In einer Audioserie mit sechs Folgen erzählen ältere Menschen, wie sie ihren Alltag gestalten und wie sie Herausforderungen bewältigen. Dabei zeigt sich, wie vielfältig, bunt und anregend, aber auch herausfordernd das Altern heute sein kann.
Das Schwerpunktprogramm Gesundheitsförderung im Alter des Kantons Aargau hat die Audioserie produziert und dabei sechs Themenbereiche des Alterns in den Vordergrund gerückt. Die Moderatorin Elisa Sprecher und die 19-jährige Greta Hunziker fragen bei Älteren nach, was sie bewegt, begeistert, berührt und beschäftigt. Fachpersonen ordnen Aussagen fachlich ein und vertiefen das jeweilige Thema.
Im ersten Gespräch wird der 68-jährige Horst Hablitz gefragt, wie er vom Aargau ins St. Galler Rheintal zog, dort eine Beratungspraxis eröffnete und sich in einem Care-Team engagiert.
Ältere sorgen füreinander. (Foto freepik)
In der zweiten Episode erzählt Nicole Züsli (65), wie sie mit ihrem Mann in ein fast 300-jähriges Bauernhaus zog, um sich dort einen Wohntraum zu erfüllen. Das ist mit viel Arbeit und kreativem Tun verbunden und erzeugt immer wieder mal Schwierigkeiten, vor allem aber Lebensfreude. Die Frage des Wohnens im Alter wird mit dem Altersforscher Alexander Seifert vertieft.
Peter Buchner (79) ist im Alter sportlich unterwegs. Dabei geht es weniger um einen optimalen Muskelaufbau, sondern vielmehr um Lebensfreude und geistige Frische. Sein Erzählen motiviert, bis ins hohe Alter auch sportlich aktiv zu bleiben.
Senior, sportlich unterwegs mit Ball und Yoga- oder Liegematte (Foto freepik)
Der vierte Audiobeitrag bringt uns die 83-jährige Heidi Fausch-Pfister näher, die mit 75 noch Klarinette und Saxophon gelernt hat, lange im Seniorenorchester Zürich mitspielte und seit 2025 das Orchester dirigiert und die musikalische Leitung übernommen hat. Die Musikerin und Neurowissenschaftlerin Barbara Studer erläutert, wie Musik das Gehirn aufs Schönste anregt und jung erhält.
Heidi Fausch dirigiert das Seniorenorchester Zürich (Foto © Ursula Funke)
Im fünften Beitrag erzählt die fast 70-jährige Cecile Koch, wie sie sich seit über vier Jahren in der Seniorenkommission engagiert, mal Ausflüge organisiert, ältere Menschen im Gebrauch digitaler Geräte unterstützt und Menschen zusammenbringt – und dabei nicht nur andern, sondern auch sich selbst Freude in den Alltag bringt.
Nach 65 arbeitet Peter Siegenthaler immer noch weiter im eigenen Geschäft, beginnt aber noch ein Studium an der Seniorenuniversität. Wie nach der Pensionierung sich Chancen öffnen, neue Wege zu beschreiten und Neues auszuprobieren, erläutert in einem Vertiefungsgespräch Alexander Seifert, der über den lebenslangen Prozess des Lernens sagt: «Wir lernen bereits mit den ersten Gehversuchen und wir lernen bis zum Sterbebett hin.»

Vier Fragen an Matthias Felix, Programmleiter Gesundheitsförderung im Alter des Kantons Aargau, der die Gesprächsserie produziert hat:
Seniorweb: Inwiefern dient die Gesprächsreihe «Graue Haare, bunte Köpfe» der Gesundheitsförderung im Alter?
Matthias Felix: Altersbilder prägen unsere Vorstellungen davon, was Altern bedeutet – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Negative Stereotype wirken sich nachweislich ungünstig auf Gesundheit und Lebensqualität aus. Sie fördern Altersdiskriminierung, schwächen die Selbstwirksamkeit älterer Menschen und können langfristig ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.
