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Früheres Glück: Coci-Fröschli, Solex, Döschwo

Früher gabs viele Freuden, auf die wir heute verzichten müssen. Wer von uns weiss noch, wie Brausepulver auf der Zunge kribbbelt? Unsere Zusammenstellung ist unvollständig. Welcher Seniorweb-Leser ergänzt sie und erzählt von seinen Knickerbockern? Welche Leserin weiss noch, wie Wollstrümpfe kratzten?

Gepäckwägeli an den Bahnhöfen waren gross, schwer und unhandlich. Aber man konnte Koffer, Koffer, Taschen, Taschen, Beutel transportieren. Wenns pressierte, platzierte man auch die Gofen drauf. Die Wägeli kosteten zwei Franken. Das war gut angelegtes Geld, zumal man den Zweifränkler zurückerhielt, wenn man das Ding ordnungsgemäss parkierte.

Süsses für Kinder. Das ist ein weites kaum erforschtes Gebiet. Weil wackelig. Leckereien verschwinden, kommen mit neuem Namen wieder in Vorschein. Coci-Frösche, Fünfermocken oder Bazooka Bubble Gums sind immer noch oder wieder da. Wir Grosseltern glaubten, solches Karieszeugs sei längst verschwunden. Aber oha lätz. Unsere Enkel ruinieren damit ihre Zähne immer noch. Einzig die Chätschgummi-Zigaretten sind aus den Regalen verbannt. Nicht auszudenken, was diese Dinger bei den Präventions-Enthusiasten oder Gesundheits-Fundis hervorrufen würden

Ukawe. Man sieht es nicht. Man spürt es nicht. Und man hört nichts. Unser neues Autoradio DAB+ hat an jeder zweiten Strassenlampe Aussetzer. Da sorgten doch die guten alten UK-Wellen, dass man der netten SRF-Morgen-Moderatorin in der ganzen Stadt beim Plaudern zuhören konnte. Da haben wir doch für ein paar hundert Franken ein solches DAB-Ding ins Auto einbauen lassen. Und ärgern uns seither über das Stop-and-go-Ärgernis. Altes ist nicht immer besser. Die angejahrte UK-Fee haben wir jedoch ins Herz geschlossen.

Einkaufswagen. Heute haben in diesen Shopping-Monstern die Verpflegung für ein ganzes Ferienlager einschliesslich drei Kindern Platz. Die Grösse der Einkaufswagen folgte den Dimensionen der Einkaufszentren: immer voluminöser. Die ersten Wägeli waren herzig. Immerhin konnte man verstauen, was eine Durchschnittsfamilie in den Siebzigern brauchte: Banago, Kernseife, Vivi Kola, Vierfruchtkonfi.

Döschwo: Mit der gleichen Kurbel konnte man auch den Motor starten. Velosolex: Hnter der Frau strampelt vermutlich Ferdi Kübler, der «Adler von Adliswil». UKFee: Die Schauspielerin Birgit Steinegger warb für neue Töne. Einkaufswagen waren früher mit einer Packung Cornflakes schon halb gefüllt. Heute sind Shopping-Trucks unterwegs. Pissoir: Das ist nicht der Eingang zu einem Mausoleum, sondern das Dach für die Bedürfnisanstalt am Berner Zytglogge. Gepäckwägeli: Wer einst eine Reise tat, konnte sein Gepäck durch den Bahnhof transportieren. (Bilder zvg, Peter Steiger)

 

Restbrot. Es gehörte zu meinen frühgastronomischen Erlebnissen. Wenn ich mit Vater und oder Mutter in den Sechzigerjahren in die Stadt ging, gehörte gelegentlich ein Restaurantbesuch dazu. Beliebt war der Zürcher Grossbetrieb Urania. Dort gabs auf der Speisekarte und manchmal auf dem Teller ein Restbrot. Die Frage beschäftigte mich lange. War das Restbrot ein Restaurant-Brot oder war es ein Brot mit Resten? Mittlerweile glaube ich, dass es ein Brot belegt mit gastro-üblichen Zutaten war, Salami, Schinken, Käse. Die Annahme, dass es ein frühes Bekenntnis zur Restenverwertung war, überzeugt mich heute nicht mehr.

