «Sweethearts». Der Vorteil: Einmal schenken genügt, Efeu hält ein Leben lang.
Wer kennt sie nicht, die immergrünen Hecken, die einen simplen Drahtzaun überwachsen, den federnden Blätterteppich im Wald, das «Dekogrün» im üppigen Blumenstrauss. Efeu ist so etwas wie eine Allzweckwaffe im Garten, mit dem sich sowohl kahle Mauern wie auch dunkle Winkel kaschieren lassen, der auf Bäume klettert und den man stutzen, formen und auch mal bodeneben abschneiden kann – Efeu nimmt fast gar nichts übel.
Eine Pflanze mit Vergangenheit
Das hat seinen Grund: Efeu, eine millionen Jahre alte Pflanzengattung, hat sich im Laufe der Zeit angepasst – an Kälte, Hitze, an Sand oder Lehm, an Sommer und Winter. Efeu wächst mehr oder weniger üppig fast immer und überall. Ausser im ewigen Eis natürlich. Dazu kann eine Efeupflanze bis zu 1000 Jahre alt werden. Wohl deswegen galt sie schon bei den Etruskern als Symbol der Unsterblichkeit. Die alten Ägypter weihten die Pflanze Osiris, dem Gott des Nils, des Jenseits und der Wiedergeburt. Prosaischer sahen das die Griechen: In der Antike wurde der immergrüne Kletterkünstler Dionysos, dem Gott des Weins, zugeordnet. Ist ja auch etwas für die Ewigkeit.
Vielen Häusern tut so ein grüner Mantel gut.
Efeu ist aber nicht nur eine omnipräsente Gartenpflanze, sie ist auch ein Architekturgenie. So umhüllt sie nicht nur halb verfallene Burgruinen mit einem Mantel aus schimmerndem Laub, sie deckt auch heutige langweilige und weniger gelungene Bauwerke gnädig zu. Nur Beton muss sich ein bisschen gedulden. Denn der ph-Wert einer neuen Betonmauer, der gefällt dem Efeu ebenso wenig wie weisse, stark besonnte Wände. Efeu ist negativ phototropisch, ein Lichtflüchtling, der dunkle Ecken und schattige Flächen liebt. Aber ansonsten kennt er nichts. Er klettert auch entlang Metallstangen oder Laternenpfählen hoch, bis zu 20 Metern.
2010 als Arzneipflanze ausgezeichnet
Das aber ist noch längst nicht alles: Der bei uns in vielen Arten heimische Efeu helix wurde 2010 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Von Efeutee oder sonstige «Hausrezepten» ist allerdings abzuraten. Sowohl Blätter wie auch die Beeren sind für Menschen giftig. Aber Umschläge mit Efeublättern sollen bei Nervenschmerzen und auf Hühneraugen gelegt helfen. Und früher wurde die empfängnisverhütende oder abtreibende Wirkung gepriesen. Nicht unbedingt empfehlenswert. Aber Schafe und Ziegen lieben Efeukraut.
Efeu blüht spät, erst mit etwa zehn Jahren. Dann aber überrascht er – im Herbst! – mit aparten Blütenständen.
Efeu verharrt rund zehn Jahre im Jugendstadium, das heisst, er blüht und fruchtet sehr spät. Auch spät im Jahr, was ihn zu einer beliebten Nahrungsquelle für Insekten und Nachtfalter werden lässt. Die Beeren dann, die ab Februar reif werden, sind bei Vögeln begehrt, quasi als erste Vitaminquelle nach dem Winter.
Herzförmige Laubblätter zeichnen die «Sweethearts» aus, die im angelsächsischen Raum gerne als Valentinspräsent verschenkt werden. (b.r.)
Und was hat das nun alles mit dem Valentinstag zu tun? «Unser» Efeu helix, eine von knapp 20 Arten, gibt es in zahllosen Variationen, mit dunkelgrünem, hellgrünem, panaschiertem, weiss getupftem oder gelb geflecktem Laub. Die Blätter können glatt, gezahnt, geschlitzt, gezackt, ja gerüscht, rundlich oder eckig sein. Und auch herzförmig, was zum Beinamen «Sweetheart» und zu seiner Aufgabe als Valentinspräsent führt. Und, weil Efeu ja seit den Etruskern unsterblich sein soll, auch als Symbol für ewige Liebe dient. Wenn man ihn nicht vertrocknen lässt.