Das Altersbild in der Gesellschaft ist oft negativ, fokussiert auf Defizite und weist älteren Menschen einen niedrigen Status zu. Diese negativen und undifferenzierten Sichtweisen sind tief verankert und dominieren noch immer in vielen Bereichen.
Das Schwerpunktprogramm Gesundheitsförderung im Alter möchte hier ansetzen: Es vernetzt jüngere und ältere Generationen und porträtiert inspirierende Lebensgeschichten älterer Menschen. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner leben selbstbestimmt, sind gesellschaftlich eingebunden und verfolgen weiterhin aktiv ihre Bedürfnisse – auch bei möglichen körperlichen Einschränkungen. Die authentischen Generationengespräche hinterfragen verbreitete Stereotype in unterschiedlichen Lebensbereichen und eröffnen neue Perspektiven auf das Alter(n). Vermittelt wird ein Altersbild, das Alter nicht als Ende von Aktivität, Engagement oder Lebensqualität versteht, sondern als Lebensphase, in der neue Möglichkeiten und Perspektiven entstehen können.
Matthias Felix, Programmleiter Gesundheits-förderung im Alter Kt. AG (Foto zVg)
Wie entstehen eigentlich unsere Vorstellungen vom Alter?
Unsere Vorstellungen vom Alter beginnen schon in der Kindheit. Kinder übernehmen unbewusst gesellschaftliche Klischees – zum Beispiel, dass ältere Menschen langsam oder technisch unbeholfen seien. Später prägen Begegnungen mit Grosseltern oder anderen älteren Menschen unsere eigene Sicht.
Gleichzeitig wandeln sich die gesellschaftlichen Altersbilder: Positive Eigenschaften wie Gelassenheit, Lebenserfahrung, emotionale Stärke oder das Engagement in Familie und Gemeinschaft rücken stärker in den Vordergrund. Dennoch werden ältere Menschen in Diskussionen über Gesundheits- oder Pflegekosten oft undifferenziert betrachtet und pauschal als krank oder hilfsbedürftig dargestellt.
Was kann man selbst tun, um das Alter positiv zu erleben?
Natürlich bringt das Alter Veränderungen und manchmal Einschränkungen mit. Entscheidend ist jedoch, wie man damit umgeht. Wer neugierig bleibt, offen für Neues ist und das Leben eher als «halb volles Glas» sieht, profitiert spürbar – körperlich wie seelisch. Studien zeigen sogar: Ein positives Altersbild kann die Lebenserwartung um bis zu sieben Jahre verlängern.
Ein positives Altersbild beginnt im Kopf – und das kann man bewusst fördern. Es hilft, sich auf die eigenen Möglichkeiten zu konzentrieren, statt auf das, was nicht mehr geht. Soziale Kontakte pflegen, sich für andere engagieren und Aktivitäten nachgehen, die Freude bereiten, stärkt Körper und Geist gleichermassen. Auch kleine Erfolge im Alltag, wie eine neue Technik erlernen, ein Hobby vertiefen oder regelmässig spazieren gehen, tragen dazu bei, das Alter aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.
Lohnt es sich im hohen Alter noch, etwas für die Gesundheit zu tun?
Ja, auf jeden Fall. Die Forschung zeigt: Auch im hohen Lebensalter können wir neue Gewohnheiten entwickeln. Wer sich gesund verhält, gewinnt an Lebensqualität, bleibt länger selbstständig und stärkt sein körperliches wie seelisches Wohlbefinden. Der Einsatz für die eigene Gesundheit lohnt sich also in jedem Alter. Zentrale Faktoren sind regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, soziale, wenn möglich generationenübergreifende Kontakte, Neues lernen wollen.
Titelbild: Flyer zur Gesprächsreihe «Graue Haare, bunte Köpfe»