Hereinspaziert-WC. Dem Redaktör ist nichts zu schwör (nach Daniel Düsentrieb «dem Ingeniör…»). Es geht hier um ein heikles Thema, um öffentliche Toiletten. Früher gab ich sie gratis. Hin und wieder öffneten sie sich, wenn man ihnen einen Zwanziger spendierte. Heute sind diese Modelle fast überall verschwunden. Männer haben es etwas besser. Manche Pissoirs erfüllen noch heute gratis ihre Aufgaben. Hier in Bern zum Beispiel beim Zytglogge und beim Bierhübeli, beliebt bei Taxifahrern, weil die Täxeler hier halten können. Auf das Folgende haben wir haben schon mehrmals hingewiesen: In den grossen Bahnhöfen können stoffwechselaffine Leute ihre Bedürfnisse nur mit E-Zahlung befriedigen.

Döschwo. Wie schön wars mit dem Döschwo mit 15 Stundenkilometern am Gotthard den Verkehr zu behindern. Nein, im Ernst, die Ente war schon ein tolles Frischlings-Auto. Interessiert konnte man ihr beim Rosten zuschauen. Das Auto hatte keine nennenswerte Heizung, aber mit dem aufgedrehten Campingkocher auf der hinteren Sitzbank gings. Der Motor war weitgehend selbsterklärend. Ich konnte den Zylinderkopf abmontieren – leider nicht wieder anschrauben.

45er Schallplatten. Die Debatten waren heftig und wurden über Schallplatten ausgetragen, mit 45ern, die waren billiger. In der Sek-Klasse waren einerseits Beatles-Jünger und Be-Gees-Bewunderinnen. Die anderen waren Jazzer. New Orleans (geduldet), Bepob (geachtet) und Free Jazz (hochgeachtet, Intelligenzia). Austragungsort war der Koffergrammophon Lenco. Er kostete damals etwa 150 Franken, umgerechnet wäre das heute rund das Zehnfache.

Der Autor hat eine ganze Packung Kaugummi-Zigaretten verbraucht, dazu den Schlagern von Conny Froboess und Heino gelauscht. Trotzdem kamen ihm keine weiteren Nostalgie-Erzeugnisse in den Sinn. Ob ihm die Seniorweb-Leserschaft über die Kommentar-Spalte hilft?

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3 Kommentare

  1. Grüezi Herr Steiger
    Wir lesen Ihren Beitrag immer und erleben so ein ‚Hochlicht‘ (Highlight) pro Woche!
    Herzlich

  2. Der Einkauf am Migros-Wagen: Da wurde ein Teil der Seitenwand runtergeklappt und diente als Ladentisch. Die Regale, aus denen das Verkaufspersonal die Waren entnahm, waren dank der schrägen Anordnung quasi selbstnachfüllend. Wurde die vorderste Konserven- oder Eimalzinbüchse entnommen, rollte einfach die nächste wieder an die vorderste Front. Interessant waren auch die Gewichte und Preise. So war das Gewicht eines Sacks Zucker nicht 1 kg, sondern vielleicht 1014 g, damit sich ein runder Preis ergab und das Personal sich nicht mit 1- und 2-Räpplern herumschlagen musste. – Später, als Migros eine Quartierfiliale eröffnete, gab es dort Joghurt (nur nature) in Gläsern (mit Pfand, damit man sie zurückbrachte). Sie waren mit Kartondeckeln verschlossen, in einer halbmondartigen Aussparung nur mit Papier, damit man dort mit einem geeignete Gegenstand hineinstechen konnte, um den Deckel mühelos herauszuheben.

  3. Ich fuhr in meiner «Frühzeit» einen VW Käfer, noch mit der kleinen Fensterscheibe hinten. Nach einem Tanz-Abend (noch nicht Disco) fuhren meine Freundin und ich über die neueröffnete Autobahn Richtung Zürich. Plötzlich fing mein rollender Untersatz zu husten an und ich schaffte es gerade noch auf den Pannenstreifen. Dann blieb alles still. Ich stieg aus, öffnete den Motorraum-Deckel (hinten!) und schaute etwas verwirrt rein, schliesslich gab ich dem Ding einen Fusstritt, schloss den Deckel und startete erneut den Motor. Und siehe da, wir erreichten Zürich ohne weitere Probleme! Irgend wann später musste der Motor dann ausgetauscht werden, was sehr viel günstiger kam, als ein anderes Auto. Versuchen Sie das mal bei einem heutigen Auto samt all‘ den Computer-gesteuerten Tools!

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