1 KommentarRisiko für weiteren Selbstmordversuch verringern - Seniorweb Schweiz
StartseiteMagazinGesundheitRisiko für weiteren Selbstmordversuch verringern

Risiko für weiteren Selbstmordversuch verringern

Ein Gespräch kann den Unterschied machen: Kurze, strukturierte Interventionen nach einem Suizidversuch senken das Risiko für einen erneuten Versuch deutlich. Das zeigt eine internationale Meta-Analyse unter Leitung der Universität Zürich.

Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich haben, weisen ein deutlich höheres Risiko für weitere Versuche auf. Gleichzeitig erhält nur etwa ein Drittel von ihnen danach eine weiterführende Behandlung. Hier setzen sogenannte «Brief Interventions and Contacts» an – strukturierte, zeitlich begrenzte Massnahmen direkt nach einem Suizidversuch. Dazu gehören beispielsweise Sicherheitspläne, kurze psychotherapeutische Massnahmen wie Problemlösetherapie, psychoedukative Elemente sowie regelmässige Kontakte per Telefon oder Brief.

Ein Team unter der Leitung von Psychologen und Psychologinnen der Universität Zürich hat nun untersucht, ob Kurzinterventionen nach einem Suizidversuch weitere Versuche verhindern können. Zudem prüfte das Team, ob sie Suizidgedanken verringern, selbstverletzendes Verhalten reduzieren und die Anbindung an die psychiatrische oder psychologische Versorgung verbessern.

Eindeutig weniger erneute Suizidversuche

Dazu analysierten die Forschenden 36 kontrollierte Studien aus den Jahren 1993 bis 2025 mit insgesamt rund 9’500 erwachsenen Teilnehmenden aus Europa, Amerika, Asien, dem Nahen Osten sowie Australien und Neuseeland. In die statistische Gesamtauswertung wurden 33 Studien einbezogen. Alle Teilnehmenden hatten mindestens einen Suizidversuch unternommen.

Das zentrale Ergebnis: Personen, die eine Kurzintervention erhielten, hatten eine um 28 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit eines erneuten Suizidversuchs als Personen, die nur die übliche medizinische Versorgung erhielten. Im Durchschnitt wurden die Teilnehmenden über einen Zeitraum von rund zehn Monaten nachbeobachtet.

Auch Suizidgedanken nahmen ab. Dieser Effekt zeigte sich vor allem in den ersten Monaten nach der Intervention und schwächte sich mit der Zeit etwas ab. Keine klaren Effekte fanden sich hingegen für selbstverletzendes Verhalten ohne Suizidabsicht sowie für die Anbindung an die psychiatrische oder psychologische Versorgung.

Niederschwellig, skalierbar, praxisnah

«Bereits eine einzige strukturierte Sitzung kann wirksam sein», sagt Erstautorin Stephanie Homan vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. «Diese Kurzinterventionen sind besonders in Notaufnahmen, auf psychiatrischen Stationen oder in der ambulanten Versorgung relevant – also überall dort, wo personelle und finanzielle Ressourcen begrenzt sind.» Sie eignen sich etwa im Anschluss an eine Notfallbehandlung oder nach einem Spitalaustritt. Gleichzeitig betont Homan, dass Kurzinterventionen keine intensiveren Therapien ersetzen können. Vielmehr können sie eine erste, rasch verfügbare Unterstützung bieten und Teil umfassender Präventionsstrategien sein.

Wirkmechanismen und Langzeiteffekte besser erforschen

Welche konkreten Bestandteile dieser Kurzinterventionen besonders wirksam sind und welche Personengruppen am meisten davon profitieren, bleibt offen. Um dies zu klären, sollen weitere ausreichend grosse Studien unterschiedliche Interventionsformen direkt vergleichen, die zugrunde liegenden Wirkmechanismen besser verstehen und Zielgruppen präziser identifizieren. Zudem gilt es zu klären, wie sich die Effekte langfristig stabilisieren lassen und welche Rolle digitale Formate dabei spielen können.

Gestützt auf die bereits gewonnenen Erkenntnisse entwickelt das Forschungsteam derzeit neue Interventionen, um Menschen nach einem Suizidversuch künftig noch gezielter zu unterstützen.

Titelbild: Bereits eine einzige strukturierte Sitzung kann Gefährdete von einem erneuten Suizidversuch abhalten. 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH71 0028 7287 1801 7101 L

1 Kommentar

  1. Durchaus interessanter Artikel. Aber weshalb bloss muss im Titel der veraltete und abwertende Begriff «Selbstmord» stehen? Im Text wird durchwegs (korrekterweise) von Suizid gesprochen. «Mord» evoziert unmittelbar etwas Verbotenes und Verabscheuungswürdiges – und diese Assoziation sollte doch bezüglich des Suizids heute endlich überwunden sein. Falls der Begriff gewählt wurde, um das Fremdwort «Suizid» zu umgehen, gäbe es ja noch den Ausdruck «Selbsttötung», der schon wesentlich neutraler ist als der «Selbstmord».

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-