Am Zürcher Theater Rigiblick trifft Shakespeares Tyrann Richard III. auf die Songs der Rolling Stones. Intendant Daniel Rohr präsentiert eine packend-heitere Musiktheater-Inszenierung des Bösewichts, die im Guckkasten endet.
Shakespeares Richard III. ist eine komplexe Tragödie über den skrupellosen Aufstieg und Fall des Herzogs von Gloucester, der durch Intrigen, Mord und Verrat den englischen Thron besteigt. Als missgebildeter, machtgieriger Bösewicht eliminiert er Verwandte (darunter seine Neffen im Tower), wird jedoch nach kurzer, tyrannischer Herrschaft in der Schlacht von Bosworth (1485) von Henry Tudor besiegt. William Shakespeare hat 1593 mit Richard III. einen der grössten Verführer der Theaterliteratur geschaffen, einen schauspielernden Politiker und zynischen Machiavellisten, einen Alleinherrscher, dessen geistige und politische Erben bis zum heutigen Tag ihr Unwesen treiben.
Böse Rockbuben und böser König kombiniert
Diese Historientragödie mit rockigen Songs der Rolling Stones zu kombinieren, ist ein gelungener Versuch, daraus ein Musiktheaterstück mit viel Drive zu realisieren. Die «bösen Buben des Rocks» passen durchwegs zu den blutigen Machtspielen des bösen Königs. Hinzu kommen noch austauschbare Puppen, die dem wirren Spiel eine besondere Note verleihen. Theatermacher und Hausherr des Theaters Rigiblick, Daniel Rohr, präsentiert im Theatersaal am Zürichberg mit dem Titel «Shakespeares Richard III. meets The Rolling Stones» ein turbulentes Bösewichtspiel, das vergnüglich anzusehen ist und für etliche Lacher und Zwischenapplaus sorgt.
Will den Rosenkreig beenden: in der Bildmitte König Eduard IV. als Handpuppe.
Gespielt wird vor einer rostigen Wellblechwand mit etlichen Öffnungen, die angeblich den Tower von London darstellt (Bühne: Elke Thomann und Gabor Nemeth). Links davon ist die fünfköpfige Rockgruppe unter der Leitung von Tobias Schwab platziert. Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler treten vor die Bühne, versprechen auf witzige Art, Klarheit in das tragische Familienspiel mit über 30 Figuren zu bringen. Und das tun sie, indem sie die einzelnen Familienmitglieder und deren Rollen näher vorstellen. Auf dem Thron sitzt der kränkelnde Eduard IV., der Bruder des Herzogs von Gloucester, dargestellt als Puppe im Rollstuhl, der den sogenannten Rosenkrieg zwischen den beiden Adelshäusern Lancaster und York schlichten will. In der zweistündigen Aufführung wird gerafft und erklärend Szene um Szene das intrigante Wirken des machtgierigen Richard vorgeführt, immer wieder begleitet von grossartig instrumentalisierten Songs der Stones, die das mörderische Treiben auflockern und vorantreiben.
Rasantes Spiel voller Lügen, Intrigen und Morden
Geboten wird rundum ein rasantes Spiel voller Lügen, Intrigen und Morden mit Pedro Reichert in der Hauptrolle als verkrüppelter Richard von Gloucester. Grandios, wie Reichert den skrupellosen Tyrannen verkörpert, sanft unterwürfig und teuflisch kalkulierend alle Hindernisse zur Krone aus dem Weg räumt und als paranoider König endet. Selbst seinen König und Bruder Eduard IV. treibt er mit seinem heimtückischen Spiel in den Tod.
Pedro Reichert als gekrönter Richard III. singt den Stones-Song «I can’t get no satisfaction». Fotos: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
Auch die übrigen Darstellerinnen und Darsteller (Graziella Rossi, Sabina Deutsch, Lisa Eder, Rolf Sommer und Joachim Aeschlimann) überzeugen mit famosem Rollenspiel, verkörpern mit grossen Handpuppen die zahlreichen Opfer des machtgierigen Emporkömmlings, singen einzeln und gemeinsam beherzt die Stones-Hits. Am Schluss öffnet sich die Wellblechwand zum Guckkasten, vollführen säbelrasselnde Marionetten-Krieger die für Richard III. tödliche Schlacht von Bosworth. Die blutigen Machtspiele Richard III. enden vielsagend im Marionettenspiel, veranschaulichen auf heitere Art, wie puppenhaft menschliches Machtgehabe wirken kann.
Weitere Spieldaten: 4., 5., 6., 9. März, 8., 21. April, 12., 13., 14. Mai
Link Website Theater Rigiblick
